Wird Südafrika die WM 2010 verlieren?
Juli 12, 2006 von telegehirn
Die WM 2006 in Deutschland ist erst am Sonntag beendet worden und schon ist wieder die Debatte um die nächste WM entbrannt. Diese soll 2010 in Südafrika stattfinden. Doch es mehren sich die kritischen Stimmen, die eine Verlegung in ein anderes Land fordern. Im Gespräch als Ersatzausrichter sind Australien, die USA und Deutschland.
Die Kritik an Süd-Afrika kommt nicht nur aus den Medien, sondern auch innerhalb der FIFA gibt es massive Bedenken gegen Südafrika als Gastgeber. Die Liste der Mängel ist lang und so gibt es große Bedenken was die Sicherheit, fehlende Hotels und unzureichende Infrastruktur betrifft. Auch der Bau der meisten Stadien hat noch nicht oder gerade erst begonnen.
Der FIFA-Präsident Sepp Blatter steht unverdrossen hinter Süd-Afrika als Ausrichter der Fussball-WM 2010. Blatter gehörte zu denen, die schon die WM 2006 nach Südafrika geben wollten. Jedoch wurde dank der Titanic das Unentschieden in der Abstimmung vermieden und Blatters Stimme musste nicht entscheiden. Im Grunde war schon kurz nach der Vergabe der WM 2006 an Deutschland im Juli 2000 klar, daß die WM 2010 in Südafrika stattfinden wird. Noch nie hatte ein Land so viel Zeit sich auf eine WM vorzubereiten.
Sepp Blatter und der von ihm eingeführte Rotationsmodus sorgten dafür, daß die WM 2010 auf jeden Fall in Afrika veranstaltet wird. Also bekam Südafrika die einmalige Chance eine WM fast 15 Jahre im Voraus planen zu können. Doch es ist nichts geschehen. Es ist als politische Entscheidung anzusehen, die WM nach Afrika, speziell nach Südafrika zu vergeben.
Sepp Blatter stellte sofort klar, daß die WM 2010 auf jeden Fall in Südafrika stattfinden wird. Zumindest bis 2007 wird Blatter diese Position auf jeden Fall vertreten. Dann möchte Blatter als FIFA-Präsident wiedergewählt werden und er braucht die 52 Stimmen aus Afrika. Was danach geschieht ist offen.
Sepp Blatter sagte vor wenigen Tagen:
I am optimistic for Africa.The whole world trusts you, the whole FIFA family, they say yes to South Africa, we trust South Africa.
Of course 2010 will not be the same as this one. What is important is that we already know the South African World Cup will raise more money than the 2006 World Cup and that the market supports South Africa. It will be a World Cup played to the sound of African drums, and all of Africa will be supporting this tournament to transform a continent.
Wie allerdings mit der WM 2010 mehr Geld eingenommen werden soll, als mit der WM 2006 ist mir ein Rätsel. Einerseits werden nur etwas 500.000 ausländische Touristen erwartet und andererseits müssen die Eintrittspreise massiv gesenkt werden, damit sich die relativ arme Bevölkerung den Eintritt auch leisten kann. In Deutschland waren es über 2.000.000 ausländische Gäste.
Es wird wieder einmal deutlich, wie die FIFA funktioniert: eine Mischung aus Geld, Macht und Politik formen eine unheilige Allianz.
Zu Bedenken ist auch, daß Südafrika eine der höchsten Mordraten der Welt hat. Im Jahr 2005 wurden offiziell etwa 18.000 Morde gemeldet. Dazu 55.000 Vergewaltigungen, 267.000 Fälle von Körperverletzung und etwa 12.000 Fälle von Carjacking, sowie etwa 80.000 weitere “normale” Autodiebstähle.
Wenn man mal ein paar aktuelle Meldungen aus Südafrika liest, dann kann einem schon ganz anders werden. Die dortigen Sicherheitsbehörden achten nicht immer die Menschenrechte, auch wenn die Rahmenbedingungen für die Polizei denkbar schlecht sind. Da erscheint die Cholera als ein eher geringes Problem.
Entweder hält Südafrika die Rahmenbedingung ein oder es wird die WM verlieren. Jetzt werden wieder viele der modernen Gutmenschen aus ihrer bunten Peter-Pan-Welt fallen und laut aufschreien.
Wie kann man nur den armen Afrikanern die WM wegnehmen! Wir haben sie doch so lange unterdrückt!
Politische Erwägungen dürfen keine Rolle spielen bei der Vergabe der WM. Es steht eigentlich außer Zweifel das Südafrika die Auflagen der FIFA nicht erfüllen wird. Es liegt jetzt an den vernünftigen Verantwortlichen in der FIFA absolut sicherzustellen, daß Südafrika entweder alle Auflagen einhält oder das die WM an ein anderes Land vergeben wird, daß fähig ist die Auflagen einzuhalten.
Und es gibt einen Präzedenzfall: 1986 sollte die WM in Kolumbien stattfinden. Doch das Land konnte die FIFA-Auflagen nicht erfüllen und so wurde Kolumbien 1983 die Gastgeberrolle entzogen und Mexiko wurde Gastgeber. Kolumbien hatte damals ähnliche Probleme wie Südafrika heute. Damals zögerte die FIFA nicht und unternahm alles um die WM 1986 zu retten. Obwohl Südafrika 800 Millionen € von der FIFA als Unterstützung bekommt, fehlen immer noch Milliarden um die nötigen Investitionen zu tätigen. Der deutsche Steuerzahler hat die WM 2006 mit mehr als 4 Milliarden € subventioniert. Dazu kam noch die Steuerfreiheit für die FIFA.
Südafrika sollte nicht Unsummen für eine WM ausgeben, wenn mit dem Geld statt Stadien und Luxushotels Wohnungen und Schulen für die Bevölkerung gebaut werden könnten.
Es werden vier mögliche Ersatzausrichter genannt.
USA:
Die USA würden den Vorteil bieten, daß dort 1994 schon einmal eine WM stattfand und deshalb noch genug Sachverstand und Erfahrung vorhanden sein sollte. Leider entwickelt sich der Männerfußball nicht so positiv wie der Damenfußball. Aber in den USA haben alle wichtigen Sponsoren ihren Sitz. Ein Hindernis könnten die verschärften Einreisebedingungen seien.
Chancen 60 %
Australien:
Wer erinnert sich nicht an die phantastische Olympiade im Jahr 2000 in Sydney? Während der WM konnte Australien sich auch im Fußball einen guten Namen erspielen und die Fans machten einen fabelhaften Eindruck. Sie schieden erst im Achtelfinale unglücklich gegen den Weltmeister aus Italien aus. Australien ist aber kein klassisches Fußballland und es ist fraglich ob die Bevölkerung sich mehrheitlich mit einer WM identifizieren kann. Dazu käme noch ein Stadionproblem ähnlich wie in Südafrika.
Chancen 40 %
Deutschland:
Es mag größenwahnsinnig erscheinen. Es ist eine vollkommen verrückte Idee. Es scheint nahezu unmöglich, daß Deutschland die WM zweimal hintereinander ausrichtet. Halt! Man muss ehrlich sein: die Organisation und Durchführung der WM hat Maßstäbe gesetzt, die eigentlich nicht zu überbieten sind. Wie wird diese WM in aller Welt gelobt? Nicht wegen der Spiele auf dem Platz. Diese waren meist grausam. Aber die Welt ist voll des Lobes, nicht nur die Freundlichkeit der Gastgeber wird gelobt, sondern ganz besonders das Public Viewing wird als einmalige Beteiligung von Fans aus aller Welt ohne Karten gelobt. Die Lobhudelei ließe sich noch endlos fortführen. Die Kosten wären minimal, weil z.b. die Infrastruktur und die Stadien neu sind. Doch vergessen wir diese Idee gleich wieder. Das wird niemals passieren. Jedenfalls, so lange Blatter das Sagen in der FIFA hat.
Chancen 10 %
China:
Asien wird ja immer wieder als der Markt der Zukunft beschworen und China ist im Mittelpunkt dieser Hoffnungen. Die Chinesen sind sehr fußballverrückt und würden die WM mit Kusshand nehmen und die FIFA interessiert sich nicht für sonderlich für die Menschenrechte. Peking wird Olympia 2008 ausrichten. Sollte Südafrika die WM erst nach der Olympiade 2008 verlieren und die Spiele positiv verlaufen, dann stehen die Chancen von China nicht schlecht. Ansonsten eher ein Außenseiter.
Chancen 55%
















USA, Australien oder Deutschland gerne, aber bitte bitte nicht China. Da würde ich noch Südafrika vorziehen.
Australien wäre sehr reizvoll.
China hat natürlich jetzt auch nicht die Stadien. Von den Menschenrechten wollen wir gar nicht reden.
Wenn dann wird es wohl auf die USA hinauslaufen.
Oder aber die FIFA lässt alles im südafrikanischen Chaos ablaufen. Mal sehen wieviele NO-GO-Areas es dann ist Südafrika gibt. Herr Heye übernehmen Sie!
Ich finde auch dass die Vergabe nach SA rein politisch ist, und nichts mit reelen Vergabekriterien zu tun hat, aber:
Spanien hatte von 1966 bis 1982 16 Jahre Zeit sich vorzubereiten, siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschaft_1982
Als Ex- Südafrikaner und Kenner der dortigen Zustände, würde ich die Verlegung der Fußball WM in ein anderes Land auch sehr begrüßen.
a.) Südafrika ist sehr entlegen
nicht für eine derartige Veranstaltung geeignet.
b.) Südafrika ist SEHR gefährlich (Kriminalität)
c.) Infrastruktur (öffentliche Verkehrsmittel, Nächtigungsmöglichkeiten usw…
d.) Polizei, Sicherheitsdienste, Spitäler usw. entsprechen nicht mehr den westlichen Standards.
e.) Stadien wie z.B das Ellis Park Stadion in Johannesburg liegt ca. 3km von der Innenstadt (eine “No-go area” für Europäer). Ähnliches gilt für andere Stadien.
f.) Das Geld sollte lieber anderwertig investiert werden.
Ich lasse mich gerne positiv überraschen, aber ich befürchte die ganze Sache mit SA 2010 könnte sich zu einem echten Debakel entwickeln.
Ich denke das mit SA 2010 wird schon klappen, denn irgendwann wird Afrika eine WM austragen müssen, und Südafrika ist bei weitem das modernste Land Afrikas, die Flughäfen und Transport von und hin sind sehr gut organisiert und die Polizei in Kapstadt jedenfalls ist allgegenwärtig. Und hat Deutschland schon 2002 alle Stadien fertig gehabt?
Was ist im Leben n i c h t letztendlich POLITIK… ?!! Das was Deutschland durch die WM wieder mal gelernt hat, wird in SA noch gelebt!!
Jedes Land hat seine positiven und negativen Aspekte.
In SA stiehlt ein Junge, weil er sich ein Stück Brot kaufen will, in Deutschland hört man von Einbrüchen und Randalismus von Jugendlichen, weil Sie nicht wissen,was Sie in Ihrer Freizeit anstellen sollen oder weil Sie betrunken waren. Was ist jetzt schlimmer ? Ich wünsche mir persönlich sehr; dass die WM in SA bleibt. Athen hat auch alles im letzen Moment geschafft.
Ich hoffe und wünsche mir, dass SA die WM behält
Meine Erkenntnise aus verschiedenen Qellen zu Südafrika als Veranstaltungsort der WM 2010:
Südafrika hat eine sehr hohe Kriminalität, die Infrastruktur (Telekomunikation, Medientechnik, Strom) ist nicht für eine derartige Veranstaltung geeignet (und benötigt Milliarden von Dollars alleine für die TK), die Stadien sind zur Zeit absolut nicht auf dem Level für eine solche Veranstalltung (Planung und Finanzierung für Modernisierung/Neubau sind noch nicht angelaufen).
Dennoch würde ich mich sehr freuen, wenn SA es doch noch hinbekommt, denn dann würden auch (hoffentlich) die Bevölkerung danach davon Profitieren. Die Bevölkerung wird aber nicht das Geld haben die Spiele in den Stadien zu verfolgen (Es sind mir aber Ausnahmen bekannt).
Mein Fazit: Entweder legt sich SA noch mächtig ins Zeug oder Blatter wird nach seiner Wiederwahl wohl oder übel einen Ausweichplan auspacken.
Die Organisation der WM 2006 in Deutschland steht jedenfalls noch in Stand-By.