Ich war heute auf der Solidaritätsdemonstration für Israel. Trotz enormer Hitze und einer fast unerträglichen Schwüle fanden sich etwa 1000 bis 1500 Menschen am Steinplatz in Charlottenburg ein. Ich war etwa eine Viertelstunde vor Start der Demonstration am Ort.
Ich weiß nicht warum, aber mir passiert es immer wieder: wenn ich zu einer Demonstration gehe, dann werde ich von der Polizei einer Vorkontrolle unterzogen. So auch diesmal und ich möchte der Berliner Polizei danken. Sie setzt Beamte ein, die sich mit Geschichte auskennen.
Ich gebe hier aus dem Gedächtnis folgenden Dialog mit dem etwa 25 jährigen Polizeibeamten wieder:
Telegehirn: “Werden eigentlich alle Teilnehmer durchsucht?”
Polizist: “Nö”
Telegehirn: “Welchen Kriterien haben Sie dabei?”
Während der Beamte meinen Rucksack durchsuchte, sagte er:
Polizist: “Selektive.” (!!!)
Jeder kann sich wahrscheinlich meinen Geschichtsausdruck vorstellen.
Telegehirn: ” Sie wissen schon, was das für eine Demonstration ist? Solch ein Begriff ist auf einer Israel-Soli-Demo mehr als unangebracht.”
Polizist: “???”
Telegehirn: ” Ich weiß ja nicht, ob Sie im Geschichtsunterricht aus dem Fenster geschaut haben?
Polizist: “???”
Er hat es einfach nicht verstanden. Das die Berliner Polizei 2006 noch selektiert…
Telegehirn: “Wäre mir das mit Kippa und Israelfahne auch passiert?”
Polizist: “Ja.”
Darum mag ich die Polizei so. Immer kompetent und geschichtsbewußt. Normalerweise hätte ich das nicht so stehen lassen und mich ordentlich beschwert, aber das war mir dieser tolle Vertreter der Ordnungsmacht nicht wert und ich hatte ja ein Anliegen. Zu demonstrieren und darüber berichten.
In losen Reihen ging es los Richtung Bahnhof ZOO. Mit dabei waren auch ein paar Politiker. Darunter Karsten Voigt und Eckhard von Klaeden. Michel Friedman war auch dabei, sowie Dr. Gideon Joffe, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Berlin.
“Was wir wollen ist nicht viel. Solidarität mit Israel.” Mit dieser Parole erreichten wir den Zoo und bewegten uns unter den neugierigen Blicken der Passanten zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. Dort kam es zu einem kleinen Zwischenfall, als eine Gruppe, offensichtlich arabischer Jugendlicher, mit den Rufen “Viva! Viva! Palästina” die TeilnehmerInnen provozieren wollte. Dafür ernteten sie “Nazis Raus” Rufe. Ein Teil der Demonstranten wollte sich den Provokateuren nähern. Jedoch waren die Herren in grün schneller und drängten die Pöbler ab. Übrig blieb diese Dame:
Dann sollte auf dem Breitscheidplatz eine Zwischenkundgebung stattfinden, was jedoch von der Polizei, aus mir unbekannten Gründen, abgelehnt wurde. Es gab einige Diskussionen und der Zug blieb erstmal auf dem Platz. So konnte ich Karsten Voigt fragen, warum denn nicht mehr Politiker anwesend sind. Er machte die Urlaubszeit dafür verantwortlich und das er von dem Aufruf erst am Dienstag erfahren hätte. Es wurde von allen anwesenden Politikern betont, daß es notwendig sei die Hisbollah zu entwaffnen.
Dann ging es über den Tauentzien Richtung Wittenbergplatz. Dort wurde dann die Abschlußkundgebung abgehalten. Die erste Rede hielt Dr. Gideon Joffe und er begann seine Rede mit: “Es ist gut zu sehen, wieviele Freunde Israel [in Berlin] hat.” Er bedauerte alle Opfer des Krieges, stellte jedoch klar, daß alleine die Hisbollah die Verantwortung trägt. Er hielt eine sehr ansprechende Rede, in der er sich für die Solidarität bedankte und deutlich machte, daß Israel einen Verteidigungskrieg führt.
Die Rede von Eckhard von Klaeden war nicht besonders mitreissend, was aber Kenner nicht verwundern sollte: “Heute ist kein Tag für Sonntagsreden. Heute ist ja auch Freitag.” Auch er betonte, daß Israel einen Krieg ums Überleben führt und forderte die Umsetzung der UNSR-Resolution 1559.
Dann kam der Auftritt von Michel Friedman. Wortgewaltig wie immer, betonte Friedman, daß seit dem Rückzug aus dem Süd-Libanon kein Tag vergangen sei, am dem nicht Raketen auf Israel abgefeuert wurden. Er machte deutlich, daß hinter der Hisbollah Syrien und der Iran stehen, denn diese Länder haben die 12.000 Raketen geliefert, über die die Hisbollah verfügt und fragte warum die internationale Staatengemeinschaft davon nichts mitbekommen haben will. Er mahnte die Welt, nicht schon wieder Appeasementpolitik zu betreiben und warf den westlichen Staaten Untätigkeit vor. Es sei ein “Kampf zwischen der westlichen Welt und dem Islamismus.” Er forderte die arabische Bevölkerung auf, jenen “moderaten” arabischen Führern aus Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien zu folgen, die gegen die Hisbollah Stellung bezogen haben. Er erinnerte die Teilnehmer an die Shoa und das jemand wie Ahmadinedschad die Ausradierung Israels fordere und deshalb nicht noch einmal die selben Fehler wie in den 30 Jahren gemacht werden dürften. Er fragte, ob die westliche Welt nichts aus der Geschichte gelernt habe und forderte Sanktionen gegen den Iran und das der Westen das Öl nicht über die Freiheit stellen dürfe.
Alle Fotos von Telegehirn. Nicht kommerzielle Verwendung ist gestattet, wenn die Quelle und der Urheber angegeben werden.
Nachtrag:
Auf Grund der vorgezogenen Stunde fehlte die Erwähnung des letzten Redners. Dieser war Thomas von der Osten-Sacken. Er wurde sofort aus dem daneben liegenden Cafe als “Kriegstreiber und Heuchler” beschimpft. Ein etwa 45 jähriger Mann, Typ Ex-Stasimitarbeiter, wurde von der Polizei abgedrängt. Am Rande der Demo versuchte er dann mit den Beamten und den Teilnehmern zu diskutieren. Was die Polizei jedoch gerade nicht wollte. Ich habe nicht alles mitbekommen, aber dieser Provokateur sagte, daß er wegen “dem Hass der dort [von Thomas von der Osten-Sacken] verbreitet würde” nicht schweigen könne. Die umstehenden Menschen mussten laut lachen, ob solcher Dummheit. Am Wittenbergplatz kam es vor der Abschlußkundgebung noch zu ein paar kleinen Diskussionen. Neben dem Mann mit dem Schild (Sternumfrage, siehe oben) stand ein deutscher Jung-Pazifist. Einer von der radikalen Sorte. Er wandte sich gegen den Krieg im Allgemeinen und meinte, daß Bomben keine Lösung seien. Auf meine Frage, was denn Israel gegen die Angriffe der Hisbollah machen sollte, sagte er doch tatsächlich: “Dann sollen sie eine Mauer bauen.” Ich entgegnete:” Wie hoch soll die Mauer denn sein, damit die Raketen der Hisbollah nicht drüber fliegen?” (Ich weiß, im Gegensatz zu diesem Radikal-Pazifisten sehr genau, daß keine Mauer der Welt eine Rakete abhalten kann) Worauf er sagte: “Ich weiß nicht. Hoch genug.” Dann trollte er sich. Ob er sich dann gleich freiwillig zum Bau diese Mauer meldete, ist nicht bekannt.
Bei Liza gibt es einen interessanten Artikel der Bezug auf die Demonstration nimmt und auch die Verlogenheit eines Teils der “Linken” aufs Korn nimmt. Der Indymedia-Artikel auf den Liza sich bezieht, wurde inzwischen “versteckt”. Bei Planet Hop gibt es auch schöne Fotos von der gestrigen Demo.












[...] Einen umfassenden und bebilderten Bericht zur gestrigen Demonstration finden Sie beim Telegehirn. — [...]
Lieber Freund, hacken Sie doch bitte nicht ausgerechnet auf den Polizisten herum, die in der Hitze Überstunden schieben, um Sie zu schützen. Sie müßten doch schon verstanden haben, dass Durchsuchungen dieser Art dem Schutz einer solchen Demonstration dienen und nicht irgendeiner ideologischen Schikane. Ich für meinen Teil werde immer ganz unruhig, wenn ich bei einem solchen Anlaß NICHT durchsucht werde. Und von einem jungen Polizisten, der sich auf seine Arbeit konzentrieren muss, auch noch zu verlangen, ein geschichtspolitisches Kolloquium zu halten, ist lächerlich. Ebenso obsessiv und projektiv ist es, bei der Verwendung des Wortes “selektiv” immer gleich nur an das Eine zu denken. Dieses Wort wird tagtäglich in jedem nur denkbaren Zusammenhang verwendet und hat für sich genommen überhaupt nichts Anrüchiges. Zu monieren, dass der Polizist auch jemanden mit Kippa filzen würde, ist nun wirklich naiv. Jeder weiß doch, dass sich Selbstmordattentäter in Israel mit Vorliebe sogar als orthodoxe Juden verkleidet haben, um ihr Ziel zu erreichen. Der junge Polizist hat Ihnen genau die richtige Antwort gegeben, als er Ihre abseitigen Fragen einfach ignoriert hat Lassen Sie mal schön die Polizisten ihre Arbeit tun, die wissen schon genau, was sie zu tun haben. Und sagen Sie Ihnen vielleicht lieber mal ab und zu ein freundliches Danke schön dafür, daß sie Ihr Leben schützen. Ansonsten aber: Danke schön an Sie für die schönen Bilder und dafür, daß Sie für Israel demonstriert haben.
Ja, seh ich ähnlich wie Theo.
Die Armen Bullen.. die habens nu wirklich nicht einfach..
ehrlich.
@ Richard Herzinger:
Nicht das Sie mich falsch verstehen. Mir geht es nicht um billiges Bullenbashing. Ich habe auch überlegt, ob ich das berichten soll. Ob das wichtig ist. Ich finde ja. Auch hat der Polizist mir nicht geantwortet, weil er nicht verstanden hat, was ihm da rausgerutscht ist. Für meine Verhältnisse habe ich versucht das realtiv neutral darzustellen. Und: ich habe als mündiger Bürger doch das Recht und sogar die Pflicht zu fragen warum und weshalb die Polizei so oder so handelt. Ich bin kein Untertan und darf Rechenschaft verlangen. Es gab in den letzten Jahren einige antisemitische Zwischenfälle in der Berliner Polizei. Gerade bei jungen Polizisten. Da sollte man wachsam sein. Ausserdem wurden so gut wie keine anderen Teilnehmer durchsucht. Es wurde eben selektiert. Nur eben nicht mit den schlimmen Folgen wie damals. Ob der Polizist weiß, wie Selbstmordattentäter sich verkleiden, darf bezweifelt werden.
Billig- blöd- beklopptes Bullenbashing
Ich mag Stabreime.
Die Libanese leisten Widerstand gegen den israelische Agressor, der ihr Existenzgrundlage zerstört. Respektieren wir zumindest die Einsicht der Libanese, wenn wir nichts gegen Israels Militärmaschine tun können. Und lesen Sie die Christliche Tageszeitung http://www.lorient-lejour.com .
Mit Gewalt gegen Demonstranten in Israel
bittesschn:
[url]http://www.freace.de/artikel/200608/130806a.html[/url]
ich kann dazu echt nix sagen… menschenleben kostet dort nix mehr…
[...] Redaktion Bahamas gelang es für ihre Pro-Israel Demonstration am 28. Juli 2006 die jüdische Gemeinde und andere (neuerdings “deutsche”) Vereine zu [...]
[...] polizei würde in Zeiten der ständigen Bedrohung durch den > internationalen Terrorismus und eklatanter Knappheit der Kassen nicht > nur Kosten einsparen, sondern durch die kürzeren Kommunikationswege – > und den somit wegfallenden Abgleich der Daten – einer wesentlich > effizienteren Verbrechensbekämpfung dienen. Der Polizei würden > Werkzeuge der Geheimdienste zur Verfügung stehen, auf die sie in > Sachen Terrorismusbekämpung angewiesen sind, weil man diesem > Krebsgeschwür des 21. Jahrhunderts nur durch geheimdienstliche > Tätigkeit gepaart mit wesentlich höhere Strafen (und damit meine ich > die Todesstrafe für Mörder, damit sie nie wieder morden!) > wirkungsvoll entgegentreten kann. War das nicht das Problem im dritten Reich? Es geht hier doch schon lange nichtmehr darum irgendwelche Terroristen zu fassen, sondern die bekämpfung politischer Gegner ist viel wichtiger, und wird mit solchen Gesetzen Wirkungsvoll durchgeführt. [...]