Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch hat in einem Gespräch mit Spiegel Online die Anti-Stimmung gegen Juden in Deutschland angeprangert. Sie äusserte sich auch zu Günter Grass und seinem Geständnis der Waffen-SS angehört zu haben, sowie dem iranischen Atomprogramm:
SPIEGEL ONLINE: Wie beurteilen Sie Irans Vorgehen in der Krisenregion? Ist der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad überhaupt noch von seinem Atomprogramm abzuhalten?
Knobloch: Vielleicht kann Uno-Generalsekretär Kofi Annan bei seinem anstehenden Teheran-Besuch im direkten Gespräch mit Ahmadinedschad etwas bewirken. Aber momentan ist die Diplomatie, auf die man so viel gesetzt hatte, am Ende. Das überrascht mich nicht. Das war immer nur ein kleiner Hoffnungsschimmer. Insgesamt erinnert mich die heutige Situation an die gescheiterte Appeasement-Politik gegenüber Hitler. Die Geschichte wiederholt sich doch immer wieder. Und daraus sollte man lernen.
Gopher Annan wird da nicht viel ausrichten. Schon alleine deshalb, weil Annan einer der führenden Appeasementpolitiker unserer Zeit ist. Zu Günter Grass sagte Knobloch:
SPIEGEL ONLINE: Mitten in den Libanon-Krieg hinein platzte Nobelpreisträger Günter Grass mit dem Bekenntnis über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS. Hätten Sie das für möglich gehalten?
Knobloch: Ich war total überrascht. Andererseits: Günter Grass ist mir immer etwas unscharf vorgekommen. Aber in diese Richtung habe ich ihn zuvor nicht eingeordnet. Vielleicht ist es auch einfach nur gutes Marketing für sein Buch, der Zeitpunkt seines Bekennens setzt da durchaus Fragezeichen.
Unscharf trifft es ganz gut. Es handelt sich wohl wirklich um den Versuch eines alternden Schriftstellers Werbung für sein neues Buch zu machen. Zum Anschwellen des Antisemitismus in Deutschland findet Charlotte Knobloch deutliche Worte.
SPIEGEL ONLINE: Bei Ihrem Amtsantritt haben Sie gesagt, ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit werde der Kampf gegen Rechtsextremismus sein. Sind antisemitische Stimmungen in Deutschland durch den Nahost-Konflikt wieder angeheizt worden?
Knobloch: Ja, leider. Ich sehe eine absolute Anti-Stimmung gegen Juden und den Staat Israel. Bei Demonstrationen werden hier etwa Plakate durch die Straßen getragen, auf denen steht: “Israel – Kindermörder”. Die Polizei zieht diese Parolen nicht ein und jene Menschen, die sich mit dem Thema nur am Rande oder gar nicht befassen, die werden dann negativ beeinflusst. Das sind die Grundlagen dieser Anti-Stimmung. Die gibt es in allen Bereichen. Wir organisieren zum Beispiel gerade ein Benefizkonzert, und sogar da kommen ablehnende, antisemitische Briefe. Es wird alles in einen Topf geworfen. Wir als jüdische Bürger in Deutschland werden in den aktuellen Nahostkonflikt hundertprozentig hineingezogen. Und die Politiker, die sich mit wohlbedachten Worten dieser Anti-Stimmung anschließen, die haben natürlich Hochkonjunktur.
Aber es gibt ja (fast) keinen Antisemitismus in Deutschland und schon gar nicht von Links. So jedenfalls hört man es in letzter Zeit immer wieder. Das ist natürlich ein ganz billiger Versuch gewisser Kreise, vom eigenen Antisemitismus abzulenken und ihn als “Israelkritik” zu tarnen.












Zu dem Thema war auch neulich ein Artikel in der ZEIT (in der Print-Ausgabe, habe ich während meiner internetlosen Ferien gelesen). Was da beschrieben wurde, die persönlichen Angriffe, denen sich Juden in Deutschland wegen des Nahostkonflikts ausgesetzt sehen – das waren richtige Albtraumszenarios. Als wären bestimmte Leute froh, endlich einen Grund gefunden zu haben, ihren Haß offen rauszulassen.
Komisch, diese Emotionen hat der Balkankonflikt nie losgetreten. Das funktioniert nur, wenn Israel beteiligt ist. Und allein schon der Ton macht klar, daß es nicht um sachliche Kritik geht.
Schade, sehr schade.
Ich verstehe das auch nicht..
hm.. hat wohl mit Menschen zu tun..
Das Perverse an der Sache ist doch, daß alle diese sog. “Israelkritiker” vulgo: Judenhasser, von sich behaupten gar keine Antisemiten zu sein, sondern vorgeben Israel zu kritisieren. Nach der Logik solcher Gestalten wie Bartels, bitter_twisted und balou gibt es ja eigentlich keine Antisemiten, weil alle ja nur Israelkritiker sind.
Hallo, Lila, hallo, Telegehirn,was “Albtraumszenarios” angeht, da können die Muslime, wie ja zumindest Telegehirn weiß, locker mithalten, siehe PI und Co. Ich finde es allerdings bedenklich, jede Kritik am israelischen Vorgehen gleich pauschal als “Antisemitismus” abzutun, aber vielleicht hast Du ja den Beleg dafür. Das sollte man sauber auseinanderhalten, sonst ist man schnell auf dem Niveau eines Henryk Broder, den ich – obwohl er im Spiegel schreibt – nicht mehr für eine seriöse Quelle halte. Wenn es stimmt, daß, wie ich las, Herr Broder einen Auschwitz-Überlebenden mit “Berufsüberlebenden” verhöhnt hat, dann ist genau das für mich eine Förderung des Antisemitismsus at it’s Best, weil es den wirklichen Antisemiten die Möglichkeit gibt, genau das wieder aufzuwärmen. Vielleicht solltest Du auch hier: http://www.btselem.org/English/index.asp
mal reinschauen. Habe ich von Balou, zugegeben, wo mir allerdings die dazugehörige Kommentarreihe absolut nicht gefallen hat. Aber kommen wir zurück zu B’tselem: ich hoffe, Du kommst nicht gleich auf den Bolzen, und hältst ein Jewish Self-Haters dagegen. Warum ich das jetzt hier gepostet habe? Weil ich zeigen wollte, daß nicht jede Isralekritik=Antisemitismus ist. Einen Freund darf man kritisieren, wenn man es nicht tut, ist man kein Freund.
Sicherlich darf man einen Freund kritisieren, aber diese Leute sind ja gar keine Freunde Israels. Oder habe ich irgendwo etwas überlesen?
Nein leider sind es nicht die meiner nach vollkommen treffenden Kritiker an der israelischen Politik die Antisemitismus schüren, sondern vielmehr die israelischen Politik, bzw. den Terror, der im Libanon verbreitet wurde.
Der französische Publizist Alfred Grosse hat neulich in einem Interview in der Berliner Zeitung eben genau dies festgestellt und man muss sagen der Mann hat völlig recht.
Israel, bzw. der Zentralrat der Juden gibt vor für alle Juden zu sprechen und nimmt alle Juden außerhalb Israels in Beschlag und verursacht so, dass beispielsweise viele Araber eben keinen Unterschied machen zwischen Israeli und Jude.
Schlimm ist es daher, dass Israel nicht nur behauptet ein sicherer Ort für die Juden zu sein, der er nicht ist, sondern auch noch das Leben vieler Juden in Europa gefährdet, die wahrscheinlich garnicht mit der Politik Israels üebreinstimmen.
Ach Telegehirn, es geht nicht um “diese Leute”, sondern es geht die, die bei einer grundsätzlich positiven Haltung gegenüber Israel nicht alles 100% beklatschen, was Israel so macht. Was Du jetzt machst, ist genau dasselbe, als würde ich das berüchtigte “Pfählungsvideo” auf der Seite masada2000 eine “jüdische Publikation” nennen, nämlich immer die Extreme verallgemeinern. Ansonsten schließe ich mich Gaston an und verweise auf die Diskussuion bei mir: http://bigberta.twoday.net/stories/2606721/
noch ein Nachtrag: kennst Du dieses Interview? http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/dl-artikel2.cgi?artikelnr=23402&zeilenlaenge=72&mode=html
Über Moshe Zuckermann und seine Sicht der Dinge kann man geteilter Meinung sein und ich teile sie auch nicht. Er liegt recht falsch. Hier mal nur ein Beispiel:
“Ganz im Gegenteil kann man sagen, dass eine neue Not im Gaza entstanden ist. Solange dieser Rückzug nicht damit verbunden ist, dass die Palästinenser auch ihren souveränen Staat bekommen, der als Staat natürlich auch die Westbank mit einschließen muss, ist das nur eine halbe Lösung.”
Das blendet viele Dinge aus. Z.B. die Korruption innerhalb PSA. Arafat hat seiner Frau 1 Milliarde Dollar hinterlassen; Geld was er gestohlen hat. Wer hat denn 1999 den von Clinton in Camp David vorgeschlagenen Frieden abgelehnt? Solange sich die Palästinenser selbst im Weg stehen und die Korruption nicht bekämpfen, werden sie nicht vorwärts kommen. Dazu hört sich das wie eine Rechtfertigung des Terrors an. In Israel fragt man scherzhaft: Warum wurden bisher noch keine Raketen aus der Westbank abgefeuert? Weil Israel sich noch nicht von dort zurückgezogen hat. Eine Bedingung sollte doch wohl sein, daß Hamas, Tansim, und die anderen Terrororganisationen eben den Terror beenden und vor allem Israel anerkennen. Die Hamas hat bis heute Israel nicht anerkannt. Soll man mit solchen Leuten verhandeln? Wohl kaum.
Oder auch:
“Im Gaza-Streifen wurde ein neues Problem hinterlassen – ein Arbeitsmarktproblem, aber auch humanitäre Not.”
Siehe das Korruptionsproblem. Wo ist das ganze Geld geblieben, daß die EU und andere bisher in die PSA gepumpt haben? Israel stellt durchaus die Versorgung Gazas sicher.
Schau Dir doch mal das hier an oder das und das.
Und ganz besonders ans Herz legen möchte ich Dir dieses Interview mit Necla Kelek:
Einige sollten halt mal die rosarote Brille ablegen; ohne dabei gleich wie DER STÜRMER aufzutreten oder wie “ca”.
Ach, Telegehirn, das hat aber – in aller Freundschaft jetzt schon was Verzweifeltes? Und zwar verzweifelt Einseitiges, sorry. Hier eine zweite Seite von Camp David: http://www.zeit.de/archiv/2000/31/200031.naher_osten_.xml?page=all
Suha Arafat? Wo hast Du denn das mit der Milliarde her?
Guckst Du:
http://www.n24.de/politik/ausland/index.php/a2004111211071962440
http://www.n24.de/politik/ausland/?a2004110913271645098
http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/614/42572/
Sicherlich sind 20.000 Dollar monatlich auch viel Geld, dazu hat sie ein Erbe von 11 Millionen bekommen, aber das unterscheidet sich, wenn ich richtig gerechnet habe, um den Faktor 5×100.000 von der von Dir angegebenen Summe.
Korruption:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,434295,00.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,434295,00.html
so, und mit welchem Recht vergleichst Du mich hier mit dem Stürmer oder mit CA?
Das habe ich wohl missverständlich ausgedrückt. Ich meinte damit, daß die Islamkritiker nicht wie der Stürmer oder “ca” auftreten sollten. Wenn ich das jetzt so lese, dann kann ich durchaus verstehen, daß Du Dich angegesprochen fühlst. Das war jedoch nicht beabsichtigt. Die Leute sollen halt die rosa Brille gegenüber dem Islam ablegen und dann NICHT wie der Stürmer oder “ca” aufzutreten.
Das ist doch irgendwie merkwürdig: Israelkritik wird bis in maßlose geseteigert und kaum einer will darin Judenhass erkennen, aber bei der leisesten Kritik am Islam heisst es gleich Rassismus Islamophobie.
nee so stimmt das garnicht. es wird sowohl bei islamismus als auch zum thema israel sehr ausgewogen und fair diskutiert. leider finden immer nur die entgleisungen den weg auf die titelsesiten der zeitungen.