Man muss das ganz einmal ganz realistisch sehen: die Ausschreitungen vom letzten Samstag in Rostock waren nicht die angeblich schlimmsten Krawalle seit 20 Jahren. Auch das Gerede von bürgerkriegsähnlichen Zuständen ist maßlos übertrieben. Da gab es in der Vergangenheit ganz andere Auseinandersetzungen. Andererseits war es von Anfang an sonnenklar, daß es zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen würde, denn was wäre ein G8-Gipfel ohne die Umtriebe des sog. „schwarzen Blocks“? Eine bessere Bühne als einen G8-Gipfel gibt es eigentlich nicht. Aber auch das Gerede, daß im Vorfeld des G8-Gipfel die Grundrechte abgeschafft wurden, war reine Panikmache.
Nach den Krawallen versuchten die G8-Gegner sich von jeglicher Verantwortung freizusprechen und warfen der Polizei vor, daß sie „provoziert“ hätte. Das möchte ich nicht gleich ausschließen, denn in der Vergangenheit hat es durchaus Situationen gegeben, wo die Gewalt eindeutig von den Bullen ausging und diese eine Demo gezielt angriffen. Aber hier scheint dies nicht der Fall zu sein. Jedenfalls nach den (Augenzeugen) Berichten die mir vorliegen. Auch wenn die üblichen Verdächtigen einen “putschartigen Schritt” herbei phantasieren, was ich unverantwortlich finde, denn durch solche geistigen Fehlschüsse wird die Stimmung zusätzlich angeheizt und gewisse Adepten könnten sich dann berufen fühlen, einen bewaffneten Kampf zu führen, da ja die Demokratie (Wobei man durchaus diskutieren sollte, ob die bestehenden Verhältnisse wirklich als demokratisch bezeichnet werden können.) bedroht sei. Was übrigens keine allzu neue Methode ist. Erst verschlimmert man durch das eigene Verhalten die bestehenden Verhältnisse und dann schwingt man sich zum Retter von Freiheit und Democracy auf.
Sowohl die G8-Gegner, als auch die Szene sollte jetzt nicht versuchen, die Verantwortung nur den Bullen in die Schuhe zu schieben. Innerhalb der Szene gibt es ja seit eh und je eine gewisse Verlogenheit und zu viele Leute können oder wollen sich einfach zu selten eingestehen, wenn man zuerst angreift und dann der Ausgangspunkt der Eskalation ist. Der 1. Mai 2001 ist da wieder ein gutes Gegenbeispiel. Damals lief die Ersatzdemo, unter Anmeldung der SED-PDS, vollkommen friedlich und diszipliniert ab. Erst der Angriff der Bullen auf das Fest auf dem Mariannenplatz führte zu der bekannten Eskalation und in einer solchen Situation halte ich es für notwendig und gerechtfertigt, daß man sich verteidigt. Egal ob die Angreifer eine Uniform tragen oder nicht. Hier sollte mensch aber auch auf gar keinem Fall vergessen, daß die Anwendung von Gewalt oft ritualisiert stattfindet. Auf beiden Seiten, denn es gibt selbstverständlich auch Bullen, die geil auf Randale sind.
Auch wurde, von Seiten der Veranstalter, versucht mit dem Finger auf „ausländische Autonome“ zu zeigen. Nicht zu vergessen, daß die Zahlen über Verletzte, von beiden Seiten, aufgeblasen wurden und gerade die Zahl der angeblich Schwerverletzen fiel in sich zusammen. Demonstranten mit einem abgebrochenem Fingernagel wurden ebenso wie Bullen, die sich beim Nasebohren verletzt hatten, als Schwerverletzte geführt. Auch in diesem Fall zeigen manche wieder eine gewisse Einseitigkeit, aber es geht weniger um Glaubwürdigkeit, als um Ideologie. Da muss man die Grünhelme, als auch die G8-Gegner kritisieren. Solche Täuschungsmanöver bleiben selten verborgen. Wenn man jetzt einmal ehrlich ist, dann muss man sagen, daß die „ wilde Ehe“ zwischen z. b. attac und Teilen der Szene keinen Sinn macht, denn diese „Allianz“ schadet beiden Seiten. Sicherlich gibt es viele „Autonome“, die die schräge und verblendete Weltsicht einer linksnationalistischen und potenziell totalitären Bewegung wie attac teilen und diese „roten Genossen/innen“ sind sicherlich oft in der Mehrheit gegenüber den „schwarzen Genossen/innen“, wobei man auch gewisse regionale Unterschiede beachten muss. Den Göttingern z. b., plus Anhang, ist einfach nicht mehr zu helfen und dieser Zustand besteht schon Jahrzehnten. Es gibt einfach zu viele Strömungen innerhalb der Szene und sicherlich kommt hier auch der Generationenkonflikt zum Tragen. Viele GenossInnen um die 40 sind immer noch in der antiimperialistischen, anti-amerikanischen und oft auch anti-israelischen Denkfalle gefangen und meine Generation ist mehr durch die Wiedervereinigung und dem Aufkommen des extremen doitschen Neo-Nationalismus geprägt.
Ein Schlüsselerlebnis für mich war diese unsägliche Manifestation des wiedererwachten doitschen Nationalismus, als im Dezember 1989 in Dresden Helmut Kohl vor einem Fahnenmeer sprach und die, vom Nationalstolz aufgegeilte Menge „Doitschland, Doitschland einig Vaterland“ gröhlte und schwarz-rot-goldene Fahnen schwenkten. Die heutige Generation dagegen ist eher durch den dritten Golfkrieg und seine Auswirkungen geprägt, was die Spaltung der Szene noch verstärkt hat, die durch den zweiten Golfkrieg ausgelöst wurde. Der Anti-Amerikanismus der 80er verstärkte sich seit 1991 noch einmal massiv und seit GWB Präsident ist, gehört es in Deutschland zum guten Ton, wenn man verbal gegen die USA zu Felde zieht. Genauso wie der Hass auf Israel mit jedem Tag stärker zu werden scheint. Davon ist natürlich nicht nur die Gesellschaft allgemein betroffen, sondern auch die Szene. Nur tarnt sich heute der Hass auf Juden im Allgemeinen und Israel im Speziellen als sog. Anti-Zionismus. Das erscheint unverdächtig und doch wissen die Partners in Crime was gemeint ist. Innerhalb der Szene ist es auch sehr populär, wenn man Israel als Apartheidstaat bezeichnet und z. b. Uri Avnery und andere jüdische Antizionisten toll findet, denn, so die Denkweise, wenn man wenigstens einen Juden schick findet, dann kann man kein Antisemit sein. Dann ist man stolzer Antizionist.
Ich kenne viele aus meiner Generation, die sich den Weg nach Rostock gespart haben. Einerseits, weil sie sich nicht mit der Agenda der linksnationalistischen Anti-G8-Aktivisten identifizieren können und andererseits, weil sie sich nicht vor den Propagandakarren spannen lassen wollten. Immer mehr junge Genossinnen wenden sich von jenen ab, die zusammen mit Hisbollahsympathisanten für den Frieden demonstrieren oder sogar für ihre Freunde von der Hisbollah vor Gericht ziehen. Mit solchen Verbrecherfreunden kann es keine Gemeinsamkeiten geben, selbst und gerade, wenn sie sich als links bezeichnen.












“Immer mehr junge Genossinnen wenden sich von jenen ab, die zusammen mit Hisbollahsympathisanten für den Frieden demonstrieren oder sogar für ihre Freunde von der Hisbollah vor Gericht ziehen.”
Ich dachte das wäre genossenüblich sowas.
Es gibt also auch Genossen mit ethisch gesunder Grundhaltung?
Ja, sicherlich gibt es die.
Nicht jeder ist so wie gewisse Nachbarn aus der Blogosphäre, die sich nur als Verfolgte und Opfer wahrnehmen und natürlich als Kämpfer für das Gute. Was dann aus deren Sichtweise das Gute ist, steht ja noch auf einem anderen Blatt. Freiheit ist eben kein kleinbürgerliches Vorurteil. Was soll man auch erwarten, von jemanden, der sich im Umfeld von Madame Ditfurz…äh Ditfurth ganz wohl fühlt. Am Rande zum Thema Ditfurth:
http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/schmitt/entditfurth/
Solche Leute wie unser Freund haben sehr oft Scheuklappen auf. Was will man auch erwarten, von Menschen, die andere als Geisteskrank denunzieren und z.b. Sexisten supporten. Diese Gestalten sind oft leider Legion, aber wer will sich eigentlich an denen die Finger schmutzig machen? Besonders lustig ist ja der selbsternannte Alt-Autonome Denunziant, wenn er behauptet, daß er angeblich einen Waffenschein besitzt und so tolle Kampfsportarten kann. Uih! Jetzt zittern aber die Knochen…
Noch mal: wer will sich an diesem Bodensatz die Finger schmutzig machen? Der soll mal lieber ein paar Sexisten aus seinen Zusammenhängen und Strukturen (verbal) aufs Maul hauen, bevor es vielleicht andere machen.
Ja, war schon etwas unhöflich von mir.
Ich fand Willy immer ganz OK.
Bedauerlich, dass mir Genossen mittlerweile seit Jahrzehnten nur durch anti-westliches Verhalten wie bspw. Anti-Zionismus, Antsemitismus und Antiamerikanismus, gepaart mit einer Feidnlichkeit bzgl. fast jeder modernen Technologie aufgefallen sind.
Vermutlich eher mein Fehler.
Unhöflich war das nicht. Ganz und gar nicht und es ist leider die Wahrheit, daß allzu viele nur durch billigen Antizionimus und Antiamerikanismus aufspulen. Sich dann noch als Verteidiger der Kleinbauern aufzuspielen ist lächerlich. Nimm doch mal den Jose Bove. Der ist doch nur an seinen Subventionen interessiert und ist, wie viele “Linke” auf dem Nationalismustrip.
Aber Du hast Recht: es ist Dein Fehler. Immer.