Da lese ich neulich in der Schmuddelzone der Meta-Schwurbler die alte Parole „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ und ein liberaler Volksgenosse meines Lieblingsrevisionistenblogs widerspricht dem (natürlich) energisch. Das erinnert mich ganz stark an Noam Chomsky, der ja, im Sinne einer noch zu verwirklichenden Utopie, durchaus Recht hat, mit seiner Forderung nach totaler, absoluter Meinungsfreiheit. Leider übersieht Chomsky, wie so oft, leichtfertig die Zwänge und Zustände der realen Welt und es würde ihm einmal ganz gut tun, wie auch vielen seiner willigen Adepten, wenn er seinen Elfenbeinturm verlassen und damit aufhören würde, Holocaustleugnern eine Rechtfertigung und Bestätigung für ihre Lügen an die Hand zu geben.
Nun gibt es aber, leider, Menschen, die nach einer gewissen Form des Totalitarismus streben (egal welcher politischen Ausformung, ob nun „rechts“ oder „links“ ist vollkommen unwichtig, denn die fatalen Auswirkungen unterscheiden sich nur marginal), freilich oft ohne es zu merken und den Faschismusbegriff, gezielt, aus ideologischem Hass, oder ungezielt, aus Dummheit, missbrauchen. Man muss sich die Frage stellen: „Haben Faschisten das Recht auf freie Meinungsäußerung?“ Um diese Frage zu beantworten, muss man erst einmal klären, wer alles als Faschist zu gelten hat und damit stoßen wir auch schon auf ein fast unlösbares Problem. Denn heutzutage wird oft, mit einer unverschämten Beliebigkeit, der Faschismusbegriff missbräuchlich verwendet. Vor allem, aber nicht nur, von gewissenlosen „Linken“, die mittlerweile fast jede, von ihrer verwirrten Weltsicht, abweichende Meinung als faschistisch oder faschistoid diffamieren und verunglimpfen. Durch solche ideologisch bedingten Hetzereien bereitet man nicht nur den wahren Faschisten, und damit meine ich nicht nur die dummdeutschen Landnazis, die auf alles einprügeln, was in ihren Augen nicht Deutsch ist, sondern auch jenen neuen und alten Faschisten, die sich mittlerweile als Biedermänner, und manchmal auch als Bürgerliche, Konservative, Liberale oder sogar als Linke tarnen, den Weg, sondern öffnet zudem erneut die Tore zum Gulag sperrangelweit, denn mit der Begründung, der Andersdenkende sei ein „Faschist“, lässt sich jede Schweinerei, bis hin zu Mord und Deportation, ganz einfach rechtfertigen.
Nun darf aber, und das hat man bei den Revisionisten wohl übersehen oder erst gar nicht sehen wollen, nicht den aufrichtigen, antifaschistischen Abwehrkampf leichtfertig diffamieren und als das eigentliche Problem betrachten und darstellen. Diese Diffamierung hat ja nun eine gewisse Tradition bei dem angesprochenen Revisionistenblog und in der jüngsten Vergangenheit wurden von dieser Seite schon einmal Antifaschisten als rassistisch und nationalistisch verunglimpft, was eine virtuelle Säuberungsaktion meinerseits zur Folge hatte. Dagegen hatte man dort kein allzu großes Problem damit, die Untaten eines Nazi-Marinerichters mit allerlei fadenscheinigen Argumenten zu entschuldigen und zu rechtfertigen.
Im Prinzip ist es richtig, das Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist. Leider sehen gewisse ideologische Betonköpfe, die sich als „Linke“ betrachten, an jeder Ecke Faschisten, wo gar keine sind und übersehen daher auch leider viele wahre Faschisten und arbeiten diesen, durch die beliebige Verwendung des Faschismusvorwurf, geradezu in die Hände. Dazu kommt noch, und das halte ich für wahrlich bedenklich, daß man neue Formen des Faschismus, die eine ernsthafte Bedrohung für die Freiheit darstellen, fast völlig aus dem Blickfeld verloren hat. Statt diesen, oft religiös motivierten, Faschismus mit aller Energie zu bekämpfen und vor allem auch zu benennen, verschließt man die Augen vor dieser Gefahr und zeigt stattdessen lieber mit dem schmuddeligen Ideologiefinger auf Antifaschisten, die nicht zwischen bestimmten Formen des Faschismus unterscheiden wollen, nur weil man sonst den gutmenschlichen Traum einer angeblich möglichen Multi-Kulti Gesellschaft, die alles, sei es auch noch so freiheitsfeindlich, antiemanzipatorisch und antiaufklärerisch, in sich aufnehmen könnte, aufgeben müsste und letztendlich damit anerkennt, daß es eben Kulturen gibt, die im Widerspruch zu der westlich definierten Form der Freiheit und der Menschenrechte stehen und diese nicht nur passiv ablehnen, sondern auch aktiv bekämpfen, um sie zu beseitigen und durch eine totalitäre Form des Zusammenlebens ersetzen wollen.
Auf der einen Seite haben wie also jene „Linken“, die zwar ständig Faschisten erkennen wollen, wo keine sind und dabei gleichzeitig blind gegenüber Faschisten sind, die nicht in ihr Weltbild passen und auf der anderen Seite haben wir einen Liberalen, dem „es völlig egal [wäre], wenn jemand offiziell sagt, dass er Afrikaner für minderwertig hält“ und der faschistische und rassistische „Meinungsäußerungen“, wenn ihnen keine direkten Untaten folgen, somit tolerieren möchte. Wobei man jetzt damit beginnt sich im Kreis zu drehen, da die Faschismuskeule halt oft willkürlich und ohne ausführliche und vor allem nachvollziehbare Begründung geschwungen wird. Diesem Vorwurf kann man auch mir machen und das ist ja schon längst gesehen und wird auch weiterhin passieren, jedoch, bilde ich mir mal ein, daß ich bisher jeden Faschismusvorwurf gründlich und ausführlich belegen konnte, auch wenn das nicht jeder nachvollziehen kann, weil die intellektuellen Voraussetzungen dazu fehlen oder weil man durch die ideologische Brille die Realität nicht mehr wahrnehmen kann oder will.
Gerade deshalb wird der Slogan „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ entwertet und untauglich. Um dem wieder Geltung zu verschaffen, muss man genau definieren, was Faschismus ist und was nicht. Was eigentlich schon längst geschehen ist, aber leider wollen oder können bestimmte Zeitgenossen das nicht. Der Faschismusvorwurf sollte daher möglichst sparsam verwendet werden, aber nicht zu geizig, denn da wo er angebracht ist, sollte er gebraucht werden.















wie auch vielen seiner willigen Adepten, wenn er seinen Elfenbeinturm verlassen und damit aufhören würde, Holocaustleugnern eine Rechtfertigung und Bestätigung für ihre Lügen an die Hand zu geben.
Der Elfenbeinturm passt nahtlos zu dem, was ich in „Sind sie nicht süß“ kritisiere und außerdem zu der Totalitäres ermöglichenden Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit, die manche eifrei/Hoppe-Jünger anstreben. Dahinter steht immer der Glaube, dass die eigenen Theorien mächtiger sind als die Wirklichkeit, die durch sie angeblich ja abgedeckt wird, also vollständig vorhersehbar sei.
Redliche Wissenschaftler werden aber immer zugeben, dass die Wirklichkeit in jedem Falle mächtiger und nicht vollständig beschreibbar ist und somit manchmal unvorhersehbar bleibt, auch was die Effekte der Politik angeht. Alles Wissen liefert Modelle mit begrenztem Aussagegehalt und ohne endgültige Wahrheiten. Daher könnte selbstverständlich auch ein anarchistischer Ansatz Tür und Tor zu einer Diktatur öffnen, nicht nur ein demokratischer. Nur Leute, die glauben, den totalen Durchblick durch die Menschheitsgeschichte und Politik zu haben, glauben, dass sich die Wirklichkeit ihrer Ideologie beugt.
— Nun gibt es aber, leider, Menschen, die nach einer gewissen Form des Totalitarismus streben…
Mein Eindruck ist eher, dass die nach Kollektivismus streben. Ein Grund sicherlich, dass die nicht erkannt haben, dass die Welt nur darum so prima funktioniert, weil jeder Mensch nach seinen Vorstellungen handelt. Genau so etwas muessten die Schulen vermitteln, das ist doch Grundwissen.
Der gefaehrlichste Kollektivismus zurzeit ist natuerlich der Islam.
Kollektivismus ist ein gutes Stichwort! Da gibt es ja jede Menge Gemeinsamkeiten zwischen etatistischen Linken und Islamisten/Islam. Auch deshalb und wegen der gemeinsamen Feindschaft gegenüber den USA, mag man sich so.
Die Verantwortung, besonders die Eigenverantwortung soll zu Gunsten eines Kollektivs wegfallen. Ob das nun der Staat oder irgendeine andere Institution ist, bleibt eher unwichtig. Die Entscheidungen sollen eben für alle getroffen werden. Ist Kollektivismus, ich meine den Kollektivismus, der nicht auf der freien Vereinbarung beruht, nicht irgendwie faschistoid?
@NUB:
Das mag jetzt abgedroschen klingen, aber Freiheit benötigt immer mündige Menschen und daran haben Staaten in der Regel keinerlei Interesse, denn sonst könnten die Regierten ja mal auf die Idee kommen, es selbst zu oragnisieren. So ganz Herrschaftsfrei, aber das ist, im Moment, noch eine reine Utopie und sich darüber dauernd den Kopf zu zerbrechen und darüber zu streiten, wer nun freiheitlicher als der andere ist, ist eine Nulldiskussion, die nur Ärger produziert. Mit den Jahren habe ich, der sich als Utopisten bezeichnen würde, eben gemerkt, daß es nicht viel bringt, der Utopie hinterher zu rennen, wenn die Realität eben eine ganz andere ist und sich da wohl auch auf absehbare Zeit nichts ändern wird. Da orientiere ich mich schon lieber daran, was machbar ist.
Du hattest das ja schon hier sehr eindrucksvoll beschrieben, wie manche sich im Elfenbeinturm recht wohl fühlen.
Ja, die Elfenbeinturmbewohner und ihre Denke ist mir fremd und die, die Bomben auf deutsche Städte wieder zum Tagesordnungspunkt machen wollen, kann ich auch nicht verstehen. Aber ist schon interessant, was in der Birne mancher Leute abgeht…
Genau wegen solche Leute, die heute anscheinend nachträglich den WW2 für Deutschland gewinnen wollen, gibt es die Bomber-Harris-Gedächtnisbrigade. Deren Lancaster-Bomber eignen sich perfekt für Angriffe auf Elfenbeimtürme.
Eigentlich würde ich solchen Leuten gerne einen Vorschlag der APPD unterbreiten und ihnen einen eigenen Lebensraum zuweisen, quasi ein Naturschutzgebiet oder ihre eigene No-Go-Area, in der sie sich austoben können, den Amerikanern und Engländern nicht vergeben und nicht vergessen und am besten einen weiteren Krieg mit ihnen anfangen. Bloß diesmal kommen sie nicht mit Lancastern, sondern mit Tarnkappenbombern…
Ja, die gute alte APPD! Die sind ja hier in Neukölln recht stark und die würden sicherlich auch noch eine Revisionistenzone und eine Elfenbeinturmzone in ihr Programm aufnehmen.
Man kann es ja so einrichten, nachdem die Revisionistenzone den Krieg mit den uneinsichtigen Amerikanern angefangen hat, dass die Elfenbeinturmzone ab und an mal so kollateral…
@Telegehirn
aber Freiheit benötigt immer mündige Menschen und daran haben Staaten in der Regel keinerlei Interesse, denn sonst könnten die Regierten ja mal auf die Idee kommen, es selbst zu oragnisieren
Menschen machen nicht nur anonyme Erfahrungen mit Staaten und Behörden, sondern auch direkte Erfahrungen mit Menschen. Wer in einer autoritären Familie groß geworden ist, muß sich erst mal von dieser Fesselung befreien. Er oder sie muß erkennen, daß autoritäres Verhalten anmaßender Mißbrauch ist. Wenn er Glück hat, wird er in seinem Leben Menschen kennen lernen, die er als Autorität akzeptieren kann, keineswegs muß, und die ihn oder sie für einige Lebensjahre begleiten.
Die weisen dann jeden Dank für diese Lebensbegleitung mit den Worten zurück „Ich war nur ein Spiegel, in dem sie sich erblicken konnten“ Was erstaunlicherweise sogar stimmt.
Über all das denken Liberale kaum nach. Eigenverantwortung und Schluß. Das fast jeder Mensch eine Mitverantwortung für die Entwicklung seiner Mitmenschen trägt, ob einer den Weg zur Freiheit oder den Weg zur Knechtschaft einschlägt, darüber denken sie nicht nach. Deshalb kommen sie auch gar nicht auf den Trichter, das Liberale vor-Bilder für andersdenkende Menschen sein sollten, denen sie Liberalismus vor-Leben. Nicht durch Schriften, sondern durch den direkten Kontakt mit Menschen. Das soll es geben, selbst in Neukölln, in dem ich auch, aber nicht nur, lebe. Es gibt zum Beispiel Bürger, die sich im Rollbergviertel engagieren. Oder in den Schulen. Als Vor-Leser. Eine der Impulsgeberinnen, der Tätigen, ist eine alte Bekannte von mir.
Welcher „Telegehirnkritiker“ soll ausgezeichnet werden?
Der naheliegendste Kritiker wird natürlich nicht genannt. Leider kann ich deshalb nicht abstimmen. Ich halte dich selbst für den wirkungsmächtigsten Telegehirnkritiker. Also ergänze bitte den Kandidaten „Telegehirn“ Eigentlich bist du der einzige relevante Kandidat.
Es wundert mich, das diese bezaubernde Wirkung deiner Selbst dir noch nicht auffiel. Ein sympathischer Zug von Bescheidenheit mit einer ganz zarten Spur von Weltentrückheit. Nein, nein, keinen Dank, Ehre, wem Ehre gebürt
Ich bin in Nord-Neukölln auch nicht untätig, nur sehe ich, im Gegensatz zu manch anderen, keinen Grund damit anzugeben oder das wie eine Monstranz vor mir herzutragen.
Leider passen da nur acht Antworten rein. Ich nehme das einmal als Lob, denn oft fehlt ja gerade vielen Bloggern die Selbstkritik. Aber da wir hier, zum Glück, pluralistisch sind, kommt ein Kandidat natürlich nicht Frage und es wäre ja irgendwie nicht fair, wenn ich mir den Preis einfach so Selbst überreichen würde, oder?
Aber nein, ich bin mir meiner bezaubernden Wirkung sehr wohl bewusst. Keine Frage. Deshalb lasse ich ja den anderen Kandidaten gerne den Vortritt.
Kennen wir uns eigentlich oder woher weisst du das? Warst du etwa der nette Taxifahrer, dem ich neulich fünf Euro Trinkgeld gegeben habe?
keinen Grund damit anzugeben oder das wie eine Monstranz vor mir herzutragen.
Ich schrieb das nicht nur für dich und ich schrieb es nicht über mich.
Kennen wir uns eigentlich oder woher weisst du das?
Edler Herr, es sind deine Texte, die es mir dezent zuflüstern
Warst du etwa der nette Taxifahrer
Bedauere, ich fahre Fahrrad, aber gut möglich, das wir uns vom Sehen her kennen. Falls mit Nord-Neukölln nördlich des S-Bahn Ringes gemeint ist, ist das wahrscheinlich. Vielleicht vom Maybachufer. Granatäpfel, du verstehst!
Ja, Maybachufer bis S-Bahn Ring ist genau mein Revier. Vielleicht sind wir uns auch mal in der Hasenheide über den Weg gelaufen. Wer weiß, wer weiß.
Meine Texte flüstern? Ich dachte ja immer, die würden schreien.
Ich dachte ja immer, die würden schreien.
Schrecklich, so unvermittelt zu erfahren, das man schwerhörig ist.
Hasenheide ist unwahrscheinlich.
Ja, Dr. Tele stellt nimmt kostenlose Untersuchungen vor. Geistig wie körperlich.
Warum unwahrscheinlich? Wegen dem, zu Unrecht, schlechten Ruf? Da kann man auch gut radeln oder am Abend grillen, wenn die Sheriffs Feierabend haben. Wobei, wenn Du hier mit dem Rad unterwegs bist, dan knalle bitte nicht so über das Trottoir. Bin ein paar Mal beinahe umgefahren worden. Dazu muss ich sagen: ich bin auch manchmal ein Rowdy auf dem Velo.
Ich fahre fast nie auf dem Trottoir und schon gar nicht über Fußgänger. Der grummlige Herr Neoliberaler meinte übrigens kurz-weilig.
Das ist aber alles sehr offtopic
Macht nix, hier hat es eine gewisse Tradition offtopic zu werden. Keine Sorge, das ist hier ja kein Forum mit bösen Mods.
Ich dachte eher langweilig, aber kurzweilig ist natürlich besser. „Das ich Dich nicht verstehe, liegt weniger an mir, sondern eher an Dienen unendlich langen und oftmals auch weiligen Artikeln…“
Ok, die Länge der Artikel ist ein Knackpunkt, aber mir fallen halt Dreizeiler sehr schwer. Eine Grundmaxime des Bloggens soll ja angeblich sein: Fasse Dich kurz!
Und kurz ist bekanntlich relativ.
So einfach wird das kaum sein. Finanzminister beispielsweise oder reformwillige Politiker (und von denen gibt’s unübersehbar etliche) werden sich schon wünschen, dass die Leute „mündiger“ wären und mehr Einsicht in schmerzhafte, aber notwendige Entscheidungen zeigten. Nur sind diese Politiker meistens Realisten genug, um zu sehen, dass diese Einsicht nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist, und da die nächste Wiederwahl im Zweifel wichtiger ist als die vage Aussicht auf Rettung des Abendlandes am Sankt-Nimmerleins-Tag, hat sich’s dann schnell mit den großen Plänen. Selbst eher traditionalistische oder sonstwie konservativ eingestellte Politiker werden eher aus eigener Überzeugung handeln; einen echten Wunsch nach Volksverdummung bei Politikern halte ich für ein recht wenig verbreitetes Phänomen. Ein wirklich dummes, ungebildetes Volk wäre essentiell unregierbar.
multi_io