Lafontaine für politische Streiks
November 21, 2007 von telegehirn
Oskar Lafontaine befürwortet politische Streiks in Deutschland, weil “die Kraft der Opposition im parlamentarischen System nicht” reicht und “deshalb müssen wir andere Formen finden, wie die Bevölkerung ihre Interessen durchsetzen kann.” Die Scheißdemokratie mit ihren Wahlen ist doch nutzlos, wenn man keine Mehrheit bekommt, weil das Volk zu dämlich ist und nicht erkennt, was gut für es ist und dann muss man eben andere Wege finden, denn “nur mit dieser Art des Kampfes können wir mehr Gerechtigkeit im Land erreichen. Ich sehe keinen anderen Weg mehr.” Warum legalisiert man nicht gleich das Recht auf Bürgerkrieg für die Opposition? Darf man eigentlich einen Tyrannen in spe beseitigen, wenn man keinen anderen Weg mehr sieht?
















Nein, Telegehirn, darf man nicht. Muss man auch nicht, denn Lafontaine wird kein Tyrann. Der hat’s ja nicht mal als Parteivorsitzender ausgehalten.
Der wird als gutsituierter “Freund der Armen” und Linkspartei-Ehrenvorsitzender in die Grube fahren.
Modrow-mässig so zu sagen.
Aber dier Frage nach dem “Tyrannenmord” ist schon berechtigt, die Linke selbst befürwortet diesen bekanntlich, linke Juristen haben erfolgreich den Straftatbestand Mord relativiert und zur Unfrohheit der Konservativen den so genannten Haustyrannenmord (ruhig mal googeln nach diesem Fachwort) eingeführt, als Mord Light, das alles natürlich vor einem pol. Hintergrund, LOL.
Die Frage war ja auch eher ironisch gemeint, aber man kann ja nie wissen und wer hätte sich wohl 1928 oder auch 1930 vorstellen können, daß einer wie Adi mal Reichskanzler wird. Aber der jetzige Vorstoß von Oskar legt die Vermutung nahe, daß er vielleicht wirklich keine Lust mehr hat, weil er erkannt haben könnte, daß es für seine Sozialisten keine Hoffnung auf die Machtübernahme mehr gibt. Da Oskar mir stets wie ein trotziges Kind vorkommt, daß nach einer gewissen Zeit die Lust an seinem neuen Spielzeug verliert, könnte die Phase der Lustlosigkeit nun begonnen haben vielleicht tritt er ja bald zurück, um dann einige Jahre später bei der NPD wieder aufzutauchen.
Ab und zu ein kleiner Haustyrannenmord kann doch nicht so schlimm sein, oder? Ich führe jetzt auch den Bloggertyrannenmord ein und dann kann das muntere (virtuelle) Abschlachten beginnen.
Mich würde mal interessieren, in welchem System nach Lafontaines Ansicht die Opposition stärker ist als in einem föderalistischen System mit Verhältniswahlrecht. Die Systeme Kubas oder Venezuelas sind ja nicht gerade berühmt dafür, dass die Opposition eine besonders starke Stellung einnimmt.
Bei uns ist jedenfalls die Opposition so stark, dass es regelmäßig zu Blockaden der Regierung kommt. Und der Linksschwenk der SPD ist ja auch zu einem großen Teil der Angst vor der linken Opposition geschuldet.
Ja, die Ex-SED treibt die SPD vor sich her. Lafo sollte sich mal für die Opfer der kubanischen Diktatur einsetzen. Wie für Antonio Augusto Villareal Acosta. In Kuba darf man nicht mal für höhere Löhne streiken.
“Die Systeme Kubas oder Venezuelas sind ja nicht gerade berühmt dafür, dass die Opposition eine besonders starke Stellung einnimmt.”
Es gibt eben richtige und falsche Opposition. Ist Oskars richtige erstmal an der Macht, dann darf die falsche natürlich nix mehr zu melden haben. Demokratieverständnis à la Oskar.