Deutsche sagen Nein zur Solidarität mit Afghanistan
Februar 12, 2008 von telegehirn
Mein Artikel über eine mögliche Ausweitung des Einsatzes der Bundeswehr gegen die islamofaschistischen Taliban in Afghanistan, hat den Kollegen Tom von TOM’S WOCHENSCHAU (Treffende und wohl selbstironisch gemeinte Selbstbezichtigung: “Dieses Weblog ist in seiner Irrelevanz kaum zu überbieten”) dazu veranlasst, einen interessanten Vergleich anzustellen, denn sowohl ich, als auch der Spiegelfechter, ein hier wohlbekannter antiwestlicher Bloggerkollege, der in der Vergangenheit meist durch recht schräge Artikel auffiel, wählten als Titel “Germans to the front“. Jedoch setzte ich ganz bewusst ans Ende der Überschrift ein Ausrufe- und ein Fragezeichen.
Auch ich habe einige Bauchschmerzen, bei dem Gedanken an deutsche Kampftruppen im Ausland, aber aus ganz anderen Gründen, als die überwältigende Mehrheit der deutschen Bevölkerung und einiger deutscher Blogger, die wohl, wie die Mehrzahl aller Deutschen, meinen, Freiheit wäre nicht für alle, besonders nicht für jene Afghanen, die heute vom Joch der schändlichen Tyrannei der Taliban und ihrer ruchlosen Verbündeten von Al-Kaida, befreit wurden. Sicherlich ist auch heute nicht alles eitel Sonnenschein am Hindukusch, aber es ist erst ein Teil des Weges zurückgelegt und um ihn zu Ende gehen zu können, sind eben wahrhaft Blut, Schweiß und Tränen notwendig. Vieler meiner Mitmenschen in Deutschland sind ja anscheinend zu der Ansicht gekommen, daß man sich durch den Aufenthalt in der Quarantäne der neutralen Ecke, stillschweigend eine Art von Frieden mit den Islamofaschisten erkaufen könnte. Dieser Frieden wäre nicht nur trügerisch, sondern auch eine Schande für die freie Welt und alle freiheitsliebenden Menschen.
Doch weit gefehlt, denn es ist nun einmal eine unangenehme Wahrheit: Die Taliban und Al-Kaida müssen bezwungen werden, denn mit Faschisten, gleich weder Couleur, kann und darf es keinen Frieden geben. Das hat nicht nur die Geschichte in eindrucksvollen und blutigen Lektionen gelehrt und bewiesen, sondern das sagt einem schlicht und einfach der gesunde Menschenverstand. Entweder die faschistischen Banden werden zerschlagen oder sie werden weiterhin, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, die Vernichtung der Freiheit anstreben. Jedenfalls so lang, bis ihnen jemand energisch Widerstand leistet und genau das geschieht im Moment in Afghanistan und meine Mitbürger wollen anscheinend keinen Widerstand gegen Faschisten leisten und ihn auch nicht unterstützen, weder aktiv, noch passiv. Da ist es dann auch vollkommen egal, ob es sich um Mügeln, Gaza oder eben Kandahar handelt Aktiver Antifaschismus ist nicht die Sache des Deutschen.
Das gilt sowohl für die sächsische Schweiz, wie für jene Drehscheibe des asiatischen Schicksals, um die jetzt das entscheidende Ringen, zwischen jenen Ländern des Westens, die fest der Überzeugung sind, daß man für die Freiheit und gegen die finsteren Bestrebungen gewissenloser Feinde der Menschheit kämpfen muss, um zu überleben und den Vertretern jener religiös-fanatischen Idee, die Welt könne am Islamismus genesen, begonnen hat. Es steht eine Menge auf dem Spiel, auch wenn das meine lieben Mitbürger einfach nicht erkennen wollen oder erkennen können. Anscheinend ist es ja schon zum Normalfall geworden, daß insbesondere Europa, aber auch der Rest der freien Welt, tatenlos dabeisteht, wenn mal wieder irgendwo ein Völkermord stattfindet und die Freiheit blutig erstickt wird. Ob nun im ehemaligen Jugoslawien, in Ruanda, im Kongo, in Burma oder eben in Darfur: Die Welt schaut weg, währenddessen Hunderttausende bestialisch abgeschlachtet oder aus ihrer Heimat vertrieben werden. Daran haben sich wohl schon viel zu viele Menschen in Deutschland und Europa gewöhnt. Dabei wäre ohne weiteres Abhilfe möglich, aber dazu müssten Soldaten entsandt werden, die Gewalt gegen die Unterdrücker und Mordbanden anwenden müssten. Im Klartext: sie müssten töten, um das Morden zu stoppen und würden dabei das Risiko eingehen selbst verwundet oder gar getötet zu werden. Diesen Preis will die Bevölkerung der westlichen Welt letztendlich nicht bezahlen, denn da verrecken ja nur ein paar Schwarze oder irgendwelche “Turbanträger”.
Das millionenfache Leid berührt einen vor der Glotze oder hinter der BILD-Zeitung nicht mehr wirklich und verliert auf dem Weg zum Medienendnutzer seinen Gehalt an Realität und bleibt der breiten Masse daher fremd. Ja, an Völkermord hat man sich wohl leider längst gewöhnt und ist abgestumpft. Nun geht es darum, ob, nicht nur Deutschland, seinen Freunden gegenüber die Solidarität erhalten kann, wenn diese angegriffen werden oder ob man sich nun auch dort als desensibilisiert erweist und gegenüber den Opfern, die erbracht werden müssen, um, nicht nur die Freiheit der Afghanen zu verteidigen, sondern auch die Freiheit Europas. Stück für Stück rücken jene, die den Lauf der Geschichte positiv beeinflussen könnten, von jenen Idealen ab, die lebenswichtig sind, um die Freiheit zu wahren und zu erweitern.
In einer schalen Melange aus falschverstandenem Pazifismus und latentem Nationalismus windet sich der Großteil meiner deutschen Mitbürger zu einer Geisteshaltung durch, mit der, wenn sie auch nur zu einem kleinen Teil in den USA oder Großbritannien während der späten 30er und frühen 40er Jahre vorgeherrscht hätte, die schlimmsten Auswirkungen auf den Lauf der Weltgeschichte gehabt hätten. Diese meine Mitbürger, die den Alliierten immer noch nicht verziehen haben, daß sie in der Normandie landeten und somit Deutschland, und vor allem Europa, vom deutschen Nationalsozialismus befreiten, fragen sich, was man überhaupt in Afghanistan zu suchen hat, denn letztendlich, so meinen sie, sei es ein Krieg der USA, der wohl aus wirtschaftlichen Gründen geführt werde, was man aber nicht wirklich verstehe, denn im Gegensatz zum Irak, sei in Afghanistan nicht viel zu holen, außer einer simplen Pipeline. So kann man es jedenfalls in der Kommentarabteilung beim Spiegelfechter lesen. In einem Kommentar fragt der Spiegelfechter, wo denn die NATO in Ruanda war und wo sie in Darfur bleibt. Das sind durchaus berechtigte Fragen, aber sie geben auch die verzerrte Wahrnehmung der Realität wider, die bei vielen Deutschen zum Thema NATO vorherrscht, denn die NATO ist eine Verteidigungsgemeinschaft diverser westlicher Staaten und keine Filiale von John Rambo Inc., die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Welt von der Tyrannei zu befreien. Man mag das bedauern, aber die Realität ist nun einmal so, wie sie ist, was einem jedoch nicht davon abhalten sollte, zu versuchen, die realen Verhältnisse zum Positiven zu verändern.
Sicherlich verstehe ich den Spiegelfechter falsch, denn ich glaube kaum, daß er für eine Intervention der NATO in Darfur ist, um den dortigen Völkermord zu stoppen.
Ein Mitgliedsstaat der NATO wurde am 11. September 2001 angegriffen und bei einer Solidaritätsgemeinschaft, gerade bei einer militärischen, ist es nun einmal so, daß man nicht kneifen kann, wenn es ernst wird und ein Verbündeter angegriffen wird. Besonders Deutschland steht tief in der Schuld jener NATO-Staaten, die sich nicht scheuten, sich solidarisch mit der Bundesrepublik zu verhalten, als die Sowjetunion drohend ihre gewaltige Militärmaschine mitten in Deutschland in Stellung brachte und die freie Hälfte Europas bedrohte und nicht wenige meiner Landsleute haben auch diesen Umstand, den USA niemals vergeben. Ein tiefgründender, festverankerter und oft von Generation zu Generation vererbter Antiamerikanismus des deutschen Michels sorgt dafür, daß man eben nicht bereit ist, sich solidarisch mit den USA zu erklären. Wäre ein Land wie Frankreich angegriffen worden, dann würde es vielen Deutschen wohl etwas leichter fallen, ein Mindestmaß an Solidarität zu üben. Doch die USA wurden, stellvertretend für die westliche Welt angegriffen und die feigen Terrorangriffe in London und in Madrid haben bewiesen, daß kein westliches Land sicher vor den hinterhältigen Attacken der verblendeten Islamofaschisten ist, jedenfalls solange es nicht vor der schurkischen Tyrannei, welche die freie Welt gerne in Ketten sehen möchte und für dieses grausame Ziel alles in Bewegung setzt, kapituliert. Die Mehrheit der Deutschen möchte gerne vor der faschistischen Bedrohung kapitulieren, denn sie sehen sich am Hindukusch nicht verteidigt. Deutsche, die sich gegen den Faschismus erheben, kann man mit der Lupe suchen.
Um hier nicht den Rahmen vollends zu sprengen, habe ich jenen Teil des ursprünglichen Artikels, der sich mit einigen von Tom vorgetragenen Ansichten und Meinungen beschäftigt, abgetrennt und stelle ihn hier als PDF-Dokument zur Verfügung.
















Nein, für meine Dummheit kannst Du nichts, liebes Telehirn. Übrigens: Es gibt euch Leute, die Dich weder lieben noch hassen, sondern einfach nur lustig finden, wenn Du Deine ideologischen Erklärungsmuster von Europa 1938 (Faschisten! Appeaser!) auf jede beliebige Weltregion und jede beliebige Zeit überträgst…
Ein konsequentes Nein ist wenigstens ehrlicher als ein halbherzig durchgeführter THW-Einsatz in karnevalistischer Militärverkleidung.
Möchtest Du Dich in einem Krieg erschießen oder in die Luft sprengen lassen, bei dem die Verantwortlichen noch nicht mal von einem Krieg sprechen wollen?
Nee, dann schon lieber auf eigene Faust in den Hindukusch als mit so einem Verein.
Im übrigen kann ein Nein nur im Sinne der Bomber-Harris Gedächtnisbrigade sein.
Belegt es doch mit der Feststellung, Freiheit, Menschenrechte und Demokratie seien nichts, wofür es sich lohnt zu kämpfen, in geradezu bestechender historischer Gradlinigkeit, dass Post-, Neo- und Kryptofaschisten eigentlich in die Fankurve der Taliban gehören. 
Man kann Dich nicht nur “hassen” oder “lieben”, man kann Dich auch schlichtweg irrelevant finden.
Zum Glück entscheidet das nicht der “Spiegelfechter”, der seinen Selbsthass, weil er in der westlichen Welt leben muss, in der Blogosphäre ausschüttet.
Was ist denn jetzt mit Darfur? Bist Du dabei, wenn es darum geht sich zu engieren, um das Morden zu stoppen? Inklusive Eingreifen der NATO? Oder interessiert dich das sterben dort überhaupt noch?
Irrelevant ist vor allem dein herbeiphantasierter Nonsens, der nur dazu dient deinen Antiamerikanismus zu transportieren.
Ach, Häuptling Rote Wolke: dein Stamm der Staatskommunisten ist schon lange in die ewigen Jagdgründe der Geschichte eingegangen, auch wenn du das offenbar noch nicht bemerkt hast.
@Telegehirn
Ja, ich wäre für eine solche Eingreiftruppe. Das Ganze müsste natürlich von sinnvollen “Stabilisierungsprogrammen” begleitet sein, aber grundsätzlich bin ich für humanitäre Interventionen. Ich empfinde auch Ruanda als Schande des Westens.
DAS hab ich nicht nur jetzt schon gemerkt, das zählt sogar zu den prägendsten Erfahrungen meiner frühen
Kindheit, mein Alter war nämlich aktiver DDR-Bürgerrechtler. Und diese Leute haben -im Unterschied zu ideologischen Maulhelden wie Du einer bist- “Freiheit, Demokratie und Menschenrechte” unter hohem persönlichen Risiko gelebt und nicht nur als Phrasen benutzt.
novaexpress.wordpress.com/2007/02/02/
ich-bin-stolz-ein-ossi-zu-sein/
Wars das schon und kommt sonst noch was?
@ Spiegelfechter:
Ruanda ist wahrlich ein Schandfleck für Europa und macht doch eben leider deutlich, wie wenig Empathie in Europa für den Rest der Welt besteht. Irgend etwas aus der Geschichte gelernt? Leider nicht.
Geld ja, aber sich dort aktiv einsetzen, wo es schmerzt, dazu sind doch die meisten Menschen in Europa und besonders in Deutschland nicht bereit. Deshalb wird auch der Afghanistaneinsatz von einer Mehrheit in Deutschland so schroff abgelehnt.
Wir verabschieden den bisherigen “Totalverweigerer” Telegehirn, der geläutert wurde und sich nun entschlossen hat, für den Westen und das “halb-faschistische” “Doitschland” in den Krieg gegen die Taliban zu ziehen mit einem dreifachen Sieg H…! Sieg H…! Sieg H…!
Ich sage ebenfalls Tschüss. See you in Afghanistan.