In der deutschsprachigen Blogosphäre, zumindest im politischen Teil, ist man vom Sitzkrieg zum Bewegungskrieg übergegangen. Dazu könnte vielleicht ein „Umsturz aller bestehenden Bündnisse“ bevorstehen und die Blogosphäre schwer erschüttern. An allen Fronten wird erbittert gekämpft. Eigentlich ist die kriegerische Rhetorik unangebracht, denn es gibt in der Blogosphäre keine Toten. Niemand muss sterben. In der realen Welt gibt es genügend reale Opfer, denen „wir“ als Gesellschaft und als Einzelne kaltschnäuzig die Solidarität verweigern. „Wir“ verweigern diesen Menschen sogar das Lebensrecht. Würden viele Blogger, statt sich gegenseitig virtuell niederzumetzeln, alle ihre Energie darauf verwenden, das unerträgliche Gemetzel im Kongo oder in Darfur oder sonst wo zu beenden, dann….Ja, was dann? Haben wir denn wirklich alle den Glauben daran verloren, daß wir die Welt zum Besseren verändern können?
Ich möchte mich da gar nicht ausnehmen, denn man kann mir ohne weiteres den Vorwurf machen, daß ich ein Krawallblogger sei. Ich streite auch gar nicht ab, daß ich provoziere und polarisiere und „Kriege“ gegen andere Blogger führe. So gibt es auch Blogger, die Kriege gegen mich führen. Was ich auch vollkommen verstehen kann. Ich bin natürlich beiliebe nicht der einzige Warlord der deutschsprachigen Blogosphäre und ich kann auch nicht verneinen, daß ich manchmal durchaus Freude verspüre, wenn ich von meinem Blogherrenhügel aus den Verlauf der Schlacht verfolge. Im Gegensatz zu realen Kriegen gibt es in der Blogosphäre keine Sieger und eigentlich auch keine Verlierer. Man kann sich höchstens selbst besiegen.
Ich muss zugeben, daß es mir in den letzten Tagen und Wochen schwergefallen ist den Überblick darüber zu behalten, wer jetzt plötzlich wen nicht mehr mag und warum. Wenigstens kann man sich darauf verlassen, daß ein altbekannter Guerilla-Warlord wieder seine alte Propaganda verbreitet und so seinen Ruf in den eigenen Reihen wieder herstellen kann. Wo soll man da anfangen und wo aufhören? Lohnt es sich überhaupt, daß man sich zu all den Raufereien zu äußern?
Die verschiedenen Kampfhandlungen sind nur schwer von einander zu trennen, denn auf zahlreichen Blogs haben sich die Kombattanten ineinander verbissen und immer mehr Blogger beziehen Stellung in den jeweiligen Gefechten und es bilden sich durchaus bemerkenswerte Allianzen. Andererseits kann ich Statler verdammt gut verstehen, daß er in der jetzigen Gemengelage lieber eine Auszeit nimmt.
Dresden zieht sich wie ein roter Faden durch zahlreiche Diskussionen. Dabei dachte ich eigentlich schon, daß diese Diskussion beendet wäre, bzw. langsam abebben würde. Doch weit gefehlt.
Bevor sich das Geschehen zum War Blog verlagert, möchte ich mich noch einmal diesem Artikel von Daniel Fallenstein zuwenden. Daniel und ich hatten letztens noch über diese Frage gesprochen. Ich kann Daniel sehr gut verstehen. Sicherlich sollte man auf Grund der Tatsache, daß bei der Bombardierung von Dresden Menschen starben nicht unbedingt in Jubel ausbrechen, aber dieser Jubel, den ich in gewisser verteidige und in den ich auch phasenweise einstimme, ist eben hauptsächlich eine zynische Reaktion auf der Rumgeheule alter und neuer Revisionisten. Für Daniel mag „der Zusammenhang, in dem“ die Bombardierung Dresdens „beschlossen, geplant und ausgeführt wurde [...] über jeden Zweifel erhaben“ zu sein, aber bei den FdoGs meldet sich einer zu Wort, der an anderer Stelle noch ein paar auf die virtuelle Mütze bekommen wird, und meint: „Und was Dresden betrifft: Das war ein Kriegsverbrechen, und ein für den Erfolg der gerechten Sache völlig unnötiges.„
Genau gegen solche Verdrehungen richten sich Parolen wie „Selbst Schuld“. Dresden war alles andere als ein Kriegsverbrechen und wer eine solche Position vertritt, der gilt halt heute nicht mehr als Ewiggestriger und erhält von vielen Seiten Beifall. Es ist doch keine Frage: Krieg ist nie etwas schönes und im Krieg sterben Menschen, aber es gibt nun einmal notwendige und richtige Kriege, genauso wie es unnötige und falsche Kriege gibt. Das ist natürlich auch vom eigenen moralischen Kompass abhängig. Falls vorhanden. Nicht jene, die jetzt, im Angesicht trauernder Neo-Nazis und ihres bürgerlichen Anhangs, welche die Bombardierung von Dresden als Kriegsverbrechen bezeichnen und somit die Rechtmäßigkeit und Notwendigkeit des Kampfes gegen Nazi-Deutschland überhaupt, ob bewusst oder unbewusst spielt keine große Rolle, in Frage stellen, Bomber Harris hochleben lassen sind die zynischen Arschlöcher, sondern das ganze bürgerliche Revisionistenpack, das jetzt wieder mächtig Oberwasser bekommt. In Deutschland ist man doch wieder so weit, daß man Dresden eben rechtfertigen muss, obwohl es an der Richtigkeit und der Rechtmäßigkeit meiner Meinung nach wenig Zweifel gibt.
Noch ein paar Worte zum „Bomber-Harris-Jubel„, dem einige Leute angeblich „ihr kritisches Bewusstsein opfern„. Als Commander der „Bomber-Harris-Gedächtnisbrigade“ fühle ich mich da schon irgendwie angesprochen, aber keinesfalls getroffen, denn die BHG, die auf Anregung von Franklin D. Rosenfeld, dem hier hochverehrten Ultra-Falken, gegründet wurde, war eine direkte Reaktion auf das revisionistische Gebaren einiger Liberaler, die nicht nur Dresden als Kriegsverbrechen betrachten, sondern jegliches Eingreifen zugunsten der Menschenrechte und des Friedens ablehnen und als Verbrechen betrachten.
Vielleicht bin auch ich schon viel zu zynisch geworden, aber selbstverständlich bin ich nicht frei von Skrupeln, denn jedes militärische Einschreiten kostet Menschenleben. Auch immer das Leben von Unschuldigen, aber gerade um Millionen Unschuldige zu retten, wird doch eingegriffen. Nicht, weil eine Intervention geil, sondern weil sie notwendig ist, findet sie statt. Moralisch aufgeladen formuliert: Wer bei einem Verbrechen nicht einschreitet, obwohl er die Möglichkeit dazu besitzt, ist ebenso ein Verbrecher.
Ich könnte zum Ende einfach argumentieren, daß Antideutsche eben gerne provozieren, aber damit würde ich es mir wohl etwas einfach machen. Krieg ist niemals geil. Höchstens für Leute wie Ernst Jünger. War Dresden geil? Für Victor Klemperer auf jeden Fall. Kritik, wie sie von Daniel Fallenstein geäußert wurde, kann ich voll verstehen und sie ist sogar absolut treffend und wäre voll berechtigt, wenn es eben diesen verdammten, neuen Revisionismus nicht geben würde, der eben nicht nur von der NPD gelebt wird. In den Zynismus zu flüchten mag nicht die beste Lösung sein und dabei besteht natürlich immer die Gefahr, daß man dabei seine Fähigkeit zur Empathie verliert, aber meine langjährige Erfahrung sagt mir, daß es wohl keine bessere Lösung gibt, um denen nicht vollends das Feld zu überlassen, die aus Tätern Opfer machen. Diese fatale Umdeutung der Geschichte kann man nur durch die virtuelle Blutgrätsche zu Fall bringen und die kreischenden Reaktionen im Lager der Revisionisten scheinen mir doch recht zugeben.















Es gibt schon wieder Zoff
http://neuesundbekanntes.wordpress.com/2008/02/20/uberall-schmutz-nur-nicht-vor-der-eigenen-haustur/
Ich bin gegen „Kleine Länder-Bashing“, anderen macht es Spaß…
Das wird bald alles so wirr, dass selbst Du es in Deiner buchhalterischen Kleinkriegsakribie nicht mehr aufgedröselt bekommst.
Na also. Es geht doch. Endlich mal ein vernünftigerer Artikel bzgl. Dresden.
Ich habe mir auch Mühe gegeben!
Im Ernst: Sicherlich muss man da differenzieren, aber in Anbetracht gewisser revisionistischer Tendenzen fällt mir das echt schwer und dann nehme ich halt die Bakunin-Gedenkdachlatte aus der Vitrine…
@ NUB:
OH, ja! Zu Lichtenstein habe ich natürlich auch eine Meinung, aber die wird vielen nicht gefallen…
Telegehirn
Immer raus mit der Meinung. Auch gegenüber Che und MR habe ich ja meine Ansicht vertreten, dass jeder jeden so viel kritisieren können/dürfen sollte, wie er will. Auch wenn das in der politischen Realität nicht immer so verwirklicht ist, bleibe ich trotzdem bei dieser Ansicht.
Bzgl. Dresden hab ich Dich auch immer genau so interpretiert und war über manch aggressiven Liberalen erstaunt, der Dich und verwandte Meinungen wirklich für extremst gefährlich zu halten scheint. Aber teilweise hat sich da ja herauskristalisiert, warum und wieso…
Hallo alle Noobs
Also an alle schlampen^^
Wieso löscht ihr meine schöönen nachrichten?
Ihr noobs eh -.-
jaja ihr seid gemeint
Ich frage mich wie man soviel Zeit investieren kann, sich an einem Thema so abzuarbeiten, das sich eine einzige Aussage gebetsmühlenartig durch jeden Text jagt. Scheint wohl der deutsche oder gern auch menschliche Missionszwang zu sein.
Ich lehn mich lieber zurück und les meinen Cioran, den freundlichen Protofaschisten aus Rumänien.
Good Bye. Bis im Himmel.
Mensch Telegehörn!
Ich werde mehr und mehr zu Deinem Fan.
Danke das Du uns Revisionismus erklärt hast.
Hast Du gesehen wie ich Werbung für Dich gemacht habe, Du Vordenker.
Herzlichst
Dein djDeutschland
ich habe vor ein paar Wochen eine Bomber-Harris-Tasse bestellt, wird das noch was?
Mea Culpa! Das mit der Tasse tut mir schrecklich leid. Die Sklavenarbeiter in China bekommen das einfach nicht hin, aber ich hoffe: An diesem WE wird das was. Garantiert.
dann peitsch sie mal ordentlich ein
Ich find es witzig. LOL