Das Volksbegehren „Pro Reli“ startete gestern in die zweite Phase. Für einen Volksentscheid müssen die Organisatoren in den nächsten vier Monaten 170.000 Unterschriften sammeln. Ausserhalb von Berlin dürfte die ganze Angelegenheit weitgehend unbekannt sein und viele werden sich die Frage stellen: Was soll das alles? 2006 wurde in Berlin das Pflichtfach Ethik eingeführt. Daneben blieb das Fach Religion wie bisher als freiwillige Option erhalten. 2007 waren eine 13 jährige Schülerin und ihre Eltern vor dem Bundesverfassungsgericht mit ihrer Klage gegen das neue Fach Ethik glatt gescheitert. Nach dieser venichtenden Niederlage in Karlsruhe wurde die Idee eines Volksbegehrens geboren. Unterstützt von den beiden christlichen Kirchen, der Jüdischen Gemeinde, der DITIB (!), den Landesverbänden von CDU und FDP, sowie anderen Gruppen und fragwürdigen Einzelpersonen versucht diese unheilige Allianz jetzt 170.000 Unterschriften zusammen zu bekommen. Der Unterstützung von Springer darf man sich, wie schon beim Volksbegehren zum Flughafen Tempelhof, erneut sicher sein.
Ich spare mir hier heute viele Worte und zitiere einfach aus der Presseerklärung der Bundesverfassungsgerichts den Tenor zum Urteil über den Ethikunterricht:
Die Offenheit für eine Vielfalt von Meinungen und Auffassungen ist konstitutive Voraussetzung einer öffentlichen Schule in einem freiheitlich-demokratisch ausgestalteten Gemeinwesen. Der Landesgesetzgeber darf der Entstehung von religiös oder weltanschaulich motivierten „Parallelgesellschaften“ entgegenwirken und sich um die Integration von Minderheiten bemühen. Integration setzt nicht nur voraus, dass die religiös oder weltanschaulich geprägte Mehrheit jeweils anders geprägte Minderheiten nicht ausgrenzt; sie verlangt auch, dass diese sich selbst nicht abgrenzt und sich einem Dialog mit Andersdenkenden und Andersgläubigen nicht verschließt. Dies im Sinnegelebter Toleranz einzuüben und zu praktizieren, kann für den Landesgesetzgeber eine wichtige Aufgabe der öffentlichen Schule sein. Die Fähigkeit aller Schüler zu Toleranz und Dialog ist eine Grundvoraussetzung nicht nur für die spätere Teilnahme am demokratischen Willensbildungsprozess, sondern auch für ein gedeihliches Zusammenleben in wechselseitigem Respekt vor den Glaubensüberzeugungen und Weltanschauungen anderer. Im Rahmen des staatlichen Erziehungsauftrags darf der Landesgesetzgeber mit Rücksicht auf die tatsächlichen Gegebenheiten und die religiöse Orientierung der Bevölkerung daher die Einführung eines gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Schüler ohne Abmeldemöglichkeit vorsehen, um so die damit verfolgten legitimen Ziele gesellschaftlicher Integration und Toleranz zu erreichen und den Schülern eine gemeinsame Wertebasis zu vermitteln. Der Berliner Landesgesetzgeber durfte davon ausgehen, dass bei einer Separierung der Schüler nach der jeweiligen Glaubensrichtung und einem getrennt erteilten Religionsunterricht oder der Möglichkeit der Abmeldung von einem Ethikunterricht den verfolgten Anliegen möglicherweise nicht in gleicher Weise Rechnung getragen werden könne wie durch einen gemeinsamen Pflicht-Ethikunterricht.
Der betroffenen Schülerin wird die Teilnahme am Religionsunterricht auch nicht in verfassungsrechtlich unzulässiger Weise erschwert. Der freiwillige Besuch des Zusatzfachs Religion führt lediglich zu einer geringfügigen zeitlichen Mehrbelastung und besteht zudem unabhängig davon, ob zu den verbindlichen Fächern der Ethikunterricht gehört oder nicht.
Hervorhebungen von mir.
















Ich habe noch nie verstanden, warum man gerade den großen Religionen die alleinige Deutungshoheit über ethische und moralische Fragen überlassen sollte. Haben sie doch in ihrer Geschichte oft genug bewiesen, dass sie dazu nicht in der Lage sind.
pro reli wird scheitern! tempelhof ist trotz der extremen mobilisierung und emotionalisierung gescheitert. berlin ist die hauptstadt des atheismus.
es ist ein rückschritt wenn jede religiöse sekte dann nur noch inzucht betreibt und unter sich bleiben. von wahlfreiheit kann keine rede sein. wenn sich musels oder hardcore-christen entscheiden müssen zwischen religion und ethik wird die antwort wie im wahren leben sein. die religion!
wo bleibt da das wissen über andere religionen? wird dann ausschliesslich aus sicht der eigenen religion gelehrt. denen muss der arsch echt auf grundeis gehen wenn die abstimmen lassen wollen.
und fuck: was hat religion in einer staatlichen schule zu suchen? diese propaganda in der schule wird durch unsere steuergelder finanziert.
Dass Pro Reli wirklich verlieren würde, wenn es zum Volksentscheid kommt, möchte so nicht sagen. Immerhin gibt es hier noch 1,2 Millionen eingetragende Christen. Die Hälfte würde schon genügen. Man hat bei Pro Reli den selben Kampagnenleiter wie bei der Tempelhof-Sache. Vielleicht hat er ja was gelernt aus der Niederlage. Man muss auch bedenken, daß eine mögliche Abstimmung wohl mit der Europawahl zusammen fallen würde. Daher könnte die Beteiligung weit höher liegen als bei Tempelhof, auch wenn die Europawahl nicht gerade ein Straßenfeger ist. Somit wird es sehr wichtig dann auch mit Nein zu stimmen, um die Befürworter, die vielleicht über 25% Zustimmung erreichen, zu überstimmen.
Und dieses Mal wird, im Gegensatz zu Tempelhof, ein bindendes Gesetz vorgelegt.
Ich finde es auch nicht besonders glücklich, wenn man die Kinder nach Religionszugehörigkeit trennt und ihnen nur die Ideologie der eigenen Gruppe vorsetzt. Eine möglichst sachliche und objektive Darstellung der verschiedenen Religionen findet dann nicht mehr statt. Über andere Religionen würden die Kinder fast nichts mehr erfahren.
Wie schön, telehirn, wir sind hier zu 100% einer Meinung. Ich genieße das jetzt einfach mal kurz bis zu Deinem nächsten Beitrag.
Was soll diese ganze Religionskacke?
Allein durch die Abschaffung des Religionsunterrichts an den Schulen ließen sich jährlich 2,5 Milliarden Euro einsparen. Sogar weitere 14 Milliarden Euro jährlich durch die Streichung sämtlicher Subventionen der Kirchen durch den Staat. Weitere 620 Millionen Euro jährlich durch Wegfall des Unterhalts theologischer Fakultäten mit diversen Lehrstühlen. Und es ist ja doch wohl durch nichts einzusehen weshalb Erzbischöfe und Kardinäle bis zu 11.000 Euro monatlich vom Staat (also nicht etwa von deren Kirche!) erhalten, während gleichzeitig viele Millionen Arbeitslose an HartzIV verrecken!
Ist das so?
Kannst Du das irgendwie belegen? Das wäre ja eine Farce.
Telegehirn
Eine möglichst sachliche und objektive Darstellung der verschiedenen Religionen findet dann nicht mehr statt. Über andere Religionen würden die Kinder fast nichts mehr erfahren.
Grundsätzlich zutreffender Kritikpunkt. Wobei ich noch hinterfrage, ob es hinreichend objektive Darstellungen der Religionen überhaupt gibt, oder ob diese Darstellungen nicht ganz überwiegend Aussagen und Dogmen wiedergeben, nacherzählen, die von den Religionen kommen, oft auch in Ermangelung anderer Quellen.
Zum Christentum wird ja wenigstens kritisch geforscht. In den Schulen kommt davon aber meines Wissens so gut wie nichts an.
Hier wird ja munter drauf los dis…..gequatscht.
- Reliunterricht gibt es an staatlichen Schulen und von den Bu-Ländern finanziert, nur für Religionsgemeinschaften, die eine KdÖR sind, UND einen Staatsvertrag mit den jeweiligen Bu-Ländern abgeschlossen haben. Alles andere sind jederzeit widerrufbare Leistungen der Länder.
- Schon vergessen? D ist keine laizistische Republik, sondern eine säkulare. Will man diesen Zustand ändern, so bedarf dies einer GG-Änderung. Nur zu!
- Es ist mit völlig neu, dass Kinder von Eltern, die keiner Religemeinschaft (KdÖR) angehören, gezwungen werden, an dem Reliunterricht teilzunehmen. Die übrigen Kinder können sich nach Erreichen des 14. Lebensjahres folgenlos vom Reliunterricht abmelden.
- @ Tele: unter „sachlicher und objektiver Darstellung“ der verschiedenen Religionen meinst Du doch höchstens Deine „Objektivität“. oder?
- @ Slomski: wähl Lafo, der wird Dir sicherlich weiterhelfen.
- Die Bu-Länder Berlin und Bremen haben, historisch bedingt, diesbezüglich Sonderregelungen. Vielleicht könnten die Bürger dieser Länder uns in Zukunft mit ihren Provinzpossen verschonen.
Nur ein Hinweis auf die „Parallelgesellschaften“, diese waren immer gegeben, die Juden oder auch asiatische Einwanderer hatten immer die Tendenz zur parallelen Gesellschaft, was ja auch nicht schlimm ist.
Es geht eigentlich um Gegengesellschaften, aus verstaendlichen Gruenden will man die aber nicht so nennen.
LOL
@ Bohne,
„Parallelgesellschaften“? Da wäre ich als Deutscher etwas vorsichtiger. Auf diesem Gebiet haben wir nämlich auch einiges zu bieten. Von den Siebenbürger Sachsen, über die „deutschen“ Kolonien in Chile, Brasilien etc. Die waren in den jeweiligen Ländern über lange Zeit auch „Parallelgesellschaften“. Haben bis heute ihre Sprache beibehalten (das berühmte Chile-Deutsch aus „Faldifia“, vulgo Valdivia) und ihre Konfession (nämlich lutherisch). Auch sie waren, obwohl in der 2. Generation Spanisch/Portugiesisch beherrschend, irgendwie „Fremdkörper“, manchmal auch „Gegengesellschaften“ in diesen Ländern.
Diese deutschen Einwanderer hatten einen Vorteil gegenüber den heutigen bei uns: sie bekamen von den Regierungen meist viel Land angeboten, „seht zu, was ihr daraus macht“, und gut wars. Dies können und wollen wir heute nicht mehr bieten. Heute kommt oft ungebildete Einwanderer, angewiesen auf die Landessprache (das brauchten die Deutschen damals in den meisten Fällen nicht so sonderlich), um überleben und arbeiten zu können. Das funktioniert nicht. Deswegen ist das auch ein Grund, in die „Gegengesellschaft“ abzudriften.
Interview in der taz mit einem evangelischen Pfarrer, der sich gegen das Bürgerbegehren von ProReli ausspricht: http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/diesem-volksbegehren-muessen-wir-widersprechen/
Es ist schon intressant, daß sich gerade Pfarrer aus dem ehemaligen Osten gegen ProReli stellen.
[...] gestellt. Eine liberale Bildungsdebatte ist nötig, auch in Berlin läuft die Diskussion von ProReli – hier soll nach den Initiatoren des Volksbegehrens den Schülern flächendeckend christliche Ethik [...]
Und was soll das alles? Wozu brauchen wir Religionen und Religionsunterricht?
Religion ist doch Volksverblödung! Und Religionsunterricht dient dazu diese Volksverblödung voranzutreiben!
Alle Religionen gehören abgeschafft! Religion ist Volksverblödung!
Nur kleine Kinder und große Narren glauben an den Weihnachtsmann, den Osterhasen, den Klapperstorch oder den lieben Gott! Womit soll es eigentlich gerechtfertigt sein derart riesige Geldmittel zu verschwenden, um durch den Religionsunterricht aus kleinen Kindern große Narren zu machen?
Religion ist Volksverdummung und hat somit in den Schulen nichts zu suchen!
Weg mit dem ganzen Religionsquatsch! Jedliche Religion ist Volksverdummung! Und auf den ganzen Ethikmist können wir auch verzichten! Warum für solchen Blödsinn Geld ausgeben wenn anderseits viele Millionen Arbeitslose an HartzIV verrecken? Denen interessiert doch weder Religion noch Ethik!