Man könnte ja den Eindruck bekommen, daß die gesamte zivilisierte Welt vor dem Zusammenbruch steht: Finanzkrise! Aber mal ehrlich: Haben Sie schon irgendwelche Auswirkungen dieser Krise zu spüren bekommen? Haben Sie Panikattacken wegen dieser Krise und fürchten um ihr Geld? Sie haben Glück, denn es steht eine Bundestagswahl bevor und so versprach Kanzlerin Merkel den deutschen Sparern: Euer Geld ist sicher. Der Staat garantiert dafür. Wo im Ernstfall die 800 bis 1200 Millionen Euro herkommen sollen lies Merkel natürlich offen. Diese Staatsgarantie soll die Menschen beruhigen und verhindern, daß die Banken gestürmt und die Konten leergeräumt werden, was dann zu einer noch größeren Bankenkrise führen würde. Dann wäre wohl der Zeitpunkt erreicht, wenn wieder Banker aus dem Fenster springen, um der Schande zu entgehen. Springen heutzutage Banker und Börsianer eigentlich noch aus dem Fenster oder besorgt das dann Roger Kusch?
“Das Vertrauen muss wieder hergestellt werden“, heisst es dann. Wäre ich jetzt ein Bankmanager, dann würde ich alle Spareinlagen nehmen und ins Casino gehen, Lotto spielen oder bei Sportwetten ordentlich “investieren”. Hier ne Million auf Rot und da mal 10 Millionen beim Black Jack eingesetzt. Kann ja nichts passieren, denn der Staat haftet ja dafür. Hier werden eindeutig die falschen Signale gesetzt.
Wobei man die Ironie nicht übersehen sollte, denn wer ist der Staat? Faktisch haften die Menschen selber, wenn auch nur indirekt über eine höhere Verschuldung, was letztendlich zu höheren Steuern und weniger staatlichem Service führen würde. Nehmen wir den schlimmsten Fall an und der Staat müsste wirklich mit einer Billion Euro einspringen. Die Verschuldung würde sich faktisch verdoppeln und wer würde dem Staat einen Kredit geben? Bliebe dann nur noch die Möglichkeit einfach die Geldpressen anzuwerfen und die Geldmenge dramatisch zu erhöhen. Alles keine schönen Aussichten.
Wer trägt nun die Verantwortung für die aktuelle Finanzkrise? Eigentlich sind sich fast alle einig. Die bösen Spekulanten von der Wall Street, deren “Gier und Maßlosigkeit” seien schuld. Man hat “Mega-Spekulanten und Aasgeier” ausgemacht. Oskar Lafontaine greift sogar ganz tief in die Kiste des bräunlichen Populismus:
Die Subjekte auf dem Finanzmarkt sind eher kriminelle Subjekte. In den USA ermittelt das FBI. Durch die irren Summen, die Hedgefondsmanager und Investmentbanker verdienten, sind sie zu kriminellen Handlungen verführt worden. Deshalb ist der Staat die verlässlichere Institution als das Casino.
Und weiter:
In den USA soll der Investmentbanker Hank Paulson als Finanzminister den Weg aus der Krise weisen. Das ist so, als machte man den Chef eines Drogenrings zum Beauftragten gegen den Rauschgifthandel.
Aus “Mein Kampf”, Seite 233:
Der Kampf gegen das internationale Finanz- und Leihkapital ist zum wichtigsten Programmpunkt des Kampfes der deutschen Nation um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit und Freiheit geworden.
Ja, immer diese fiesen Geldjuden Spekulanten von der Wall Street. Da haben die doch glatt die armen Volksgenossen gezwungen Zertifikate von Lehman Brothers zu kaufen und nun sitzen die “Ausgebeuteten” auf Malle und wissen weder ein noch aus. Es stellt sich sicherlich die Frage, ob die beratenden Banken Fehler begangen haben könnten, aber das entbindet doch keinen Kunden von der Selbstverantwortung und wer sich Inhaberschuldverschreibungen andrehen lässt, der darf das Risiko nicht einfach so ausblenden. Egal was der Berater in der Bank einem erzählt. Wer glaubt den heute noch blind irgendwelchen Werbeversprechen von der eierlegenden Wollmilchsau? Wenn jemand wirklich 46.000 Euro in Zertifikate der Lehman Brothers investiert hat und nun pleite ist, der hat die Aktiengrundregel der Diversifizierung ignoriert und sollte jetzt mal nicht so rumheulen, aber man hat lieber auf das Versprechen einer Verzinsung von 10% vertraut. Darf man das Gier nennen? Man muss. Diese Zocker sollen ruhig selber zahlen, auch wenn die VolksGenossen von attac es wohl anders meinen. Vergessen wir also nicht die Gier der Anleger, aber man zeigt lieber auf die skrupellosen Spekulanten da an der Wall Street. In einem Wahljahr ist es natürlich von Vorteil, wenn man mit dem Finger auf die fernen Spekulanten zeigt und die Verantwortung der Anleger, die ja auch Wähler sind, lieber ausblendet. Nebenbei werden so auch noch die Ressentiments des Durchschnittsdeutschen bedient. Viele fragen sich ja jetzt: Wo ist mein Geld geblieben? Auch wenn Vollhonk Horst Mahler anderer Meinung ist, aber Israel Shamir ist sich sicher:
Mit Staatsgarantien und Rettungspaketen werden beim Wähler natürlich Begehrlichkeiten, nennen wir es ruhig Gier, geweckt, die dann keiner erfüllen kann. Zu Recht werden sich jetzt manche fragen, warum die Regierung mal eben schwindelerregende Milliardenbeträge locker machen kann, um die Fehler von Banken und Investoren wettzumachen und nicht genug Geld für zukunftsweisende Projekte bei Bildung und Forschung locker macht. Das Eingreifen des Nanny-Staats verhindert hier wieder einmal einen dringend notwendigen Lernprozeß. Vielleicht mag es wirklich notwendig sein, daß man Staatsgarantien abgibt und prall gefüllte Rettungspakete schnürt, aber dadurch wird es noch lange nicht richtig. Ich jedenfalls weiß schon jetzt was ich mir zu Weihnachten wünsche: Ein schickes Rettungspaket aus dem Hause Merkel. Ich bin da bescheiden und es müssen keine Milliarden sein, aber so eine Million Euro nehme ich gerne und die Mille ist doch wohl noch drin, oder?












Ich sage es schon seit Monaten. DIE ZINSEN MÜSSEN HOCH! Sonst bekommen wir eine üble Depression. Die Geldmenge ist zu hoch.
Ob eine Zinserhöhung kurzfristig etwas bringt? Keine Ahnung, wohl eher nicht. Aber ist das Problem nicht die momentan knappe Liquidität. Aber: Entstand das Problem nicht, weil es zu viel Geld am Markt gab?
Es scheint mir so als ob man die Kapitalmärkte erst einmal von der billigen Droge Geld runter bringen müsste. Von daher wäre eine Zinserhöhung logisch. Ein Teufelskreis.
Stimme Fritz zu. Zinsen rauf, die Rezession wird ja nun eh von allen Seiten beschworen.
Nur dummerweise hampeln alle Notenbanken natürlich dem Obertrottel hinterher und senken wieder fleißig. Hurra. Auf dass die Inflation steige und wieder billiges Geld die Finanzjongleure zu neuen großen Innovationen treibe.
Zum Artikel: Ist natürlich wieder polemisch und im Grunde hast Du ja Recht, dass man drauf achten sollte, aber der junge Mann am Schalter war doch so nett, und nun bin ich meine 46 Mille los. (Mille von Tausend, keine Million, kleiner Schönheitsfehler) Diese grotesken Geldprodukte, die keine Sau mehr verstand oder einschätzen konnte sind jedoch das wahre Problem. Wenn Du die armen kleineren Sparer verurteilst, wie siehst Du dann, dass Landesbanken Subprimes noch und nöcher gekauft haben? Hätten Die nicht wie Otto Kunde genau hinsehen sollen? Das war das Geld von vielen Menschen, nicht nur ein dusseliger Opa/Oma.
Der Schwachverstand auf diesem Blog ist erstaunlich. Weiter so, Jungs!
[...] Einhergehend mit der steten Steigerung der Energiepreise könnte eine Art De-Globalisierung einsetzen, die lokale Wirtschaft gewinnt an Gewicht. Staatliche Wertanlagen boomen jetzt bereits, weil sie sicherer sind. Außer in Island. Aber mal ehrlich: Haben Sie schon irgendwelche Auswirkungen dieser Krise zu spüren bekommen? [...]
@ norbert walter:
Schwachverstand? Wohl nicht. Natürlich sind Argumente wie: “hast du schon was von der Krise bemerkt” genauso intelligent wie : “gestern hatten wir schon Nachtfrost, von wg. Klimakatastrophe”, oder: “huch, im Oktober noch einen Tag mit 20 Grad, die Klimakatastrophe ist da”.
Es ist vielmehr die Erkenntnis für “Antideutsche” u.ä., dass es mit ihrem Hoffnungsanker USA nicht wieder so laufen wird wie ehedem. Das ist bitter, und wird (noch) nicht zugegeben. Das derzeitige Finanzbeben hat sein Epizentrum in den USA, genauer Wallstreet, und die Gründe sind überwiegend hausgemacht. Fazit: die USA sind militärisch, finanziell so geschwächt, dass ihre Rolle als Weltmacht Nr. 1 sich dem Ende nähert (sie haben auch keine Lust mehr dazu), ond eine multipolare Ordnung dieses System ersetzen wird.
Neocons und Neolibs haben abgewirtschaftet, die “normative Kraft des Faktischen” wird uns wieder in den Griff bekommen.
Auch Israel wird harten Zeiten entgegengehen. Auch das ist für diesen Blog schlecht zu verdauen.
So gehts halt, wenn selbstgebaute Luftschlösser zusammenbrechen.
@ Marlin:
Die Zinssenkung der Notenbanken ist doch sofort verpufft. Da war keine spürbare Wirkung und so beraubt man sich aller Handlungspielräume und pumpt den Markt immer weiter mit Geld auf.
Klar ist das hier polemisch. Gestern habe ich wieder einen im TV gesehen, der hat so 145.000 Euro in Lehman-Zertifikate gesteckt und heulte da fast rum. Natürlich ist das eine beschissene Lage für die Leute, die jetzt ihr Geld komplett verloren haben, aber wenn ich da als Kunde nicht durchblicke, dann sollte ich die Finger davon lassen. Die Banken waren und sind da natürlich nicht besser und ich glaube auch, daß viele der Berater da nicht wirklich durchgeblickt haben und nur die Provision sahen. Von daher: Gier aller Orten. Die Medaille hat ja zwei Seiten. Banken verkaufen Schrott, aber da waren ja genug Leute, die den Schrott gekauft haben. Nun macht man aber nur die Banken verantwortlich. Ich kann schon verstehen, daß man da unbedingt einen Schuldigen braucht, aber die Kunden dürfen sich ruhig an die eigene Nase fassen.
Diese Kunden hätten lieber ins Casino gehen sollen, denn da wären die Chancen wahrscheinlich besser gewesen und ich verstehe es einfach nicht, wie man alles Geld auf ein Produkt setzen kann. So blöd kann doch keiner sein?
@ rational:
Natürlich ist hier kein Sachverstand vorhanden. Deshalb halte ich mir ja solche ausgemachten Experten wie dich.
Ich würde mich an deiner Stelle noch nicht zu früh freuen. Natürlich hüpft dein Herz vor Freude, weil du meinst das Ende der USA erkannt zu haben. Warum sollte Israel “harten Zeiten” entgegen gehen?
Aber du bist nicht alleine. Von ganz links bis ganz rechts wittern die Extremisten und Feinde der Freiheit ja Morgenluft und phantasieren vom Einsturz der goldenen Türme (Wo stehen die eigentlich?) und vom Ende der Marktwirtschaft. Träumen jetzt vom Sozialismus oder der Wiederherstellung der Volksgemeinschaft, aber so blöd ist heute keiner mehr. Hoffentlich.
Diese Krise wird überwunden werden. Eigentlich haben wir weniger reale Probleme, als Probleme psychologischer Natur.
@ Tele,
ach, wie immer. Ihr Ideologen haltet eine Analyse + möglichem Ergebnis gleich für Zustimmung. Das brauchst Du wohl für die weitere “Argumentation”. Na, wenns denn hilft.
“Diese Krise wird überwunden werden. Eigentlich haben wir weniger reale Probleme, als Probleme psychologischer Natur.”
Mit Sicherheit wird diese Krise sogar marktwirtschaftlich überwunden werden, stell Dir das mal vor.
Zum Glück bist Du ja vollkommen ohne jede Ideologie. Wird diese Krise wirklich marktwirtschaftlich überwunden? Sieht mir im Moment nicht so aus. Hoffentlich bekommen die Steuerzahler auch was für ihr Geld.
Nee, bin ich nicht. Nur versuche ich, meine Ideologie an der Wirklichkeit zu spiegeln. L´art pour l´art ist nicht meine Sache.
Marktwirtschaftlich überwinden? Da habe ich zu schnell geschrieben. Die Krise wird überwunden, um die Marktwirtschaft wieder herzustellen. Diesmal in einem für die Finanzwirtschaft geänderten Ordnungsrahmen. Wurde auch Zeit.
Der Steuerzahler wird, wie meist, in die Röhre gucken.