Seit einigen Monaten wabern sich durch das Internet: Die sogenannten “parlamentarischen Anarchisten.” Es lässt sich nur schwer bestimmen, ob ich es hier mit einer Gruppe von sehr naiven Menschen zu tun habe, die einfach alle anarchistischen Quellen und Traditionslinien über die strikte Ablehnung des Parlamentarismus überlesen, nicht verstanden haben oder, ob es sich hier um eine neo-netschajewistische Bande handelt, die mit allen Mitteln bekämpft werden sollte. Ungeachtet dessen versuche ich dennoch eine inhaltliche Auseinandersetzung, befürchte aber, dass es ungefähr so fruchten wird, wie einem Vegetarier zu erklären, dass sein tägliches Schnitzel ihn nicht besonders glaubwürdig erscheinen lässt.
Monatsarchiv: August 2012
Campus Party Europe 2012: Ein Fazit oder so.
Das Erste woran ich dachte, als ich von der Campus Party erfuhr, war eine Horde Studenten, die sich alkoholische Getränke bis zur Besinnungslosigkeit zu Gemüte führt. Doch weit gefehlt, denn in Bezug auf Alkohol war die Campus Party durch und durch eine puritanische Veranstaltung.
Ich bin einige Male gefragt worden, warum ich denn diese Veranstaltung besuchen würde. “Weil der Besuch für mich kostenlos ist.” Dazu brauchte ich nur zehn Stationen mit dem Bus fahren, um zum Flughafen Tempelhof zu kommen. In der Tat habe ich niemanden getroffen, der für die Eintrittskarte Geld bezahlt hätte. Alleine bis zu 5.000 Personen aus Spanien wurde die Anreise mit dem Bus und der Eintritt spendiert. Dazu kommen etliche Gratistickets, die über Blogs oder Firmen unter die Jubelperser_innen geworfen wurden.
Meine Vorhaut gehört mir, mein Bauch gehört mir und mein Arsch gehört mir sowieso
In keinster Weise bin ich darüber verwundert, dass im Rahmen der Beschneidungsdebatte allerlei absonderliche Gestalten auf der Bugwelle des Diskurses ihren Antisemitismus und/oder ihre Islamophobie abzureiten vesuchen. Was mich jedoch recht verwundert hat, ja fast ratlos zurücklässt, ist der Umstand, dass Menschen, die sich als Teil der Aufklärung und der Emanzipation des Menschen betrachten mit allzu abwegigen Argumenten daher kommen, warum denn die Beschneidung von Kindern so eine tolle Sache sei.
