Telegehirn

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Offener Brief an den Bezirksbürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky

Hey, Heinz Buschkowsky!

Es geht mir an dieser Stelle nicht um deine schlechtsitzenden Anzüge, farblich schrecklichen Hemden und Krawatten, bei deren Anblick regelmäßig Menschen ins Koma fallen, denn dafür ist die Modepolizei zuständig. Als Kreuzberger im Neuköllner Exil, der tiefe Wurzeln in Neukölln besitzt, wollte ich dir sagen, dass ich dich einfach nicht mehr ertragen kann. Du hast ein Buch geschrieben und lässt jetzt Vorabdrucke in der Fachzeitschrift für kleinbürgerlichen Rassismus erscheinen, was bei näherer Betrachtung recht konsequent erscheint, denn sowohl von der Mitte der Gesellschaft bis an den äussersten rechten Rand applaudiert dir der ausländerfeindliche und deutschtümelnde Pöbel begeistert zu. Deine heutige Episode nennt sich “die bittere Wahrheit über Multi-Kulti” und beim Lesen habe ich mich ernsthaft gefragt, über welches Neukölln auf welchem Planeten du da eigentlich schreibst.

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Alice Schwarzer

Jetzt hat auch Alice Schwarzer ein Buch zum Thema Islamismus und Integration veröffentlicht. Alice Schwarzer hat sich in der Vergangenheit immer mal wieder mit dem Islamismus auseinandergesetzt und geriet dabei unter anderem mit Milli Görus aneinander. Ich bin ja oft skeptisch, was Alice Schwarzer so macht. Der Name der Zeitschrift Emma wurde an die Anarchisten Emma Goldman angelehnt, aber die Emma ist wenig bis gar nicht emanzipatorisch. Oft wird nur der selbst Schmonz reproduziert, denn die Männer schon falsch machten und den die Frauen nun imitieren sollen. Mit wahrhafter Emanzipation hat das wenig zu tun. Die Thesen von Alice Schwarzer sind oft krude und wenig durchdacht, doch die mediale Aufmerksamkeit ist ihr immer sicher. Alice Schwarzer glaubt z.b. eine Verbindung zwischen Sadomasochismus und Faschismus zu erkennen, was absoluter Unsinn ist.

Ihre Thesen zum Thema Islam/Islamismus und Integration sind durchaus näher an der Realität als jene von Thilo Sarrazin, was nicht so schwer sein sollte und im Gegensatz zum Triefauge zeigt sie auch mögliche Lösungswege auf. Denn in einem hat Alice Schwarzer leider recht:

Kurzum: die Sorge um die in den letzten 200 Jahren so mühsam und blutig erkämpften Menschenrechte im Westen.

Aber brauchen wir dafür die Gefahr des Islamismus? Diese Rechte werden uns doch viel stärker von der politischen Elite beschnitten. Welche Bedrohung ist denn nun realer. So ganz persönlich für mich? Was die absolut berechtigte Kritik am Islamismus in diesen Tagen und Wochen allerdings recht schwer macht, ist die Hetze, die keine Kritik mehr ist, sondern darauf zielt aus niedrigsten Beweggründen über alles herzuziehen, was nicht deutsch und christlich ist. Dabei geht es Leuten wie Sarrazin gar nicht um irgendwelche Werte, die wir in den letzten 200 Jahren erkämpft haben. Und seinen Adepten auch nicht. Ich werde morgen aufzeigen, welchen Dammbruch Thilo Sarrazin ausgelöst hat und nun ergiesst sich die braune Flut mal wieder übers Land. Daher bin ich auch bei Alice Schwarzer sehr skeptisch. Welche Motive hat sie?


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Heinz Buschkowsky und die Kita-Pflicht

Politiker in Deutschland neigen bei Problemen oft zu Aktionismus. Besonders wenn die Boulevardpresse mal wieder eine Sau durchs Dorf getrieben hat. Heinz Buschkowsky, der Bezirksbürgermeister von Neukölln, will eine allgemeine Kita-Pflicht für Kinder ab dem ersten Lebensjahr einführen. Als ich davon hörte, musst ich zusammen zucken, denn das erinnerte mich doch stark an die DDR. In der DDR wurde die Erziehung der Kinder total vom Staat gesteuert und gelenkt. Sicherlich meint Heinz Buschkowsky es nur gut, aber er schiesst weit über das Ziel hinaus. Schon jetzt gibt es nicht genügend Kita-Plätze und einen eklatanten Mangel an Erziehern. Wie das alles finanziert werden soll, steht doch vollkommen in den Sternen und bei einer derart notwendigen Expansion leidet die Qualität von KITAs. Solche undurchdachten Vorschläge sind Auswirkungen des um sich greifenden Sarrazinismus. Erst nichts tun, dann blind handeln. Wer wundert sich da noch, daß zwischen der politischen Elite und den Beherrschten ein riesige Lücke klafft?


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Deutsch-türkische Dissonanzen

Die fürchterliche Brandkatastrophe von Ludwigshafen, bei der neun Menschen ums Leben kamen, wirft einen langen Schatten auf die deutsch-türkischen Beziehungen und Verhältnisse und führte dazu, dass Themen wie die Integration oder eben das Fehlen von Integration wieder stark ins Rampenlicht rückten. Die Ursache für das verheerende Feuer in Ludwigshafen steht immer noch nicht fest, aber sowohl für Teile der türkischen Seite, wie auch der deutschen Seite steht längst fest, was die Ursache gewesen sein muss. Wir haben es hier auf beiden Seiten mit bestimmten Ausprägungen eines extremen Nationalismus zu tun, wobei dieser auf der türkischen ganz offen und mit all seiner Widerwärtigkeit zu Tage tritt. Auf der deutschen Seite wirkt der Nationalismus auf mehr subtilere Weise. Sicherlich kann auch ich nicht verneinen, dass es im ersten Moment, als das Ausmaß der Brandkatastrophe deutlich wurde, so schien, als ob der Brandgeruch von Mölln und Solingen in der Luft lag.

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