Manche Zeitgenossen reden immer von den Menschenrechten und richten dabei den schmuddeligen Finger stets auf die USA und verdammen diesen Hort des Bösen und des Imperialismus. Aber im gleichen Atemzug loben sie z.B. die Autobahnen und die KDF-Reisen im 3. Reich als hervorragende “soziale” Leistungen. Andere wiederum loben das “soziale” System der DDR und sehnen sich nach sozialer Sicherheit und ziehen diese der Freiheit vor. Dritte können sich dann für die angeblich formidablen Leistungen des kubanischen Gesundheitssystems erwärmen.
So ein Beispiel von “lieber soziale Sicherheit” als persönliche Freiheit und Menschenrechte für alle, findet sich bei einem “Israelkritiker“. Dieser will ja nicht Antisemit oder Antizionist genannt werden, obwohl sich seine Solidarität für die einzige Demokratie im Nahen Osten sehr in Grenzen hält.
Was ist passiert? Ich hatte mich im blog von “che” auf eine Diskussion über den 11. September eingelassen und erwähnte in einem Kommentar Kuba. “che” antwortete mir:
Was Kuba angeht, bin ich für freie Meinungsäußerung und freie politische Meinungsbildung in diesem Land, wie ich dies in jedem Land befürworte, aber auch gegen die US-Blockade gegen Kuba.
Meine Antwort darauf war:
US-Blockade? Ich dachte, wenn man mit den Imperialisten Handel treibt, dann wird man nur ausgebeutet und über den Tisch gezogen? Steht es nicht jedem Land frei mit wem es Handel treibt und mit wem nicht? Gibt es diese “Blockade” nicht wegen der Diktatur auf Kuba? Gibt es das Recht des Handels mit dem Klassenfeind? Wohl kaum. Kuba war vor der “Revolution” eines der reichsten Länder Lateinamerikas. Sogar reicher als Japan oder Österreich. Wie sieht es heute aus? Da wird lieber mit irgendwelchen imaginären sozialen und medizinischen Errungenschaften des Regimes hausiert. Ist die medizinische Versorgung Kubas jetzt besser als die Japans oder Österreichs? Hätten denn nicht die “Wirtschaftshilfen” der UdSSR und anderer Ostblock-Staaten das “Embargo” mehr als wett machen müssen?
Der fettgedruckte Teil traf jenen ganz oben angesprochenen Israelkritiker und Freund der Freiheit und Menschenrechte wohl so sehr in sein gutmenschliches Herz, daß er sofort eine Verteidigungsschrift verfasste, in der er das Gesundheitssystem Kubas über den grünen Klee lobte. Die Menschenrechte werden dabei nur am Rande angeschnitten. Warum auch? Denn schliesslich haben die Kubaner ja ein so tolles Gesundheitssystem und springen den ganzen Tag vergnügt im grössten Freiluftgefängnis der Welt umher.
Hauptsache Gesund.
Wo doch jener Blogger immer so grossen Wert auf die Einhaltung der Menschenrechte legt. Jedenfalls wenn es um die USA geht. Doch wie sieht es mit dem kubanischen Gesundheitssystem wirklich aus? Jedenfalls nicht so rosig, wie es jener Blogger durch seine ideologische Brille sieht. Der Vorzeigedemokrat schreibt:
Wie geht es eigentlich Fidel? Weis ich auch nicht aber wenigstens hat er für den jetzigen Fall vorgesorgt. Fidel Castro ist, zumindest was die Seite der medizinischen Betreuung betrifft, in Kuba in den besten Händen. Nicht nur der Maximo Leader ist in guten Händen, mit ihm auch die über 11 Millionen Kubaner und ungezählte Menschen Weltweit.
Wie naiv kann man eigentlich sein? Natürlich erhält der Mörder, Gulag-Wärter und Diktator eine bessere Versorgung als der normale Kubaner. Ist es nicht herrlich? Am kubanischen Gesundheitssystem wird die halbe Welt genesen.
Kuba selbst entwickelt sich zu einem Ziel in der Kategorie Gesundheitstourismus, das gilt nicht nur für die gutbetuchten sondern auch für die einfachen Menschen besonders aus Latein Amerika.
So? Hier sind wohl jene Propagandatricks gemeint, mit denen Menschen, z.B. aus Venezuela nach Kuba geflogen werden, um dort operiert zu werden. Ist diese selbstlose Geste nicht herzzerreissend? Weiter heisst es:
Fast unbemerkt entwickelt sich Kuba auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung, der Entwicklung von Medikamenten, Impfstoffen und der Biotechnologie insgesamt zu einer Mittelmacht. Medizin und Biotechnologie entwickeln sich zunehmend zur tragenden Stütze der Kubanischen Volkswirtschaft – jenseits der traditionellen Wirtschaftsbereiche
Kuba ist also das Paradies für Menschen die vom Kapitalismus und Imperialismus um ihre Gesundheit gebracht wurden? Mitnichten. Schauen wir also mal genau nach. So findet sich sich bei Don Bosco ein erschütternder Bericht über die Zustände im ach so tollen kubanischem Gesundheitswesen:
Kleine Schönheits-OP gefällig? Brauchen Sie Zahnimplantate oder möchten Sie eine Hornhautverkrümmung behandeln? Dann ist Kuba das richtige Reiseziel! Tausende von Besuchern kommen jedes Jahr auf die karibische Insel, um sich gut und günstig medizinisch versorgen zu lassen. Denn Kuba ist berühmt für sein Gesundheitssystem: Dort steht Patienten ein Heer von hoch qualifizierten Medizinern zur Verfügung. In modernsten Kliniken werden zahlreiche Krankheiten nach “internationalen Qualitätsstandards” behandelt, wirbt die Website der kubanischen Botschaft in Berlin.
Hört sich ja eigentlich ganz schick an, oder? Jetzt kommt es aber:
Doch das Angebot hat einen Haken: Es gilt nur für Ausländer. Die Einheimischen haben kaum Zugang zu Medikamenten. “Die meisten Arzneimittel gibt es nur, wenn man in der Sonderwährung CUC bezahlen kann. Und die bekommen ausschließlich Touristen oder Leute mit Verwandten im Ausland,” sagt Ordensbruder Jean Paul Muller von “Don Bosco Mission” in Bonn, der soeben aus Kuba zurück gekommen ist. “Und die Medikamente dort sind genauso teuer wie in Europa.” Bei einem Durchschnittslohn zwischen 12 und 20 Euro im Monat sind sie für Kubaner unerschwinglich, selbst wenn sich einzelne Devisen beschaffen können.
Das hört sich nach Zweiklassenmedizin an. Aber wahrscheinlich handelt es sich nur um imperialistische Propaganda? Zu der Versorgung mit Medikamenten heisst es:
Die medizinische Versorgung der Bevölkerung sei dramatisch schlecht, sagte der Leiter der internationalen Koordinierungsstelle der Salesianer Don Boscos. Der katholische Orden unterhält in vier kubanischen Städten Pfarreien und Jugendzentren. Selbst Medikamente für den täglichen Bedarf wie Aspirin, Magentropen oder Schmerzmittel seien nur auf dem Schwarzmarkt zu Höchstpreisen erhältlich, so Muller.
Eben. Die zu Propagandazwecken herangekarrten Menschen aus Venezuela und anderen Ländern haben eben Vorrang vor den eigenen Leuten. Die Menschen auf Kuba werden sich hüten offen gegen das System zu protestieren, denn dann landen sie im Knast und werden dort auch gefoltert. Aber warum sollte man sich mit solchen Dingen beschäftigen, wo doch die armen Widerstandskämpfer von den pöhsen Imperialisten auf Gitmo jeden Tag gefoltert werden?
Bei touristiklinks.de heisst es zur medizinischen Versorgung auf Kuba:
Medizinische Behandlung für Ausländer ist in Kuba nur in speziellen Ausländerkrankenhäusern bzw. Ausländerabteilungen von Krankenhäusern möglich. Die Kosten übersteigen die in Europa üblichen um ein Vielfaches.
Ausländer werden also getrennt behandelt. In ganz speziellen Abteilungen. Warum wohl? Weil das Gesundheitssystem für die Einheimischen so toll ist? Wohl eher nicht. Don Bosco bestätigt das:
Während Touristen bei Beschwerden eine medizinische Behandlung nach westlichen Standards erhalten, seien die Krankenhäuser für Einheimische völlig unzureichend ausgestattet. “Kanülen, Einwegspritzen, Seife und Waschpulver sind Mangelware. Wenn jemand ins Krankenhaus muss, wird ihm empfohlen, sich einen Eimer als Toilette sowie Wasser, Handtücher und Bettwäsche selbst mitzubringen. Und am besten einen Angehörigen, der ihn versorgt.”
Das liegt wohl am “Embargo” der “pöhsen Imperialisten”? Ob Fidel auch einen Eimer, Handtücher und Bettwäsche selbst mitbringen musste? Hat sich sein Bruder Raul rührend um ihn gekümmert? Kam deshalb Hugo Chavez nach Kuba und brachte Fidel ein paar saubere Handtücher?
Don Bosco kennt auch den Grund für das schlechte Gesundheitssystem:
Wichtigster Grund für die Verschlechterung des öffentlichen Gesundheitssystems, das einst als vorbildlich in Lateinamerika galt: Der Zusammenbruch der Sowjetunion. Sie belieferte Kuba früher mit Medikamenten und Maschinen zur Produktion von Arzneimitteln. Jetzt müssen Medikamente auf dem Weltmarkt gegen Devisen gekauft werden.
Naja. Die UdSSR ist vor 15 Jahren zusammengebrochen. Zu der Frage der Ernährung, die angeblich, laut balou, durch die “Revolution” gelöst wurde, heisst es bei Don Bosco:
Vor allem Kinder und alte Menschen litten unter Atemwegserkrankungen, Magen- Darmproblemen, Lungenerkrankungen sowie an den Folgen der Fehlernährung durch Vitaminmangel, fasst Muller seine Beobachtungen zusammen. Zwar gebe es auf der Insel Möglichkeiten, sich vitaminreich zu ernähren. Doch Ananas und Zuckerrohr, die in Kuba angebaut werden, sind für den Export bestimmt. “Die Menschen bekommen davon nichts ab. Wer eine Ananas klaut, kommt ins Gefängnis.”
Wie menschlich dieses System doch ist! Bravo! Da bekommt man richtig Lust nach Kuba auszuwandern. Obwohl:
Die Aktivisten von Don Bosco rufen zu Spenden auf, die doch gar nicht benötigt werden würden, wenn das Gesundheitssystem auf Kuba, wie behauptet wird, so toll sein soll:
“Aber wir brauchen dringend finanzielle Unterstützung, um Medikamente gegen Lungen- und Atemwegserkrankungen, Tropfen gegen Magen-Darm-Beschwerden, Antidepressiva, Antibiotika und Vitamintabletten zu kaufen.” Darüber hinaus möchten sie Seife, Shampoo, Plastikeimer, Waschpulver und vitaminreiche Lebensmittel verteilen. “Bitte spenden Sie Geld, keine Medikamente,” betont Bruder Muller.
Aber bitte keine Hilfspakete mit Medikamenten schicken:
“Denn Hilfspakete werden an der Grenze oft konfisziert.”
Das ist ja wie früher: Die Stasi plünderte auch Hilfspakete.
Einen Punkt gibt es noch: Die von “balou” angesprochene “Hilfe” für Länder wie Venezuela. Das Deutsche Ärzteblatt (103, Ausgabe 26 vom 30.06.2006, Seite A-1809 / B-1549 / C-1499) schreibt dazu:
Kubanische Stellen werden nicht müde zu betonen, dass die medizinische Versorgung der eigenen Bevölkerung sichergestellt sei. Erfahrungsberichte ausländischer Mediziner auf Kuba sprechen dagegen von erkennbarem Ärztemangel, vor allem auf dem Land.
Ärtzemangel? Wie kann das denn sein? Wo doch balou stolz wie Bolle von der hohen Zahl der Ärzte auf Kuba schwärmt:
Britische Ärzte waren überrascht als sie feststellten, dass in Kuba ein Hausarzt ca. 3oo Patienten betreut während im UK 1800 Einwohner auf einen Hausarzt kommen
Das erklärt sich relativ einfach, denn laut WHO (Stand: 2002) gibt es auf Kuba 66.567 Ärzte. Solche Zahlen sind immer mit Vorsicht zu geniessen, da Diktaturen dazu neigen ständig sich, das Volk und die Welt zu belügen. Laut balou sind alleine in Venezuela 14.000 Ärzte im Einsatz. Laut Ärzteblatt sogar mehr als 15.000. Das verringert die Zahl der aktiven Ärzte auf Kuba erheblich. Andere Quellen sprechen auch von bis zu 18.000 Ärzten.
Zwei Leserbriefe von Ärzten zu dem Beitrag des Ärzteblatts sind sehr aufschlußreich. So merkt E. Schaffner, ein Arzt der in Sydney tätig ist, an:
Richtigerweise sprechen Sie an, dass durch die Entsendung Tausender kubanischer Ärzte in Kuba ein akuter Ärztemangel entstanden ist. Nicht erwähnt lassen Sie aber den noch viel schlimmeren Effekt, dass darüber hinaus unsere kubanischen Kollegen von Castro, wie schon zuvor im südlichen Afrika (Südafrika, Namibia, Angola), wiederum als Arbeitssklaven vermietet werden.
Aber, aber…Im Sozialismus sind doch alle Menschen frei und keine Sklaven und alle Ärzte haben sich bestimmt freiwillig gemeldet. Wie es sich für einen anständigen sozialistischen Aktivisten gehört. Ganz ohne Zwang oder Druck.
Dr. med. Karl Ditzler, ein Arzt aus Bad Krozingen stellt fest:
Es ist mir unverständlich, wie dieser Artikel im DÄ erscheinen konnte, der dazu dient, den Sozialismus à la Chávez in Venezuela zu verherrlichen. Mein Aufenthalt im November/Dezember 2005 in Venezuela hat mir ein anderes Bild dieses Landes und des Diktators Chávez vermittelt. Die Entsendung von ca. 15 000 kubanischen Ärzten zum Aufbau eines Gesundheitssystems in den Slums, z. B. Barrio Adentro, dient lediglich zur Stabilisierung des Diktators Chávez. Die Entsendung der kubanischen Ärzte erfolgt gegen den Widerstand der venezolanischen Ärzte. Die kubanischen Kollegen werden von Chávez mit ca. 1 000 Dollar für den Einsatz zum Aufbau von sozialistischen Polikliniken und Versorgungszentren à la Kuba gut bezahlt, während höher qualifizierte venezolanische Ärzte und Professoren an den staatlichen Kliniken nur ca. 400 Dollar monatlich verdienen dürfen. Chávez will mithilfe von Castro seinen Sozialismus in Venezuela stabilisieren, weil durch gute medizinische Versorgung – wie im Artikel beschrieben – in den Barrios Wahlen gewonnen werden. Chávez plant, die alte medizinische Elite an den Universitäten zum Auswandern zu bringen oder ihre wirtschaftliche Existenz der Privatpraxis zu unterminieren bzw. zu eliminieren.
Das die kubanischen Ärzte das Geld behalten dürfen, darf bezweifelt werden. Den meisten Teil des Lohns wird die kubanische Diktatur kassieren. Damit es Fidel und der Elite gut geht.
In einem Interview mit der Deutschen Welle sagte der kubanische Dissident Raul Rivero zu der Lage in Kuba:
Wir müssen von einem Rückschritt sprechen. Von den 75 Personen, die im März 2003 verhaftet worden waren, wurden lediglich 15 aus dem Gefängnis entlassen. Die kubanische Regierung war sehr verärgert über die Abstimmung vor der Menschenrechtskommission der UNO im April 2005. Damals hatte sich die EU als Block gegen Kuba ausgesprochen. Die Reaktion der kubanischen Regierung darauf war sehr brutal. Außerdem: Seit die Regierung vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez finanziell unterstützt wird, fühlt sie sich schlicht an keine internationale Verpflichtung mehr gebunden und geht nun besonders grausam mit der Opposition um.
Das Fazit des Menschenrechtlers balou ist mehr als peinlich und dazu noch dümmlich platt:
Natürlich ist auch das nur ein Aspekt allerdings ein äußerst wichtiger: Food First. Sicher ist Essen nicht Alles aber eine gesicherte Ernährung ist Grundlage jeder weiteren Entwicklung und Verhungert ist Alles Nichts.
Jenau. Hauptsache wat zum Fressen. Allet andere is ejal. Das Problem ist nur: die Menschen auf Kuba, mit Ausnahme der sozialistischen Elite, haben weder Freiheit, noch ausreichende medizinische Versorgung. Dazu gesellt sich noch mangelhafte Ernährung, weil alles, was sich verkaufen lässt, ins Ausland exportiert wird.
Dazu fällt mir ein Zitat von Patrick Henry ein:
I know not what course others may take; but as for me, give me liberty or give me death!
balou jedenfalls scheint wohl keinen großen Wert auf die Freiheit zu legen. Da braucht man sich über die zahlreichen Diktaturen und ihre Sympathisanten nicht zu wundern.