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Zidane und Materazzi milde bestraft

Zinedine Zidane und Marco Materazzi wurden mit lächerlich milden Strafen belegt. Zidane, der nach der WM seine Profikarriere beendet hat, wurde mit drei Spielen Sperre und ca. 4800 € Geldstrafe belegt. Zidane wird zusätzlich freiwillig drei Tage Sozialarbeit mit Kindern ableisten.

Marco Materazzi wurde zu zwei Spielen Sperre und ca. 3200 € Geldstrafe verurteilt. Damit wird er im EM-Qualifikationsspiel gegen Frankreich Anfang September in Paris fehlen.

Die FIFA wollte den Fall wohl schnell vom Tisch haben und die Spiele auch nicht wirklich bestrafen. Das ist ein schlechtes Signal. Provokationen lohnen sich also.


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Zidane: Materazzi hat meine Mutter und meine Schwester beleidigt

Das waren sehr persönliche Dinge, das betrifft meine Mama, meine Schwester.

Zinedine Zidane hat sich heute zum ersten Mal zu seinem Kopfstoß im WM-Finale geäußert. Er gab dem französischen Pay-TV-Sender Canal Plus ein exklusives Interview. Demnach habe Marco Materazzi die Mutter und Schwester des Franzosen beleidigt. Zidane entschuldigte sich zwar für seinen Aussetzer, aber er bedauert diesen nicht.

Ich habe versucht nicht hinzuhören, aber er hat die Worte immer wieder wiederholt.

Den genauen Wortlaut wollte Zizou auch diesmal nicht preisgeben. Doch er bat die Kinder um Verzeihung:

Ich bitte um Verzeihung bei allen Kindern, die das gesehen haben. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Ich muss es laut und deutlich sagen, weil es von zwei bis drei Milliarden Fernsehzuschauern und Abermillionen Kindern gesehen wurde.

Zidane rechtfertigt indirekt seine Tätlichkeit:

Ich kann meine Handlung nicht bedauern, weil das bedeuten würde, dass er Recht hatte, es zu sagen. Ich kann es nicht, ich kann es nicht sagen. Nein, er hat kein Recht das zu sagen, was er sagt.

Materazzi hatte die Beschimpfung eingeräumt:

Ich habe Zidane beleidigt. Ich habe ihn aber sicher nicht als Terroristen bezeichnet. Ich bin ein unwissender Mensch, da weiß ich doch nicht, was ein islamischer Terrorist ist. Ich habe auch bestimmt nicht Zidanes Mutter erwähnt. Für mich ist eine Mutter heilig.

Dies kann man als Schutzbehauptung von Marco Materazzi abtun. Interessant wird die Ermittlung der FIFA. Denn dort müssen die Spieler die Wahrheit sagen.

Besonders lustig finde ich die Einschaltung von Lippenlesern. Diese wollten so etwas wie “dreckiger Terrorist” gelesen haben. Materazzi entgegnete darauf, daß er ungebildet sei und gar nicht wisse was ein Terrorist sein. Materazzi mag wirklich nicht besonders gebildet sein, aber eines ist sicher: er ist gerissen wie ein Mafiosi.

Marcello Lippi, der zurückgetretende Trainer der Italiener, glaubt der FIFA nicht, daß der vierte Schiedsrichter die Tätlichkeit von Zidane gegen Materazzi wirklich selbst gesehen hat und vermutet, daß der Videobeweis herangezogen wurde. Das wäre ein schwerer Verstoß gegen die Statuten der FIFA.

Auf jeden Fall hat der Fussball massiv an Ansehen verloren.


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Wird Südafrika die WM 2010 verlieren?

Die WM 2006 in Deutschland ist erst am Sonntag beendet worden und schon ist wieder die Debatte um die nächste WM entbrannt. Diese soll 2010 in Südafrika stattfinden. Doch es mehren sich die kritischen Stimmen, die eine Verlegung in ein anderes Land fordern. Im Gespräch als Ersatzausrichter sind Australien, die USA und Deutschland.

Die Kritik an Süd-Afrika kommt nicht nur aus den Medien, sondern auch innerhalb der FIFA gibt es massive Bedenken gegen Südafrika als Gastgeber. Die Liste der Mängel ist lang und so gibt es große Bedenken was die Sicherheit, fehlende Hotels und unzureichende Infrastruktur betrifft. Auch der Bau der meisten Stadien hat noch nicht oder gerade erst begonnen.

Der FIFA-Präsident Sepp Blatter steht unverdrossen hinter Süd-Afrika als Ausrichter der Fussball-WM 2010. Blatter gehörte zu denen, die schon die WM 2006 nach Südafrika geben wollten. Jedoch wurde dank der Titanic das Unentschieden in der Abstimmung vermieden und Blatters Stimme musste nicht entscheiden. Im Grunde war schon kurz nach der Vergabe der WM 2006 an Deutschland im Juli 2000 klar, daß die WM 2010 in Südafrika stattfinden wird. Noch nie hatte ein Land so viel Zeit sich auf eine WM vorzubereiten.
Sepp Blatter und der von ihm eingeführte Rotationsmodus sorgten dafür, daß die WM 2010 auf jeden Fall in Afrika veranstaltet wird. Also bekam Südafrika die einmalige Chance eine WM fast 15 Jahre im Voraus planen zu können. Doch es ist nichts geschehen. Es ist als politische Entscheidung anzusehen, die WM nach Afrika, speziell nach Südafrika zu vergeben.

Sepp Blatter stellte sofort klar, daß die WM 2010 auf jeden Fall in Südafrika stattfinden wird. Zumindest bis 2007 wird Blatter diese Position auf jeden Fall vertreten. Dann möchte Blatter als FIFA-Präsident wiedergewählt werden und er braucht die 52 Stimmen aus Afrika. Was danach geschieht ist offen.

Sepp Blatter sagte vor wenigen Tagen:

I am optimistic for Africa.The whole world trusts you, the whole FIFA family, they say yes to South Africa, we trust South Africa.
Of course 2010 will not be the same as this one. What is important is that we already know the South African World Cup will raise more money than the 2006 World Cup and that the market supports South Africa. It will be a World Cup played to the sound of African drums, and all of Africa will be supporting this tournament to transform a continent.

Wie allerdings mit der WM 2010 mehr Geld eingenommen werden soll, als mit der WM 2006 ist mir ein Rätsel. Einerseits werden nur etwas 500.000 ausländische Touristen erwartet und andererseits müssen die Eintrittspreise massiv gesenkt werden, damit sich die relativ arme Bevölkerung den Eintritt auch leisten kann. In Deutschland waren es über 2.000.000 ausländische Gäste.

Es wird wieder einmal deutlich, wie die FIFA funktioniert: eine Mischung aus Geld, Macht und Politik formen eine unheilige Allianz.

Zu Bedenken ist auch, daß Südafrika eine der höchsten Mordraten der Welt hat. Im Jahr 2005 wurden offiziell etwa 18.000 Morde gemeldet. Dazu 55.000 Vergewaltigungen, 267.000 Fälle von Körperverletzung und etwa 12.000 Fälle von Carjacking, sowie etwa 80.000 weitere “normale” Autodiebstähle.

Wenn man mal ein paar aktuelle Meldungen aus Südafrika liest, dann kann einem schon ganz anders werden. Die dortigen Sicherheitsbehörden achten nicht immer die Menschenrechte, auch wenn die Rahmenbedingungen für die Polizei denkbar schlecht sind. Da erscheint die Cholera als ein eher geringes Problem.

Entweder hält Südafrika die Rahmenbedingung ein oder es wird die WM verlieren. Jetzt werden wieder viele der modernen Gutmenschen aus ihrer bunten Peter-Pan-Welt fallen und laut aufschreien.

Wie kann man nur den armen Afrikanern die WM wegnehmen! Wir haben sie doch so lange unterdrückt!

Politische Erwägungen dürfen keine Rolle spielen bei der Vergabe der WM. Es steht eigentlich außer Zweifel das Südafrika die Auflagen der FIFA nicht erfüllen wird. Es liegt jetzt an den vernünftigen Verantwortlichen in der FIFA absolut sicherzustellen, daß Südafrika entweder alle Auflagen einhält oder das die WM an ein anderes Land vergeben wird, daß fähig ist die Auflagen einzuhalten.

Und es gibt einen Präzedenzfall: 1986 sollte die WM in Kolumbien stattfinden. Doch das Land konnte die FIFA-Auflagen nicht erfüllen und so wurde Kolumbien 1983 die Gastgeberrolle entzogen und Mexiko wurde Gastgeber. Kolumbien hatte damals ähnliche Probleme wie Südafrika heute. Damals zögerte die FIFA nicht und unternahm alles um die WM 1986 zu retten. Obwohl Südafrika 800 Millionen € von der FIFA als Unterstützung bekommt, fehlen immer noch Milliarden um die nötigen Investitionen zu tätigen. Der deutsche Steuerzahler hat die WM 2006 mit mehr als 4 Milliarden € subventioniert. Dazu kam noch die Steuerfreiheit für die FIFA.

Südafrika sollte nicht Unsummen für eine WM ausgeben, wenn mit dem Geld statt Stadien und Luxushotels Wohnungen und Schulen für die Bevölkerung gebaut werden könnten.

Es werden vier mögliche Ersatzausrichter genannt.

USA:

Die USA würden den Vorteil bieten, daß dort 1994 schon einmal eine WM stattfand und deshalb noch genug Sachverstand und Erfahrung vorhanden sein sollte. Leider entwickelt sich der Männerfußball nicht so positiv wie der Damenfußball. Aber in den USA haben alle wichtigen Sponsoren ihren Sitz. Ein Hindernis könnten die verschärften Einreisebedingungen seien.

Chancen 60 %

Australien:

Wer erinnert sich nicht an die phantastische Olympiade im Jahr 2000 in Sydney? Während der WM konnte Australien sich auch im Fußball einen guten Namen erspielen und die Fans machten einen fabelhaften Eindruck. Sie schieden erst im Achtelfinale unglücklich gegen den Weltmeister aus Italien aus. Australien ist aber kein klassisches Fußballland und es ist fraglich ob die Bevölkerung sich mehrheitlich mit einer WM identifizieren kann. Dazu käme noch ein Stadionproblem ähnlich wie in Südafrika.

Chancen 40 %

Deutschland:

Es mag größenwahnsinnig erscheinen. Es ist eine vollkommen verrückte Idee. Es scheint nahezu unmöglich, daß Deutschland die WM zweimal hintereinander ausrichtet. Halt! Man muss ehrlich sein: die Organisation und Durchführung der WM hat Maßstäbe gesetzt, die eigentlich nicht zu überbieten sind. Wie wird diese WM in aller Welt gelobt? Nicht wegen der Spiele auf dem Platz. Diese waren meist grausam. Aber die Welt ist voll des Lobes, nicht nur die Freundlichkeit der Gastgeber wird gelobt, sondern ganz besonders das Public Viewing wird als einmalige Beteiligung von Fans aus aller Welt ohne Karten gelobt. Die Lobhudelei ließe sich noch endlos fortführen. Die Kosten wären minimal, weil z.b. die Infrastruktur und die Stadien neu sind. Doch vergessen wir diese Idee gleich wieder. Das wird niemals passieren. Jedenfalls, so lange Blatter das Sagen in der FIFA hat.

Chancen 10 %

China:

Asien wird ja immer wieder als der Markt der Zukunft beschworen und China ist im Mittelpunkt dieser Hoffnungen. Die Chinesen sind sehr fußballverrückt und würden die WM mit Kusshand nehmen und die FIFA interessiert sich nicht für sonderlich für die Menschenrechte. Peking wird Olympia 2008 ausrichten. Sollte Südafrika die WM erst nach der Olympiade 2008 verlieren und die Spiele positiv verlaufen, dann stehen die Chancen von China nicht schlecht. Ansonsten eher ein Außenseiter.

Chancen 55%


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Head Kick a la Zinedine Zidane

Jetzt kann jeder Marco Materazzi einen Head Kick verpassen. Und das nicht nur einmal. Ich habe im Internet zwei Möglichkeiten gefunden es so wie Zinedine Zidane zu machen.

Viel Spaß!

http://www.hostmaster.org/~thomasz/zidane/zidane.html

http://www.zidane-wm.de.vu/

Danke an Paul für den Hinweis auf das zweite Spiel.


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Materazzi: Ich habe Zidane beleidigt

Marco Materazzi hat ein Teilgeständnis abgelegt. Gegenüber der “Gazzetta dello Sport” gab der 32 Jährige zu:

Ich habe ihn beleidigt. Aber sicher nicht als Terrorist bezeichnet.

Laut Materazzi war der Auslöser für den Kopfstoß von Zidane eine alltägliche Szene:

Ich hatte ihn am Trikot festgehalten, dann schaute er mich in einer super-arroganten Art von oben bis unten an und meinte:´Wenn du mein Trikot wirklich haben willst, dann kannst du es nach dem Spiel haben.´ Danach habe ich mit einer Beleidigung reagiert.”

Sicherlich kommt es im Fussball in fast jedem Spiel zu solchen Szenen. Spieler beleidigen sich gegenseitig. Ob WM-Finale oder Kreisklasse, stets soll der Gegenspieler so provoziert werden, daß er sich zu einer Tätlichkeit hinreissen lässt.

Hier noch einmal die Szene im WM-Finale als Zinedine Zidane Marco Materazzi niederstreckte. Auch der Vorlauf ist sehr interessant. Man sieht deutlich wie Materazzi Zidane am Trikot hält:

Viele weiter Videos über Materazzi findet man in einem französischen Blog, der sich mit Materazzi beschäftigt. Der Blog wurde offenbar gleich nach dem Finale eingerichtet.

Derweil hat Frankreich Zinedine Zidane vergeben. Zwei Drittel der Franzosen haben Zizou den Kopfstoß gegen Materazzi verziehen.

Das ist ein gute Gelegenheit das neue Telegehirn Forum seiner Bestimmung zu übergeben. Es besteht einiges an Diskussionbedarf und nach und nach kommen die schmutzigen Details der Auseinandersetzung vom Sonntag ans Licht. Dafür bietet der Kommentarbereich nicht genug Raum und vor allem Übersicht. Im Thread Zidane vs. Materazzi können die Umstände und Folgen der Tätlichkeit im WM-Finale diskutiert werden. Wie üblich muss man sich registrieren, um im Telegehirn Forum schreiben zu können. Die Registrierung ist einfach und geht schnell.


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Italien ist Weltmeister 2006 – Zidane rastet aus

Die Italiener haben sich in einem spannenden, aber nicht hochklassigen Finale im Elfmeterschiessen durchgesetzt. Man kann jetzt darüber streiten, ob Italien es verdient hat oder ob sie überhaupt würdig genug sind Fussballweltmeister zu sein. Aber wenn man in 50 Jahren auf dieses Finale zurückschaut, dann wird man nur an den Kopfstoß von Zinedine Zidane denken. An seine Unehre. Seinen Kontrollverlust.

Es stand 1:1 in der Verlängerung und die Italiener waren seit der 70. Minute stehend K.O., was jedoch von den Franzosen genutzt wurde. In der 109. Minute kam zu dem verhängnisvollen Kopfstoss gegen Materazzi. Dabei hatten weder der Schiedsrichter, noch der Linienrichter etwas gesehen. Auch das Live-Bild hatte nicht gezeigt was wirklich passierte. Das Spiel ging zunächst weiter, als wäre nichts geschehen. Der italienische Torhüter Buffon rannte zum Schiedsrichterassistenten und protestierte. Doch das Spiel ging weiter. Da begannen immer mehr italienische Spieler zu protestieren. Der argentinische Schiedsrichter Elizondo unterbrach daraufhin das Spiel. Er hatte jetzt auch den am Boden liegenden Materazzi bemerkt. Es begannen einige turbulente Minuten, die in die Fussballgeschichte eingehen werden.
Was dann geschah, ist bisher noch nie im Fussball geschehen. Der Schiedsrichter zog erstmals den Videobeweis für eine Entscheidung heran. Wenn auch nicht direkt und für alle sichtbar. Die strittige Szene wurde nicht auf der Videoleinwand im Stadion wiederholt. Was man daran erkennen konnte, daß während die strittige Situation im Fernsehen wiederholt wurde, es keine Reaktion des Publikums gab.

Im Fernsehen konnte man deutlich sehen, wie Materazzi und Zidane eine verbale Konversation führten. Zidane drehte dann Materazzi den Rücken zu und entfernte sich vom Italiener. Anscheinend hat Materazzi Zidane ein paar unschöne Worte mit auf den Weg gegeben. Zidane drehte sich daraufhin um und marschierte entschlossen auf Materazzi zu. Er senkte den Kopf und rammte Materazzi den Kopf in die Brust und der 1,94 grosse Stürmer fiel zu Boden. Zidane hatte wie ein wütender Stier Materazzi niedergestreckt. Wie gesagt: die Schiedsrichter haben davon nichts mitbekommen.

Elizondo beriet sich mit seinem Assistenten. Es war erkennbar, daß die Schiedsrichter ihre Head-Sets benutzten. Auch der vierte und der fünfte Offizielle am Spielfeldrand besitzen beide ein Head-Set mit denen man eine Sprechverbindung zwischen den Offiziellen herstellen kann. Wer da noch alles zugeschaltet werden kann, ist nicht bekannt. Zwischen den Auswechselbänken befindet sich ein Bildschirm. Sicherlich hat sich einer der beiden Männer die strittige Szene am Bildschirm angesehen und dann Elizondo mitgeteilt, daß Zidane eine Tätlichkeit begangen hat. Wie die FIFA dazu Stellung nehmen wird, ist noch nicht bekannt, aber damit scheint die offizielle Einführung des Videobeweis kurz bevor zu stehen.
Man kann jetzt viel diskutieren, was Marco Materazzi zu Zinedine Zidane gesagt hat. Noch haben sich beide Spieler nicht geäussert. Der Guardian berichtet, daß Materazzi Zidane provoziert haben soll. Das teilte der Agent von Zinedine Zidane mit und kündigte an, daß sich Zidane bald zu der Situation äussern werde. Nach Gerüchten soll Materazzi entweder die Frau von Zidane beleidigt haben oder Zidane als Terroristen bezeichnet haben.

Doch eigentlich ist es vollkommen egal was Materazzi zu Zidane gesagt hat. Denn Zidane hätte sich niemals zu so einer Tätlichkeit hinreissen sollen. Zidane hat eine lange Geschichte von Tätlichkeiten und Aussetzern. Schon 1998 wurde er während der WM mit Rot vom Platz gestellt. Auch in Liga- oder Europacupspielen konnte Zidane sich nicht immer zusammenreissen. Er hat dem Fussball einen schweren Schlag zugefügt. Er hat sein Image in seinem letzten Spiel zerstört.

Doch andererseits lohnt es sich einen näheren Blick auf den italienischen Fussball zu werfen. Den Bestechungsskandal kann man ausser Acht lassen. Doch eines ist interessant: die Urteile sollen erst am Dienstag oder Mittwoch verkündet werden, obwohl sie eigentlich heute hätten ergehen sollten. Möglicherweise wird mal wieder eine italienische Lösung gefunden und eine Amnestie verkündet.

Besonders Lazio Rom ist für seine große Anzahl faschistischer Fussball-”Fans” bekannt. Sie selber nennen sich Ultras. Anfang 2005 hatte der Laziospieler Paolo di Canio nach einem Tor den Hitlergruß gezeigt. Er redete sich damit heraus, daß er nicht den Hitlergruß gezeigt habe, sondern den antiken römischen Gruß. Er musste nur 10.000 € als Geldstrafe an den Verband bezahlen. Mitte 2005 verunglückte dann der Vorsitzende des grössten Fanclubs von Lazio Rom. Bei der Beerdigung zeigten etwa 1100 Lazio-Fans den Hitlergruß. Anwesend waren auch Francesco Totti und Antonio Cassano. Cassano war nicht nominiert, jedoch war Totti während der WM Mannschaftskapitän.

Zurück zu Zidane: mit seinem Ausraster hat er Frankreich die Weltmeisterschaft gekostet und dem Ansehen des Fussballs geschadet. Auch wenn er von einem Faschisten provoziert worden sein sollte, so darf er sich in einem WM-Endspiel nicht so aufführen. Denn damit hat Materazzi sein Ziel erreicht. Gezielt wurde der Denker und Lenker der Franzosen ausgeschaltet. Das Trezeguet dann einen Elfmeter an die Unterseite der Latte knallte und der Ball unglücklich vor der Linie aufkam, ist eher eine Randnotiz. Nicht Italien hat die WM gewonnen, sondern Frankreich hat sie verloren. Zinedine Zidane hat die Weltmeisterschaft verloren. Es hätte ein ruhmreicher Abgang für Zidane werden können. Selbst wenn die Franzosen mit ihm im Elfmeterschiessen verloren hätten. Aber durch seine Dummheit hat er sich selbst vom Sockel gestossen.

Es ist ein Abgang in Schande. Doch auch auf dem Sieg der Italiener lastet ein Schatten. Der Schatten der Provokation. Die Sperre von Torsten Frings war schon ein Skandal und auch die Italiener auf dem Feld zeichneten sich oft durch Schwalben, Provokationen, Tätlichkeiten und Schauspielerei aus. Was als würdiges Finale einer würdigen WM in die Geschichte eingehen sollte, ist zu einem Spektakel der Schande geworden.

Diese Weltmeisterschaft war wohl die stimmungsvollste WM aller Zeiten, aber sie war von der spielerischen Klasse eines der schlimmsten Turniere aller Zeiten. Vergleichbar mit der WM 1962. Auch das Fair Play erlebte einen Niedergang. Erwähnt seien hier nur die Partien Italien – USA (drei Platzverweise) und Portugal – Niederlande ( 4 Platzverweise)

Man darf darauf gespannt sein, welche Erklärung Zidane abgeben wird, doch eines ist sicher: es gibt für seine Tat keine Entschuldigung.

Kurz nach dem Finale änderten sich massiv die Suchbegriffe mit denen Menschen zu meinem Blog fanden. Anscheinend haben viele InternetnutzerInnen die selbe Ahnung wie ich:

  • materazzi rassist
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    Materazzi Nazi
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  • Buffon Rassist
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Dazu passen auf die Stänkereien der italienischen Zeitung LIBERO:

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Deutschland – Portugal 3:1 – Deutschland zum dritten Mal WM-Dritter

Seien wir ehrlich: das Spiel um Platz 3 ist nicht das was sich die Leute erträumt hatten. Sicherlich waren die Erwartungen vor der WM 2006 nicht besonders hoch. Doch im Verlauf des Turniers wurden mit jedem Erfolg die Hoffnungen größer und es schien, das Deutschland Weltmeister werden könnte. Doch in der 118. Minute zerstörte ein Tor der Italiener alle Träume vom Titelgewinn im eigenen Land. Heute musste Deutschland deshalb zum Duell der Verlierer gegen Portugal antreten. Für die Mannschaften ist das eher eine Frage der Ehre. Eine WM hat einen Gewinner und 31 Verlierer. Ob man nun Erster, Zweiter oder Dritter Verlierer ist spielt keine Rolle. Trotzdem lieferten beide Teams ein ansehliches Match und Deutschland wurde nach 1934 und 1970 zum dritten Mal Dritter bei einer Fussball WM.
Die auf sechs Positionen veränderte deutsche Mannschaft zeigte in der ersten Halbzeit einige Schwächen in der Defensive und im Mittelfeld. Die Portugiesen, bei denen Luis Figo nur auf der Bank saß, spielten munter mit, litten aber weiter an ihrer notorischen Abschlußschwäche. Schon im Viertel- und im Halbfinale konnten die Portugiesen kein Tor erzielen. Doch auch die Deutschen hatten in diesen zwei Spielen nur ein einziges Tor erzielt. Und das in 240 Minuten. So hatten beide Mannschaften ihre Chancen. Wobei die Portugiesen optisch leicht überlegen wirkten, die Deutschen dagegen mehr Torchancen hatten.

So endete die erste Halbzeit ohne Tor. In der 56. Minute war es dann Bastian Schweinsteiger, der sich auf der linken Seite bis auf Strafraumhöhe vorgearbeitet hatte. Er lief auf der Suche nach einer Anspielstation in Richtung Mitte, fand aber niemanden. So machte er das einzig Richtige und schoß aus 20 Metern auf das Tor und traf. Ricardo war schon auf dem Weg in die andere Richtung und konnte nicht mehr rechtzeitig eingreifen. In der 61. Minute war es dann erneut Schweinsteiger der am zweiten Tor der Deutschen beteiligt war. Einen langgetretenden Freistoß von Schweini lenkte Petit ins eigene Tor.

In der 77. Minute wurde dann der angeblich angeschlagene Luis Figo für Pauleta eingewechselt und bestritt heute sein letztes Länderspiel und das sollte ein wenig ruhmreicher Abgang der Leitfigur der sog. goldenen Generation werden, denn Bastian Schweinsteiger erzielte in der 78. Minute, aus derselben Position wie beim 1:0, das 3:0. Sein strammer Schuß schlug im rechten Eck ein und lies Ricardo keine Chance. In der 88. Minute gelang Portugal der Anschlußtreffer durch Nuno Gomez.
Ein ganz besonderes Lob muss man heute Oliver Kahn aussprechen. Er verhinderte durch Klasseparaden (fast) alle Torchancen der Portugiesen und war heute, neben Schweinsteiger, der beste deutsche Spieler. Deutschland hat verdient das Spiel um Platz 3 gewonnen und kann durchaus mit dem Verlauf der WM zufrieden sein, auch wenn das Glück nicht gereicht hat, um das große Finale zu erreichen. Dieser jungen deutschen Mannschaft könnte die Zukunft gehören. Aber jetzt kommen wieder die Mühen des Alltags. In wenigen Wochen beginnt die Qualifikation zur EURO 2008 und die Truppe von SPD-Klinsi, falls er Trainer bleibt, wird beweisen müssen, daß sie das Leistungsniveau, das sie während der WM zeigten, halten können.

Deutschland-Portugal … 3:1 (0:0)

Tore: 1:0, 3:0 Schweinsteiger (56./78.) 2:0 Petit ET. (61.), 3:1 Nuno Gomes (88.)

Portugal: Ricardo – P.Ferreira, Costa, Meira, Nuno Valente (69.Nuno Gomes) -
Costinha (46.Petit), Maniche – Deco, Simao, Cristiano Ronaldo – Pauleta (77.Figo)

Deutschland: Kahn – Lahm, Nowotny, Metzelder, Jansen – Schneider, Frings, Kehl, Schweinsteiger (79.Hitzlsperger) – Klose (65.Neuville), Podolski (71.Hanke)

Schiedsrichter: Kamikawa (JP)
Zuschauer: 52.000


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Deutschland – Italien 0:2 n.V. – Der Traum ist aus

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Leider muss man sagen, daß die Italiener besser waren. In allen Belangen war das italienische Team der deutschen Mannschaft überlegen. Besonders im fallen lassen, bei Schwalben, versteckten Fouls und gestikreichem Reklamieren. Sie waren aber auch beweglicher, abgeklärter, schneller, sicherer und vor allem sie waren geistig voll da. Die deutsche Mannschaft ist zu Recht ausgeschieden. Es war vollkommen falsch sich auf das Elfmeterschiessen zu verlassen. Schweinsteiger dachte kurz vor Schluß wahrscheinlich schon an das Finale und nun muss er sich und ganz Deutschland mit dem schaulaufähnlichen Spiel um Platz 3 am Samstag beschäftigen. Jetzt können die Fahnen eingeholt werden und es darf sich mit der Gesundheitsreform beschäftigt werden. Diese ist auch im Halbfinale ausgeschieden und nun geht es nur noch um die dritt- oder vierbeste Lösung/Platzierung geht. Das Spiel muss, wie die Gesundheitsreform, durchgezogen werden, obwohl alle wissen: wir sind gescheitert. Wirkliche Veränderungen werden auf die Zeit jenseits der Bundestagswahl 2009 verschoben. Im Fussball müssen wir bis 2010 warten, um Weltmeister zu werden. Deutschland stehen einige bittere Jahre bevor. Im Fussball, wie in der Politik. Verbitterung, Enttäuschung und Resignation wird Einzug halten. Aller Elan, alle Versprechungen und Hoffnungen haben sich in Luft aufgelöst. Die Realität schlägt mit größerer Wirkung ein, als das erste Tor der Italiener. Jetzt brechen wieder die komaähnlichen Zeiten an. Deutschland zweifelt wieder. Der Schwung ist spätestens heute gestorben. Ob auf Grund der Niederlage von Dortmund oder der Annahme der Gesundheitsreform durch die Fraktionen, ist nicht ganz klar, aber der Verlierer steht fest: Deutschland.

Gute Nacht Deutschland. Schlaf schön.


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Deutschland – Italien – Ein Ausblick

Jetzt ist Torsten Frings also doch gesperrt worden. Ein Spiel Sperre plus ein Spiel Sperre auf Bewährung. Wegen einer angeblichen Tätlichkeit von Frings. Doch sowohl das angebliche Opfer, als auch Torsten Frings beteuern das nichts vorgefallen sei. Aber die FIFA kam zu einem anderen Ergebnis. Auf den Fernsehaufnahmen des italienischen Senders Sky ist jedoch nicht wirklich etwas zu erkennen. Der Sperre ging eine Kampagne der italienischen Medien und des bestechlichen Fussballverbandes voraus. Die FIFA, bzw. deren Pate Chef Blatter haben damit eine Gelegenheit gefunden es dem deutschen Fussball heimzuzahlen. Blatter gehörte zu den Gegnern einer WM in Deutschland. So oder so ähnlich werden die Verschwörungstheorien lauten. BILD wird die Stimmung schon anheizen.

Kommen wir zum Spiel. In Dortmund hat die deutsche Mannschaft noch nie ein Länderspiel verloren. Das WM-Halbfinale am Dienstag gegen Italien ist für die deutsche Nationalmannschaft das 15. Länderspiel in Dortmund. Von den bisherigen 14 Spielen wurden 13 gewonnen, ein Spiel endete remis. Das bislang letzte Länderspiel in diesem Stadion war das zweite WM-Gruppenspiel gegen Polen, das die DFB-Auswahl durch ein Tor von Oliver Neuville Sekunden vor dem Schlusspfiff 1:0 gewann.

In Dortmund wird die Stimmung so kochen wie das Nudelwasser auf dem Gasherd und es wird ein hartes Spiel werden. Die Italiener werden alle Register ziehen. Der Ausfall von Frings ist ein schwerer Schlag für die Nationalmannschaft, der aber eine Trotzreaktion erwarten lässt.

Gegen Italien konnte die deutsche Mannschaft bei einer WM bisher nicht gewinnen. Zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Wobei die Niederlagen besonders schwer wiegen. 1982 ging das Finale mit 1:3 verloren und im Halbfinale 1970 in Mexiko, daß als das Jahrhundertspiel (3:4 n.V.) in die Fussballgeschichte einging, erlebte die Welt die Mutter aller Halbfinals. Doch Deutschland verlor stets. Diesmal soll alles anders werden. Was hilft gegen eine solch negative Serie? Richtig: eine positive Serie. Wie jene im Westfalenstadion in dem noch kein Länderspiel verloren ging und schon so wichtige Siege errungen wurden. Wie 2001 als die Ukraine im Play-Off-Spiel zur WM-Quali 5:1 geschlagen wurde. Auch diesmal muss, wie gegen Argentinien, die mannschaftliche Geschlossenheit auf dem Platz demonstriert und mit Leben gefüllt werden.

Das Publikum wird auf jeden Fall alles geben. Hoffentlich die Mannschaft auch. Doch werden die Italiener ein schwerer Brocken sein an dem man sich leicht verschlucken kann. Die Azzurri sind bisher nicht wirklich gefordert worden und müssen morgen beweisen, das sie zu Recht im Halbfinale sind. Die Chancen stehen auf jeden Fall wieder 50:50. Für wen wage ich auch diesmal nicht zu sagen. Entscheidener, als gegen Argentinien, wird es sein, wer das erste Tor erzielt. Beide Mannschaften verfügen über eine ausgezeichnete Defensive. Ähnlich wie gegen Argentinien wird es in der ersten Halbzeit zwar hektisch und hart zur Sache gehen, jedoch werden sich beide auf das Abtasten beschränken. Standardsituationen könnten die Entscheidung bringen. Deshalb wird es enorm wichtig sein, in der Nähe des Strafraums Freistösse zu erringen. Ebenso muss mächtig Druck über die Flügel ausgeübt werden, um zu Eckbällen zu gelangen. Auf das Elfmeterschiessen sollte es die DFB-Auswahl diesmal lieber nicht ankommen lassen. Die Italiener haben mit Buffon einen sehr starken Torwart und verfügen über genug sichere Schützen.

Entscheidend wird wieder einmal der Wille zum Sieg und die Einsatzbereitschaft sein. Auch wenn Deutschland in Rückstand geraten sollte, muss die Ruhe bewahrt werden, aber der Druck muss trotzdem erhöht werden. Viel wird morgen von Michael Ballack abhängen. Kann er genug Akzente in der Offensive setzen ohne dabei die Defensive zu vergessen? Wird der Sturm zu neuen Höchstleistungen ansetzen können? Die Abwehr wieder halten? Wird Lehmann wieder Nervenstärke beweisen und Klinsmann die richtigen Einwechselungen tätigen? Die Erwartungshaltung im Land ist nicht mehr messbar.

Ich kann mich noch sehr genau an das Finale 1982 erinnern. Es war das erste WM-Finale das ich bewusst miterlebte. Es ging verloren und ich war tief enttäuscht. In unserer Nähe gab es eine Pizzeria die von echten Italienern betrieben wurde. In der Nacht des Finales ging der Laden in Flammen auf. Es hatte einigen nicht gefallen wie das Finale ausging. Es ist wohl mit ähnlichen Reaktionen nach einer deutschen Niederlage zu rechnen. Es rufen ja schon rechte Blogger zu einem Boykott italienischer Produkte auf. Das sind die geistigen Brandstifter.

Ich persönlich hatte gehofft, daß es nicht zu der Partie Deutschland – Italien kommen würde. Jetzt habe ich das Dilemma. Meine Freundin hat italienische Wurzeln und hält morgen bedingungslos zu den öligen Ragazzos. Sie hat heute, ganz stilecht eine italienische Fahne gekauft. Ich war sprachlos. Sie hatte ihre Ankündigung wahr gemacht. Meine Reaktion war:

Die Zeit mit Dir war schön!

Als ob das nicht reichen würde, wollte sie die Fahne aus einem Fenster hängen. Ich war und bin schwer empört! Ich wollte die Fahne aus dem Toilettenfenster hängen. Da wo sie hingehört. Aber nichts da. Jetzt hängt die Fahne bei uns aus dem Fenster. Ich bin erschüttert. Ich sage seit einigen Stunden nur noch einen Satz zu ihr:

Gnade Dir das Olivenöl, wenn Italien morgen gewinnt. Ich koche nie wieder Pasta für Dich!

Sie darauf:

Sei doch froh, wenn Italien morgen gewinnt, dann hast Du schon die richtige Fahne für das Finale hängen!

und

Wehe die Fahne hängt morgen nicht mehr da!

Es wurmt sie wohl auch, daß meine Pasta immer einen Tick besser ist als ihre. Als Vergeltungsmaßnahme werde ich jetzt aber nicht eine deutsche Fahne raushängen. Aber ich überlege mir ernsthaft meine Geheimwaffe zum Einsatz zu bringen. Ich habe noch einen Deutschlandschal den mir meine Freundin vor der WM geschenkt hatte. Besser gesagt er war eine Beilage zu einem anderen Produkt. Erst zum Finale sollte er zum Einsatz kommen. Doch seine Kraft könnte morgen schon gefragt sein. Ich habe wieder ein eher schlechtes Gefühl und sehe Probleme auf die Mannschaft zukommen. Es ist ja eigentlich ein gutes Zeichen, wenn ich ein schlechtes Gefühl habe. Drücken wir also morgen die Daumen bis sie bluten. Forza Germania!

Dortmund: Deutschland – Italien

Voraussichtliche Aufstellungen:

Deutschland: 1 Lehmann – 3 Friedrich, Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm – 19 Schneider,
5 Kehl (Borowski), 13 Ballack, 7 Schweinsteiger – 11 Klose, 20 Podolski

Italien: 1 Buffon – 19 Zambrotta, 23 Materazzi oder 13 Nesta, 5 Cannavaro, 3 Grosso -
20 Perrotta, 21 Pirlo, 8 Gattuso, 16 Camoranesi – 10 Totti – 9 Toni

Schiedsrichter: Archundia (Mexiko)


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Patriotismus und der ganze Kram

Man kann ja in Deutschland keinen Schritt mehr machen ohne überall Schwarz-Rot-Gold zu sehen. Einige Politiker und ein paar Medienvertreter meinen jetzt eine Welle des Patriotismus ausgemacht zu haben. Die Deutschen hätten wieder eine positive Einstellung zur Nation. Zu Deutschland überhaupt. Man würde sich mit diesem Land identifizieren. Man sei wieder stolz und lautstark dabei die Hymne mit dem Brustton der Überzeugung zu singen. Es werden wohl morgen wieder etliche Menschen zu Hause aufstehen und die Hymne mitsingen. Es sei ihnen gegönnt, auch wenn es lächerlich aussieht. Wo es doch sonst so wenige positive Nachrichten gibt. Bei allen deutschen Spielen war ich während der Hymne auf der Toilette und machte mir so meine Gedanken zu dem bevorstehenden Spiel. Bisher hat das immer zum Sieg gereicht. Aberglauben ist weit verbreitet im Fussball. Bei Fans und Spielern. Auch zu Deutschland machte ich mir auf dem Abort meine Gedanken. Zu den Fahnen. Zu den Hymnen. Zu den Reformen.
Ist es wirklich so, daß sich jetzt die Menschen wieder (sic!) zur Nation bekennen. Stolz sind? Ist es nicht eher so, daß die Menschen ihre Liebe zum (deutschen) Fussball wiederentdeckt haben? Zur Nationalmannschaft? Sie spielt nach einer langen Rumpelperiode wieder erfolgreichen Fusssball, dazu noch mehr als ansehnlich. Deshalb die Fahnen an den Autos und Balkonen. Die Menschen feiern nicht die Gesundheitsreform. Sie feiern den Fussball. Die Weltmeisterschaft und den Erfolg der Mannschaft von SPD-Klinsi. Wenn die Massen “Deutschland, Deutschland” rufen, dann meinen sie keinesfalls das Deutschland, dessen Regierung die Steuern in ungeahnte Höhen treibt.

Die WM 2006 und die Gesundheitsreform sollten beide der grosse Wurf werden. Der Befreiungsschlag aus der nationalen Depression. Die Fussballer waren bisher erfolgreich. Die Politiker haben versagt. Die Zeiten des Rumpelfussballs sind vorbei. Die Zeiten der Rumpelpolitik gehen jetzt erst richtig los. Wie genial hatte Schröder gerumpelt. Sieben lange Jahre rumpelte es gewaltig in Deutschland. In der Politk wie im Fussball. Die 16 Jahre unter Chefrumpler Kohl hatten die Meßlatte sehr hochgehangen. Doch Rot-Grün gab sich grösste Mühe und setze neue Maßstäbe in der Rumpelpolitik. Jetzt sollte alles anders werden. Im Fussball wie in der Politik.

Die Menschen tanzen aber nicht auf den Strassen wegen der Gesundheitsreform oder der neuen Arbeitslosenzahlen. Sie feiern keine Steuerhöhungen. Sie feiern Tore! Sie feiern die deutsche Nationalmannschaft. Aber sie wollen Siege sehen. Im Fussball wie in der Politik.

Nach dem Ende der Weltmeisterschaft am 9.Juli wird es ein böses Erwachen geben. Mehrwertsteuererhöhung und im Gesundheitswesen wuchert das Krebsgeschwür der Bürokratie. Die Fahnen werden bald verschwinden und das Jammern und Zähneklappern wird wieder das Leben bestimmen. Die deutsche Depression wird mit größter Wucht zurückkommen. So oft kann es keine WM geben, um die Menschen von den Mühen der Ebene abzulenken. Das System von Brot und Spiele funktioniert nicht mehr durchgehend und der Rausch wird der Ernüchterung weichen. Dann ist auch die Scheinblüte des Patriotismus in Deutschland beendet. Selbst ein Gewinn der Weltmeisterschaft hat nicht eine solche Strahlkraft, um zu verhindern, daß die alltäglichen Probleme wieder Oberhand gewinnen. Die Menschen werden sich nicht vor Großleinwänden versammeln und “Merkel, Merkel” skandieren, wenn im Bundestag immer nur Murksreformen verabschiedet werden. Das mag auch daran liegen, daß die Politik vorhersehbar ist, im Gegensatz zum Fussball.

Geniessen wir noch etwas die gute Stimmung. Zumindest bis morgen Abend. Im besten Fall bis Sonntagabend. Ob mit oder ohne Fahne. Denn es kommen harten Zeiten.


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Brasilien und England rumpeln nach Hause

Es gibt zahlreiche Parallelen zwischen den Partien Deutschland – Argentinien und Frankreich – Brasilien. In der ersten Halbzeit tasteten sich beide Mannschaften ab. Nur nicht zuviel riskieren, war das Motto. Es gab auf beiden Seiten wenig Torchancen. Anfang der zweiten Halbzeit fiel der Führungstreffer aus einer Standardsituation heraus. Das ist aber auch schon das Ende der Gemeinsamkeiten. Während Deutschland es gelang zurückzukommen und den Rückstand als Signal zum Angriff und zur Offensive verstand, konnte Brasilien nichts mehr zusetzen. Sie schliefen weiter. Die Taktik, falls so etwas überhaupt vorhanden war, der Brasilianer bei dieser WM war ganz einfach: “irgendwann werden wir schon ein Tor schiessen. Weil wir so gut sind. Weil wir die besten Spieler haben. Weil wir der Weltmeister sind.” Das klappte in vier Spielen auch mehr oder weniger. Schön anzusehen war es nicht. Sie spielten mit Arroganz und Überheblichkeit und wir sahen die Geburt des Bürokratenfussballs. Nicht attraktiv, aber er brachte die Gegner zur Verzweiflung. Auch wenn Kroatien, Australien, Japan und Ghana keine wirklichen Prüfsteine waren. Schon gegen Japan hätte es übel ausgehen können. Aber die Abwehrreihen der vier Gegner Brasiliens waren nicht fähig ein kurzes Anziehen des Tempos durch die Bürokratenfussballer zu überleben.

Anders war es gestern Abend: Die Franzosen waren im Mittelfeld über die ganzen 90 Minuten überlegen. Zidane spielte wie ein Teenager. Wie in seinen besten Zeiten. Er tanzte die Brasilianer aus, spielte auf engstem Raum erfolgreiches Kurzpassspiel und behielt die Übersicht und sah stets den freien Mann. Es war die Wiedergeburt jenes französischen Fussballs, der sie 1998 zum Weltmeister machte. Zwar nicht ganz so drückend und nicht ganz so überlegen wie 1998 und 2000, aber es reichte um die Bürokratenfussballer vom Zuckerhut nach Hause zu schicken.

Als Thierry Henry in der 57. Minute ganz alleine vor dem Tor von Dida auftauchte, schlief die halbe brasilianische Abwehr. Während eine Invasion der Weissen den Strafraum füllte, standen fünf Brasilianer am Rand des 16-Meter-Raums und beteten Zidane an und Roberto Carlos band sich die Schuhe. Ein weitgetretender Freistoß von links auf den langen Pfosten und da war Thierry Henry und die Franzosen erzielten die Führung. Die Brasilianer waren erstaunt: es war wie eine Majestätsbeleidigung. Wie konnte eine Mannschaft es wagen gegen den Weltmeister in Führung zu gehen. “Wissen die denn nicht, daß wir die besten Fussballer sind?”

Wo wir wieder beim Viertelfinale vom Freitag wären. Auch Deutschland geriet in Rückstand. Doch es ging ein Ruck durch die Mannschaft. Man merkte der Mannschaft den Willen und den Glauben zum Sieg an und sie brachten den Einsatz der nötig war das Spiel zu drehen.
Wie hat Blumentopf nach dem Spiel gesungen:

Sie haben gebissen, haben gedrückt, sind gerannt, haben gefightet, sind gesprungen, haben gegrätscht bis zum Krampf in den Beinen…

Bei Brasilien spürte und sah man nichts davon. Sie spielten weiter wie zuvor: “Irgendwie fällt schon ein Tor! Wir sind doch Brasilien!” Aber sie taten nichts für den Sieg. Die Selecao konnte nicht den Hebel umlegen. Nur in wenigen Momenten sah blitzte das Potenzial dieses Team auf. Diese gelbe Wucht, die entsteht, wenn Ronaldinho der Ball scheinbar am Fuss klebt und er sich Richtung Tor in Bewegung setzt. Doch es waren alles Einzelleistungen. Fussball ist ein Mannschaftssport. Brasilien hatte keine Mannschaft. Deutschland dagegen hatte eine Mannschaft. Brasilien hat viele sehr gute Einzelspieler, aber es fehlte die Geschlossenheit. Der Teamgeist. Der Ball der WM heisst: Teamgeist. Was für eine Symbolik!

Domenech machte nicht den selben Fehler wie Pekerman, der nach dem 1:0 das Spiel nach Hause schaukeln wollte. Pekerman liess Messi auf der Bank und wechselte stattdessen den Sieg aus und die Niederlage ein. Er brachte defensive Spieler und opferte die Offensive, in dem Glauben, daß das Spiel schon gewonnen sei und man nur noch die Uhr runterzuspielen braucht. Domenech, der sowohl beim Team, als auch bei den Fans eher unbeliebt ist, behielt jedoch die Nerven und wechselte so, daß die Offensive weiter am Leben blieb. Jetzt hatten die Franzosen ihr Spiel: aus einer kompakten sicheren Defensive heraus schnelle und direkte Konter zu fahren. Man hatte nicht das Gefühl, daß die Brasilianer das Spiel noch drehen könnten. Bei Deutschland konnten die eingewechselten Spieler die entscheidenen Akzente setzen. Borowski leitete die entscheidene Flanke von Ballack an Klose weiter. Odonkor wirbelte auf der rechten die Gauchos schwindelig. Neuville versenkte einen Elfmeter. Aber weder Adriano, der in der in der 63. Minute für Juninho kam, noch Cicinho (76. für Cafu) oder Robinho (79. für Kaka) konnten dem Spiel entscheidene Impulse geben. Das war ein weiterer Unterschied zum Freitag in Berlin. Während das deutsche Team von Jürgen Klinsmann taktisch perfekt eingestellt wurde und die richtigen Spieler ein- und auswechselt wurden und obendrauf das Elfmeterschiessen perfekt beherrscht wurde, konnten die Brasilianer keine taktische Ausrichtung erkennen lassen und waren nach dem Tor von Henry zum Ausscheiden verdammt. Gefangen im Bürokratenfussball. In der eigenen Arroganz und Hochnäsigkeit. Ohne die Fähigkeit eine Antwort zu geben.

Ebenso England, daß sich vor der WM selbst zum Favoriten erklärte und verdient im Viertelfinale ausgeschieden ist. Den Engländern fehlen die Führungsspieler. Beckham, gegen Portugal, angeblich verletzt, ausgewechselt, fehlte vor allem eines: Eier. Wayne Rooney bekam auch ein Problem mit den Eiern. Michael Owen verdrehte sich gegen Schweden das Knie und musste nach Hause. Lampard und Gerrard konnten oder wollten auch keine Verantwortung übernehmen. England zeigte fünf mäßige Spiele und schied zu Recht aus. Das sie wieder im Elfmeterschiessen versagten ist eigentlich schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Portugal musste nicht einmal eine besondere Leistung zeigen. Es reichte ein Elfmeter-Killer im Tor und die nötige Coolness und mannschaftliche Geschlossenheit, um schwache Engländer aus dem Turnier zu kicken.

Italien musste gegen die Ukraine, u.a. dank der Gnade des frühen Tores, nicht allzu viel leisten, um ins Halbfinale einzuziehen. Bisher wurde Italien noch nicht wirklich gefordert. Zwar haben sie bisher erst ein Tor kassiert und das war auch noch ein Eigentor im Vorrundespiel gegen die USA, aber ihre Abwehr erwies sich nicht immer als sicher und zeigt einige Schwachstellen. Mit der Disziplin haben sie auch so ihre Probleme und mussten schon zwei rote Karten hinnehmen. Am Dienstag wird Italien dann das erste Mal wirklich gefordert werden und beweisen müssen, ob sie den Rumpel-Fussball ablegen können.


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England – Portugal 1:3 n.E. – Wayne Rooney und die Kronjuwelen von Ricardo Carvalho

Same procedure as every World Cup!

Der Fluch besteht weiter. Zum dritten Mal musste eine englische Fussballnationalmannschaft in das Elfmeterschiessen und zum dritten Mal verloren sie es. Wie schon 1990 gegen Deutschland, 1998 gegen die Argentinier und jetzt 2006 gegen Portugal. Lampard, Gerrard und Carragher scheitern an Ricardo. Nur Owen Hargreaves, der bei Bayern München spielt, konnte seinen Elfmeter verwandeln.
Insgesamt war es eine langweile Partie, die nur von der Aussicht auf die Verlängerung und das Elfmeterschiessen lebte. Beide Seiten brachten nicht viel zu Rande. Die Flanken der Engländer kamen meist nicht an. David Beckham wurde in der 52. Minute ausgewechselt. Für ihn kam das hoffnungsvolle Talent Lennon. Beckham war den Tränen nah, als er auf der Bank saß und verfolgte den weiteren Verlauf der Partie mit einer wütenden und Mimik.

In der 62. Minute trat dann Wayne in das Rampenlicht. Er leistete sich einen Fehltritt. Ein Tritt ins Fettnäpfchen, sozusagen. Er trat Ricardo Carvalho, der am Boden lag, absichtlich zwischen die Beine und kassierte zu Recht die rote Karte. Aber Portugal konnte die numerische Überlegenheit nicht nutzen und lief einige Male in Gefahr ausgekontert zu werden. Zu selten gelang es den Portugiesen die Engländer am eigenen Strafraum festzunageln. Doch dann war es wie beim Eishockey-Powerplay. Der Ball rotierte in den Reihen der Portugiesen und die Engländer standen alle im eigenen Strafraum und versuchten den Raum eng zu machen. Doch es fand sich keine Lücke. So ging es in das Elfmeterschiessen. Sven-Göran Eriksson hatte in der 119. Minute Lennon wieder ausgewechselt und brachte dafür Carragher und dieser verschoß kläglich. Cristiano Ronaldo versenkte dann den entscheidenen Elfmeter und schickte England zurück nach Hause und das verdient. Die Engländer konnten in keinem ihrer fünf Spiele auch nur annähernd zu überzeugen. Zwar fielen die Portugiesen bisher nicht gerade durch spielerische Größe auf, aber warem in Elfmeterschiessen im Vorteil. Dank des besseren Torwarts.

Englische Pressestimmen:

Vor dem Spiel sagte Eriksson, laut der “sun”:

“We’re not going home.”

Für Eriksson war es das letzte Spiel als Teammanager der Engländer.

The Sun:

Sven Goran Eriksson’s side put up a heroic rearguard action after Wayne Rooney was sent off on 62 minutes for another moment of madness.

Every England player gave his all but once again they pulled a losing ticket when the lottery of penalties came round.

TimesOnline:

The tannoy plays a stupid pop song, Stand Up for the Champions. Many of the England squad sit in the centre circle. History repeating. Again, and again. Ad infinitum? The England fans file out quietly or just stand, shocked. It was looking so good when Steven Gerrard stepped up… but… but…

The Mirror:

Sadly, without obvious penalty takers Beckham, Rooney and Owen, it was to end in tears.

Daily Mail:

The World Cup dream of millions of fans was cruelly extinguished tonight after England crashed out of the competition.

IC Birmingham

But England’s best chance of winning the World Cup in 40 years disappeared, somewhat predictably, as Lampard, Gerrard and Carragher missed penalties.


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Der Tag der Wahrheit: Deutschland – Argentinien

Haben Sie die letzten zwei Tage auch in Agonie verbracht? Starrten Sie verwundert in den eckigen Kasten und suchten verzweifelt das Runde? Machten sich zwischen 17 und 23 Uhr Entzugserscheinungen breit? Fragten Sie sich was erst passiert, wenn die WM 2006 am 9.Juli vorbei ist? Heute und am morgigen Samstag gibt es nochmal vier Schüsse Fussball. Die geballte Ladung. Besonders heute ab 17 Uhr dürfte der Rauschzustand ungeahnte Höhen erreichen, wenn Ballack, Lahm, Klose, Podolski und die anderen modernen Gladiatoren zum Spiel gegen die argentinische Über-Mannschaft im Berliner Kolosseum Olympiastadion antritt.

Was wurden nicht alles für Vegleiche bemüht. Ob Zahlenspiele oder die Symbolik des Bären Bruno: nichts war und ist zu banal, um nicht als Beweis herangezogen zu werden, daß die deutsche Mannschaft den World Cup 2006 erringen wird und muss. Als wäre das ein unumstössliches Naturgesetz! Doch warten wir ab. Natürlich möchte auch ich einen Vergleich bemühen. Die Argentinier spielen heute zwar nicht in ihren gewohnten blau-weißen Trikots, sondern in ihren dunkelblauen Auswärtstrikots (was für sich genommen schon ein gutes Zeichen ist, da im Finale 1990 die Argentinier in eben jenen dunkelblauen Trikots das Spiel 1:0 verloren), aber das Olympiastadion ist die Heimat von Hertha BSC. Dessen Vereinsfarben sind auch blau-weiß. Was jedoch kein Grund zur Sorge ist, denn in den letzen Jahren zeichnete sich die alte Dame Hertha nicht gerade durch Heimstärke aus. Das sollte ein weiteres gutes Vorzeichen sein. Doch bei allem Optimimus: holen Sie sicherheitshalber die deutschen Fahnen ein! Dann können Sie nachher behaupten, daß Sie gar nicht dabei waren und eigentlich schon immer davon überzeugt waren, daß dieser Klinsmann vollkommen falsch liegt und entlassen gehört. Sie hätten das ja schon immer gesagt und waren ein Widerstandskämpfer der ersten Stunde und haben nur mitgemacht, weil alle anderen auch mitgemacht haben. Schliesslich wollten Sie nicht unangenehm auffallen und keine Schwierigkeiten bekommen. Machen Sie es genau wie die BILD-Zeitung es machen wird, wenn wir heute ausscheiden. Seien Sie auf der sicheren Seite. Das hat Tradition in Deutschland.
Heute ist es nun soweit: Der Tag der Wahrheit ist da. Heute wird sich beweisen müssen, ob die deutsche Mannschaft die Reife, Stärke und Klasse hat, die benötigt wird, um die Weltmeisterschaft zu erringen.

Sicherlich ist es erst das Viertelfinale, aber es ist keine Übertreibung, wenn man dieses Spiel als vorgezogenes Endspiel bezeichnet. Ich bin überzeugt, daß der Gewinner der heutigen Partie auch Weltmeister wird. Alle anderen Mannschaften, die noch im Turnier sind, haben bisher nicht anähernd jene spielerische Klasse bewiesen wie Deutschland und Argentinien. Obwohl Argentinien nur im Spiel gegen Serbien/Montenegro (6:0) wirklich überzeugen konnte. Mit Abstrichen auch im Spiel gegen die Elfenbeinküste (2:1). Gegen die Niederlande (0:0), und noch mehr gegen Mexiko (2:1 n.V.) rumpelten die Gauchos gehörig. Die deutsche Mannschaft hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert und die Abwehrleistung hat sich merklich verbessert, auch wenn Arne Friedrich weiterhin die Schwachstelle der Abwehr bleibt. Drei Spiele ohne Gegentor. Das lässt hoffen. Jedoch sind die Argentinier, wenn man die individuelle Klasse zu Grunde legt, die bessere Mannschaft.

Der Sturm kann sich ohne weiteres mit der deutschen Angriffsreihe messen. Aber wenn man die Gauchos früh und direkt attackiert, dann bricht deren Mannschaft leicht in ihre Einzelteile auseinander und, vorausgesetzt der deutschen Mannschaft gelingt es, die gewohnte mannschaftliche Geschlossenheit und fabelhafte taktische Disziplin zu generieren, die sie in den ersten vier Spielen gezeigt hat, dann wird es relativ leicht sein, die kleinwüchsige Abwehr der Gauchos mit hohen Bällen zu überwinden. Gabriel Heinze ist der grösste Schwachpunkt in der Abwehr der Argentinier und er ist immer gut für einen Platzverweis. Wenn die deutsche Mannschaft von der ersten bis zur letzten Sekunde Druck macht, dann kommt die Albiceleste nicht zur Entfaltung ihres gefürchteten flachen Kurzpassspiels.

Aber vieles hängt auch von der Tagesform, etwas Glück und dem Schiedsrichter ab. Wo wir bei dem Thema der WM 2006 wären: die Schiedsrichter. Leiten wird die Partie der Slowake Michel. Er pfiff u.a. das Achtelfinale Brasilien – Ghana (3:0). Und das war keine überragende Leistung, die er da bot. Vor allem die Linienrichter, neusprech: Schiedsrichterassistenten, waren alles andere als doppelplusgut. Das zweite Tor der Brasilianer wurde aus einer klaren Abseitsposition heraus erzielt.

Insgesamt bin ich etwas skeptisch was das Erreichen des Halbfinals angeht. Ich habe ein etwas mulmiges Gefühl. Aber dieses Gefühl hatte ich vor allen vier Spielen und alle vier Partien wurden gewonnen. Das mag auch ein gutes Zeichen sein. Ich sehe die Chancen bei 50:50. Ob nun für oder gegen Deutschland, daß mögen jene Hinterhof-Philosophen entscheiden, die sich darüber Gedanken machen, ob das Glas halb voll oder halb leer ist.

17.00 h: Deutschland-Argentinien

Voraussichtliche Aufstellungen

Deutschland: Lehmann 1 – Friedrich 3, Mertesacker 17, Metzelder 21, Lahm 16 – Frings 8, Schneider 19, Ballack 13, Schweinsteiger 7- Klose 11, Podolski 20

Argentinien: Abbondanzieri 1 – Burdisso 21, Ayala 2, Heinze 6, Sorin 3 – Mascherano 8, Gonzalez 22 (Cambiasso 5) – Rodriguez 18, Riquelme 10 – Saviola 7 (Tevez 11), Crespo 9

Schiedsrichter: Michel (Slowakei)

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