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Patriotismus und der ganze Kram

7 Kommentare

Man kann ja in Deutschland keinen Schritt mehr machen ohne überall Schwarz-Rot-Gold zu sehen. Einige Politiker und ein paar Medienvertreter meinen jetzt eine Welle des Patriotismus ausgemacht zu haben. Die Deutschen hätten wieder eine positive Einstellung zur Nation. Zu Deutschland überhaupt. Man würde sich mit diesem Land identifizieren. Man sei wieder stolz und lautstark dabei die Hymne mit dem Brustton der Überzeugung zu singen. Es werden wohl morgen wieder etliche Menschen zu Hause aufstehen und die Hymne mitsingen. Es sei ihnen gegönnt, auch wenn es lächerlich aussieht. Wo es doch sonst so wenige positive Nachrichten gibt. Bei allen deutschen Spielen war ich während der Hymne auf der Toilette und machte mir so meine Gedanken zu dem bevorstehenden Spiel. Bisher hat das immer zum Sieg gereicht. Aberglauben ist weit verbreitet im Fussball. Bei Fans und Spielern. Auch zu Deutschland machte ich mir auf dem Abort meine Gedanken. Zu den Fahnen. Zu den Hymnen. Zu den Reformen.
Ist es wirklich so, daß sich jetzt die Menschen wieder (sic!) zur Nation bekennen. Stolz sind? Ist es nicht eher so, daß die Menschen ihre Liebe zum (deutschen) Fussball wiederentdeckt haben? Zur Nationalmannschaft? Sie spielt nach einer langen Rumpelperiode wieder erfolgreichen Fusssball, dazu noch mehr als ansehnlich. Deshalb die Fahnen an den Autos und Balkonen. Die Menschen feiern nicht die Gesundheitsreform. Sie feiern den Fussball. Die Weltmeisterschaft und den Erfolg der Mannschaft von SPD-Klinsi. Wenn die Massen „Deutschland, Deutschland“ rufen, dann meinen sie keinesfalls das Deutschland, dessen Regierung die Steuern in ungeahnte Höhen treibt.

Die WM 2006 und die Gesundheitsreform sollten beide der grosse Wurf werden. Der Befreiungsschlag aus der nationalen Depression. Die Fussballer waren bisher erfolgreich. Die Politiker haben versagt. Die Zeiten des Rumpelfussballs sind vorbei. Die Zeiten der Rumpelpolitik gehen jetzt erst richtig los. Wie genial hatte Schröder gerumpelt. Sieben lange Jahre rumpelte es gewaltig in Deutschland. In der Politk wie im Fussball. Die 16 Jahre unter Chefrumpler Kohl hatten die Meßlatte sehr hochgehangen. Doch Rot-Grün gab sich grösste Mühe und setze neue Maßstäbe in der Rumpelpolitik. Jetzt sollte alles anders werden. Im Fussball wie in der Politik.

Die Menschen tanzen aber nicht auf den Strassen wegen der Gesundheitsreform oder der neuen Arbeitslosenzahlen. Sie feiern keine Steuerhöhungen. Sie feiern Tore! Sie feiern die deutsche Nationalmannschaft. Aber sie wollen Siege sehen. Im Fussball wie in der Politik.

Nach dem Ende der Weltmeisterschaft am 9.Juli wird es ein böses Erwachen geben. Mehrwertsteuererhöhung und im Gesundheitswesen wuchert das Krebsgeschwür der Bürokratie. Die Fahnen werden bald verschwinden und das Jammern und Zähneklappern wird wieder das Leben bestimmen. Die deutsche Depression wird mit größter Wucht zurückkommen. So oft kann es keine WM geben, um die Menschen von den Mühen der Ebene abzulenken. Das System von Brot und Spiele funktioniert nicht mehr durchgehend und der Rausch wird der Ernüchterung weichen. Dann ist auch die Scheinblüte des Patriotismus in Deutschland beendet. Selbst ein Gewinn der Weltmeisterschaft hat nicht eine solche Strahlkraft, um zu verhindern, daß die alltäglichen Probleme wieder Oberhand gewinnen. Die Menschen werden sich nicht vor Großleinwänden versammeln und „Merkel, Merkel“ skandieren, wenn im Bundestag immer nur Murksreformen verabschiedet werden. Das mag auch daran liegen, daß die Politik vorhersehbar ist, im Gegensatz zum Fussball.

Geniessen wir noch etwas die gute Stimmung. Zumindest bis morgen Abend. Im besten Fall bis Sonntagabend. Ob mit oder ohne Fahne. Denn es kommen harten Zeiten.

7 thoughts on “Patriotismus und der ganze Kram

  1. bravo!

  2. Damit ist alles gesagt zum neuen „deutschen Patriotismus“. 1 mit 4 Weltmeistersternchen.

  3. auch wenn er selbst vielleicht diskussionswürdig ist, finde ich gerhard schroeders zitat sehr erfrischend: „patriotismus ist das, was ich jeden tag tue […]“

  4. Ja was macht den die Merkel den ganzen Tag? Hat sie ihre Amtszeit damit verbracht sich den Anweisungen eines Bewegungstrainers zu fügen? Habt ihr sie mal beobachtet? Sie hält immer ihre Hände so komisch vor den Oberkörper. Wie es Mr. Burns bei den „Simpsons“ immer macht. Ok, wenn sie ihre Arme baumeln lässt, dann sieht es erst recht lächerlich aus. Merkel ist auch kaum sichtbar in der täglichen Politik. Sie agiert wie eine Bundespräsidenten. Da hätten wie auch Schröder behalten können. Wie der wohl abgefeiert hätte! Schröder hätte da mit einem Trikot oder zumindest mit einem Schal auf der Tribüne gesessen und wäre vor dem Spiel zu den „Jungs“ gegangen und er hätte sicherlich nicht Beckenbauer so belästigend umarmt wie es die Merkel nach dem Argentinien-Spiel tat.

    Also was tut Merkel denn patriotisches? Die „Reformen“ sind alles andere als das. Reform heisst Verbesserung. Das jetzt Politiker den Fussball und die Begeisterung der Bevölkerung dazu benutzen ihr eigenes Süppchen zu kochen ist zum kotzen. Fussball und Politik sollten nicht vermischt werden. Wenn es mal wieder richtig aufwärts gehen sollte, dann würden die Menschen auch mal die Politik feiern. Aber dazu wird wohl nie kommen.

  5. Was Schwarz-Rot da (v)erbricht, das hat mit Reformen nichts zu tun. Denn das wären Veränderungen der überbordenden (Beamten-) Strukturen, nicht bloß die Erschließung neuer Geldquellen für untauglich gewordene Systeme. Das Motto von Kapitän Merkel auf der „Deutschland“ lautet daher: „Eisberg voraus! Volle Kraft voraus!“

    MfG

    Daniel

  6. Eine Lektion Patriotismus = Verteidigung des Vaterlands gegen die Invasoren geben zur Zeit die Libanese gegen den Israelische Agressor.

  7. Pingback: WM und die Sache mit der Hymne « Buchstaeblich seltsam!

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