Telegehirn

Was ist das für 1 Blog?

Frank Nordhausen und die Antideutschen

3 Kommentare

Frank Nordhausen arbeitet bei der Berliner Zeitung und ist ohne weiteres auch zu den Israelkritikern in Deutschland zu zählen. Vorsichtig ausgedrückt. Am Dienstag (22.8.2006) erschien auf der Seite 3 der Berliner Zeitung ein Artikel von Frank Nordhausen mit den Titel „Die Antideutschen.“

Frank Nordhausen geriet Anfang August mit der Zeitschrift Bahamas aneinander und hat jetzt anscheinend die Antideutschen als neues Transportmittel für seine „Israelkritik“ entdeckt. Der aktuelle Artikel erinnert mich irgendwie an Jürgen Elsässer und seinen Artikel „Alte Idioten, neue Idioten“ vom 2.8.2006. Wobei Nordhausen hier aber eher einen auf Elsässer light macht.
Nordhausen beschäftigt sich mit zu Anfang seiner Exkursion mit einer pro-israelischen Solidaritätsdemo von vor zwei Wochen. Diese Demo zog durch die Mitte Berlins und bekundete lautstark die Solidarität mit Israel. Dabei gewesen sein soll, laut Nordhausen, auch Lea Rosh. Diese hätte nicht gerade grosses Verständnis für die, angeblich von Demonstranten, skandierten Parolen wie „Gegen jeden Antisemitismus, nieder mit Deutschland, für den Kommunismus!“ geäussert. Das mag auch daran gelegen haben, daß Lea Rosh akustisch nicht alles verstanden haben soll. Sie soll als Reaktion gesagt haben: „Also – das müssen Wirrköpfe sein.“

Das Frank Nordhausen hier ausgerechnet Lea Rosh heranzieht, um der Kritik an den Antideutschen ein „glaubwürdiges“ Vehikel zu geben, ist schon mehr als rührend. Geradezu putzig.

Dann kommt er zu der Israel-Solidaritäts Demonstration die auch ich besucht hatte:

Die meisten der mehr als tausend Demonstranten, die für Israel zur Gedächtniskirche liefen, waren nicht schwarz gekleidet, nicht vermummt.

Es waren einige Menschen schwarz gekleidet. Darunter auch der eine oder andere Rabbi und auch ich trug eine schwarze Hose. Aber vermummt war da niemand. Es liest sich halt richtig sexy, wenn man das Bild vom schwarzgekleideten Antideutschen zeichnet, der sich gerne vermummt. Die Antideutschen seien, laut Nordhausen, während dieser Demonstration in der Minderheit gewesen, da ja viele Teilnehmer der Demo zur jüdischen Gemeinde oder zur CDU gehörten. Bei Michel Friedman ist ja beides der Fall. Er gehörte wie Eckart von Klaeden zu den Rednern der Abschlusskundgebung am Wittenbergplatz. Dabei „unterschlägt“ Nordhausen, daß auch Dr. Gideon Joffe und Thomas von der Osten-Sacken auf der Abschlusskundgebung geredet hatten. Das Nordhausen hier ausgerechnet von der Osten-Sacken unter den Tisch fallen lässt, ist doch schon recht verwunderlich. Wo doch Thomas von der Osten-Sacken einer der „Vordenker“ der Antideutschen ist.

Frank Nordhausen glaubt erkannt zu haben:

Mit ihrer unbedingten Solidarität drängen sie sich der jüdischen Gemeinde seit einiger Zeit auf.

Die Beschreibung die er wählt, um die Antideutschen zu beschreiben, klingt fast mystisch:

Die Antideutschen sind die wahrscheinlich rätselhafteste politische Subkultur in Deutschland.

Interessant ist auch die ständige Hervorhebung der angeblichen Verbindung der Antideutschen mit den jüdischen Organisationen in Deutschland:

Doch dann gelang den Antideutschen in diesem Sommer ein ganz erstaunlicher Coup. Zu ihren gemeinsamen Kundgebungen mit jüdischen Organisationen gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad kamen im Juni, anlässlich der WM-Spiele des Irans, mehr als dreitausend Menschen; in Nürnberg sprach neben Claudia Roth von den Grünen auch der bayerische CSU-Innenminister Günther Beckstein. Die Antideutschen zeigten Transparente mit dem Slogan „Für die Freiheit – Viva Israel“.

Das ist eigentlich ein Beleg dafür, das die Antideutschen recht undogmatisch sind und im Gegensatz zu den Antiimperialisten, zu pragmatischen Handlungen fähig sind. Günther „Vorbeugehaft“ Beckstein und Claudia „GutmenschIn“ Roth gemeinsam auf einer Demo! Wann hat es so etwas schon gegeben? Es gibt in Deutschland eigentlich nur eine politische Gruppe, die bedingungslos für die Solidarität mit Israel steht: die Antideutschen.

Auch sieht Nordhausen einen gewissen Einfluss der Antideutschen, deren Zahl er, in seinem Artikel, von einem Antideutschen auf 2000-3000 schätzen lässt. Ihr Einfluss sei aber grösser, denn „frühere antideutsche Vordenker schreiben für große Medien wie Spiegel Online oder die Tageszeitung Die Welt.“ Damit meint er wohl vor allem Matthias Küntzel und „es sind die Antideutschen, die immer wieder von einem linken deutschen Antisemitismus sprechen, von jenem „gutmenschelnden Judenhass“, wie ihn der Publizist Henryk M. Broder nennt.“ Leider schweigen die meisten Menschen zu dem linken Antisemitismus, der in den letzten Wochen tolle Blüten trieb und jeden Tag mehr und mehr anschwoll.

Am Ende des, doch recht schwachen, Artikels, der wohl als ein weiterer Zug im Kleinkrieg zwischen ihm und den Antideutschen zu sehen ist, stellt Nordhausen ein paar Fragen. Ob er hier ein Selbstgespräch geführt hat ist nicht bekannt: „Und nun? Linksradikale für George Bush? Solidarität mit der CDU? Eine Umwertung aller Werte?“ Irgendwie hat Frank Nordhausen die ganze Thematik nicht verstanden. Er sollte mal Kontakt mit Jürgen Elsässer aufnehmen. Der weiß wie man eine saubere, wenn auch hirnlose Attacke, gegen die Antideutschen führt. Elsässer hatte ja die Antideutschen gleich zu den deutschen (sic!) Ablegern der Neocons hochstilisiert.

Interessant ist, daß auch mir manchmal das Etikett des Antideutschen angehängt wird. Dann lege ich eine alte Quetschenpaua Kassette ein und lasse „Grossdeutschland, How are You“ erklingen. Das erspannt enorm.

3 thoughts on “Frank Nordhausen und die Antideutschen

  1. Hallo Sascha,

    ich würde das nicht so eng sehen. Es ist anscheinend irgendwie schick, das man eine neue Verschwörung kreiert. Irgendwann werden Antideutsche in einem Atemzug mit den Illuminati genannt, wenn es um die verschlungenen Wege der Weltherrschaft geht. :-)))

    Ich plane schon mal den Bau einer Villa, damit ich dann der Erste bin, wenn es soweit ist. Und Nordhausen darf dann bei mir als persönlicher Pressereferent für mein Marketing arbeiten. Quasi die „Gala“ für Weltverschwörer.

    Liebe Grüße vom Rhein an die Spree
    Wolfram

  2. warum sollst du denn ein anti-deutscher sein? findest du bush geil? hab ich wat verpasst? ich hab dich auch noch nie ’nieder mit deutschland‘ brüllen hören.

    ich bin verwirrt…aber das ist ja niks neues. hihi.

  3. Off-Topic:
    Könntest Du mir bitte eine Mail schreiben? Danke!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s