Telegehirn

Was ist das für 1 Blog?

Nele Beck – Ein Arbeitstier, total geil, total jung, total hip und total gefakt

5 Kommentare

Schauen Sie sich dieses arme Mädchen an. Sie heißt Nele Beck und will unbedingt weg aus Hannover (Was sehr einleuchtend ist.) und möchte sooooooo gerne in der Medienbranche Fuß fassen. Sie hat es ja schon überall versucht („1000 Absagen.“) und als letzte Chance bleibt da nur noch YouFM vom Hessischen Rundfunk. Aber schauen Sie selbst:

Sie haben jetzt das Gefühl dem armen Mädchen unbedingt helfen zu müssen? Sie sind drauf und dran eine E-Mail zu schreiben, denn diesem armen Opfer des Neoliberalismus wollen Sie unbedingt helfen?

Sparen Sie sich die Mühe, denn (oh Wunder, oh Wunder) dank vieler Mails hatten die Macher von YouFM wohl Mitleid mit der unglücklichen Provinzmaus.

Nele Beck fing am 4. Dezember ihr Praktikum bei YouFm an. Da Nele geil, hip und jung ist, hat sie sich natürlich einen Blog und eine Homepage eingerichtet und berichtet dort über ihr aufregendes Praktikum. Die meisten werden es schon längst geahnt haben (Dank der Überschrift.) und alle anderen werden spätestens bei einem Blick in das Impressum feststellen: die ganze Geschichte ist ein Fake.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine Radionovela des Senders YouFM und da der selbsternannte Jugendsender die Zeichen der Zeit erkannt haben will, gibt es den Schwachsinn nicht nur im Radio, sondern auch im Internet. Die HR-Jugendwelle will mit dieser „innovativen“ Sendung zeigen, „dass Radio deutlich mehr kann, als ein MP3-Player.“ Mein MP3-Player kann definitiv mehr als jedes Radio, denn er macht mich zum Programmchef. Der Programmchef von YouFM YOU, Jan Weyrauch, glaubt dagegen, daß man mit dieser Radionovela „alle Möglichkeiten der digitalen Verbreitung und mobilen Kommunikation“ ausschöpft, „genauso wie es unsere jungen Hörerinnen und Hörer täglich auch tun.

Das ist ja total geil, total hip und total jung. Podcast, Videotext, gefakte Homepage und dazu noch ein eigener Fake-Blog. Die Homepage wurde extra eingerichtet und wird wohl auch vom HR bezahlt, aber der Blog ist bei wordpress.com gehostet. Das spart natürlich auch etwas Geld, denn ein Blog bei wordpress.com ist kostenlos und dazu noch total geil, total jung und total hip. Es wäre wohl zu anstrengend gewesen, wenn man auf der Homepage der armen Nele einen Blog hinzugefügt hätte. Hier ging es den Medienmachern wohl um die berühmte Authentizität. Angeblich können UserInnen im Blog von Nele mit ihr diskutieren, aber es findet sich dort kein Kommentar der armen Nele. Wahrscheinlich ist sie als Mitglied der Generation Praktikum so sehr durch ihre Arbeit, also Kaffee kochen und verliebt dreinschauen, eingespannt, daß sie keine Zeit dafür findet. Stattdessen antwortet Leila, offensichtlich eine Mitarbeiterin(?) von YouFM, und findet:

Fake oder nicht – darauf kommt es doch nicht an. Wir wollen Euch mit unserem Programm unterhalten und dazu gibt es jetzt eben ganz neu die Podcast-Novela mit Nele. Nele spielt dabei die Hauptrolle. Ihr Bewerbungsvideo, ihre Erlebnisse und ihre Geschichten sind die Grundlage einer völlig neuen Form von Hörspiel: Du als Hörer kannst sogar mitmachen und Teil der Geschichte werden, wenn du es willst.

So sieht also das heutige Selbstverständnis einiger Medienmenschen aus und es ist längst nicht mehr wichtig, ob es sich um etwas reales oder etwas fiktionales handelt. Hauptsache es unterhält. Dank solcher Abkoppelungen von der Realität steht unser Land auch so gut da. Dabei handelt es hier um eine reine Fiktion und das (scheinbare) Angebot mitmachen zu können, ist ein Versuch die Mitmachenden zu täuschen. Es scheint auch leider so, daß sich viele Menschen gerne täuschen lassen und die Wahrheit lieber nicht wissen wollen. So ist ein „Philipp“ regelrecht bestürzt, als er die Wahrheit lesen muss:

Na wunderbar…es stand längst fest, dass Nele das Praktikum bekommt und das seit Oktober…oh mann, warum werden die Hörer so verarscht!?

Warum nicht? Schliesslich geht es den Medien doch darum so viele Menschen wie möglich zu verarschen. Es gibt ja auch einige Kommentatoren die das Spiel mitspielen, aber es ist nicht auszuschliessen das es sich hierbei ebenfalls um gefakte Kommentare handelt, denn ob „Fake oder nicht – darauf kommt es doch nicht an.“ Henry dagegen ist leicht verärgert:

Schade, dass You-FM seine gewisse öffentliche Verantwortung durch Unaufrichtigkeit verschleudert… Oder sind Wertevorstellungen inzwischen altmodisch? Ich ärgere mich nur, darauf reingefallen zu sein.

Andererseits gibt es auch Menschen, die das irgendwie glauben und nicht erkennen wollen oder können, daß die Wahrheit eine andere ist. Das ist wie mit den diversen Verschwörungstheorien, denn diese finden auch immer wieder Anhänger. So wie dieser Zeitgenosse hier:

das ist ne radionovela, wo einerseits dinge wahr sind, andererseits nicht. aber ich glaube schon, dass nele tatsächlich ein praktikum bie youfm macht bzw. gemacht hat. die sache entspricht bestimmt der wahrheit nur ist nicht klar, wann das ganze genau geschehen ist.

Oder in welcher Dimension… Jan Weyrauch, immerhin erst 38 und damit für öffentlich-rechtliche Verhältnisse geradezu ein Jungspund, sieht es als Aufgabe des öffentlich-rechtlichen „Jugendsenders“ an, „immer wieder neue Wege einzuschlagen, damit auch Jugendliche weiterhin aufs Radio neugierig sind.“ Es macht mich wirklich wütend, wenn einerseits ab Januar von der GEZ eine Internetzwangsgebühr erhoben wird und gleichzeitig so ein Schwachsinn finanziert wird. Dazu breitet sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in bedenklicher Weise im Internet aus und wenn es sich dann noch um solche „getarnten“ Inhalte handelt, dann ist definitiv eine Grenze überschritten.

Das sieht die Karriere-Expertin Silvie Klein-Franke ähnlich und schneidet in ihrem Kommentar einige interessante Punkte an. Unter anderem kritisiert sie, daß man „mit Video und „O-Tönen“ suggeriert, dass eine Person in Wirklichkeit Leute so für sich gewinnen könnte, dass sie einen Job bekommt.

Mit diesem Projekt betreibt der Hessische Rundfunk Neo-Borderline-Journalismus und glaubt damit neue HörerInnen zu finden. Wahrscheinlich wird es so enden wie bei Marie – Praktikantin aus Leidenschaft und das ist auch gut so.

5 thoughts on “Nele Beck – Ein Arbeitstier, total geil, total jung, total hip und total gefakt

  1. Wie geil ist das denn? „Hallo ich bin die Moppel-Nele und will hier raus.“
    Mal ehrlich, ist zwar ein doller Otto, was mit der GEZ für ein Nonsens bezahlt wird, aber lachen muß man trotzdem, besonders wenn sich das Video mittendrin von Zeit zu Zeit aufhängt….ein Riesenspaß, als hätte sie sich vorher ein bißchen „mehr Mut“ angetrunken.
    gnihihi.

    Viele Grüße
    Motta

  2. in der MoShow ist einiges nicht echt. Eva Maria Gonzales heißt eigentlich Silke Müller. (http://www.radioforen.de/showthread.php?t=25662)

    und Producer „Maik“ heißt eigentlich Clemens (war bis kurz nach dem Start der neuen Show noch im Crewbereich online), genauso wie dieser Jürgi eigentlich Manuel Brandt heißt (ebenfalls noch kurz nach dem Start im Crewbereich online)

    und das alles von unseren Gebühren… danke

  3. Tja bisher dachte ich immer, die Moderatoren heißen alle wirklich so, aber bei YOUFM kann man sich da ja nicht mehr sicher ein…oh mann, ich schreibe über ne öffentlich rechtliche Rundkfunkanstalt, die sich sowas leistet! Peinlich!

  4. Nele Beck ist ja mittlerweise im oben erwähnten Forum geoutet worden. Sie heisst Claudia Fitzsche und ist Schauspielschülerin an der Ernst-Busch in Berlin und hat auch schon für das Fernsehen gedreht.

  5. Hätten sie nicht wenigstens was hübsches casten können? Lonelygirl15 sah immerhin lecker aus! Aber die hier??? Nee, danke. Von den optischen Defiziten mal abgesehen: Ich finde es auch nicht gerade nett, dass der hr einerseits versucht, die Geschichte als echt zu verkaufen, andererseits aber sagt „Ist doch wurscht, ob es real ist oder Fiktion!“. Nichts gegen Fiktion und Radionovela, aber hätte man die Hörerinnen und Hörer von Anfang an entsprechend eingeweiht und dazu aufgerufen, interaktiv das Schicksal von Nele mitzubestimmen, hätte bestimmt kein Hörer etwas dagegen gehabt, es wäre ehrlich gewesen und das Image von YOU FM hätte jetzt nicht einige tiefe Kratzer im Lack.

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