Telegehirn

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Rocket to Russia?

30 Kommentare

Die Debatte um die geplante Stationierung von 10 (!) amerikanischen Abfangraketen in Polen und der Bau einer X-Band Radarstation in Tschechien, die Teil des amerikanischen Raketenabwehrsystems National Missile Defense (NMD) werden sollen, schlägt in Deutschland hohe Wellen und ob Kurt Beck, Frank-Walter Steinmeier oder Guido Westerwelle. Alle sind sich einig: Keine neuen Raketen in Europa. Amerikanische Raketen wohlgemerkt. Besonders kurios ist dieses Video mit Guido Westerwelle bei TV Liberal (Motto: Opposition live). Es gibt auch eine Textversion. Eigentlich wäre es angebracht den Unsinn, den Westerwelle da von sich gibt, in einem gesonderten Artikel genau zu beleuchten, denn so schnieke Vorlagen, wie von Westerwelle, findet man recht selten:

„Stellen wir uns nur die Reaktion aus Washington vor, wenn umgekehrt Russland ohne Rücksprache mit den USA eine vergleichbare Raketenstationierung etwa in Kuba plante. Deshalb ist die russische Kritik ernst zu nehmen.“

Abgesehen von diesem unseligen Vergleich Polen-Kuba und der dabei unterschwellig mitschwingenden Haltung, daß Polen der Hinterhof des russischen Bären sei und die USA dort nichts zu suchen hätten, bestreitet Westerwelle indirekt die Souveränität von Polen und Tschechien, denn „die geplante Raketenstationierung in Polen oder Tschechien„, sei „keine bilaterale Angelegenheit von Prag und Warschau auf der einen und Washington auf der anderen Seite„, sondern „es geht um die Sicherheit ganz Europas. Deshalb müssen Entscheidungen, die in ihrer Tragweite den ganzen Kontinent betreffen, auch im europäischen Rahmen abgestimmt werden.“ Solche Töne kennt man in Polen und Tschechien zur Genüge. Aus der Zeit der sowjetischen Hegemonie über Osteuropa.

Nun beansprucht die EU und durch sie auch Deutschland und seine Politiker, das Recht sich in souveräne Entscheidungen dieser Länder einzumischen und Forderungen nach einem russischen Vetorecht lassen Polen und Tschechien keine andere Wahl, als sich noch enger an die USA zu binden. Gerade in Polen ist, historisch bedingt, die Furcht vor dem übermächtigen Nachbarn Russland, tief verankert und da weder die EU und schon gar nicht Deutschland, sich jetzt sonderlich für die Souveränität Polens stark machen, bestätigt sich in Warschau erneut die Erkenntnis, daß letzendlich nur die USA in der Lage sind, die Sicherheit und Souveränität Polens ausreichend zu gewährleisten und zu garantieren. 

Die Ablehnungsfront durch die Reihen fast aller deutschen Parteien hat viele Gründe. Ein wichtiger Grund dürfte dabei sein, daß man als Politiker, mit ostentativem Anti-Amerikanismus, den Nerv einer Mehrheit des deutschen Volkes trifft und so, nach all den „Reformen“, die den Bürgern reihenweise Löcher in das Portemonnaie brannten, dem durchschnittlichen Wähler endlich mal wieder deutlich machen kann, daß man wenigstens versucht, die Weltvorherrschaftspläne der Yankee-Imperialisten zu durchkreuzen. Ein oft gehörtes Argument deutscher Politiker ist, daß die Sowjetunion Russland sich durch die 10 (!) Raketen bedroht fühlen würde. Von amerikanischer Seite wird dagegen betont, daß die Stationierung des Raketenabwehrsystems in Polen und Tschechien sich nicht gegen Russland richtet, sondern zur Abwehr z.b. iranischer Raketen installiert wird. Es würde der deutschen Politik gut zu Gesicht stehen, wenn sie sich wenigstens in dieser Frage an die vorhandenen Fakten halten würde.

Noch während der Amtszeit von Präsident Bill Clinton wurde vom US-Kongress ein Gesetz (National Missile Defense Act) über den Aufbau eines Raketenabwehrsystems verabschiedet:

It is the policy of the United States to deploy as soon as is technologically possible an effective National Missile Defense system capable of defending the territory of the United States against limited ballistic missile attack (whether accidental, unauthorized, or deliberate) with funding subject to the annual authorization of appropriations and the annual appropriation of funds for National Missile Defense.

Der Grundgedanke des NMD ist die Abwehr einer begrenzten Anzahl von anfliegenden Raketen und es ist keinesfalls dazu konzipiert, einer Nuklearmacht wie Russland die Fähigkeit zum Gegenschlag zu nehmen. Russland sieht sich primär auch gar nicht durch die Anwesenheit der Raketen bedroht, sondern durch die X-Band-Radarstation in Tschechien, „weil unsere strategischen Atomkräfte sichtbar sein würden„, wie der Befehlshaber der russischen Weltraumtruppen, Generaloberst Wladimir Popowkin, im Januar gegenüber Journalisten erklärte. Das russische Nuklearwaffenarsenal umfasst auch Raketen vom Typ Topol-M (SS-X-27), die im letzten Jahr in Dienst gestellt wurde und die alten Interkontinentalraketen vom Typ SS-18-Satan und SS-19-Stiletto ersetzen soll. Bis 2015 sollen 69 Topol-M Raketen, die eine Reichweite von 10.000 Kilometern besitzen und drei bis sieben Mehrfachsprengköpfe (MIRVs), sowie  einige Täuschkörper tranportieren können, von der russischen Armee in Dienst gestellt werden. Die Rakete wurde vom Moskauer Institut für Wärmetechnik (sic!) entwickelt.

Die Topol-M kann nicht nur von stationären Silos abgefeuert werden, sondern es gibt auch eine hoch mobile Version der ersten Interkontinentalrakete, die seit dem Ende des kalten Kriegs von Russland gebaut wird. Die zehn amerikanischen Abwehrraketen, die in Polen stationiert werden sollen, wären gar nicht in der Lage die Topol-M erfolgreich abzuwehren, denn die Topol-M ist mit neuartigen Feststofftriebwerken ausgerüstet, die die Rakete, im Vergleich zu den Vorgängermodellen sehr schnell die maximale Fluggeschwindigkeit erreichen lassen. Das ebenfalls neuartige digitale Steuerungssystem ermöglicht vertikales und horizontales Manövrieren der Topol-M, was die zum Abfangen notwendige Berechnung der Raketenflugbahn so gut wie unmöglich macht und auch der nukleare Gefechtskopf ist nach dem Wiedereintritt noch fähig seine Flugbahn zu verändern, um so ein Abfangen durch Abwehrraketen zu vereiteln. Russland setzt auch deshalb auf Raketensysteme, die Mehrfachsprengköpfe befördern können, weil nur eine einzige Fabrik bei Moskau die Topol-M baut und diese nur etwa 10 Stück pro Jahr ausliefern kann, was das russische Arsenal an Intekontinentalraketen in den nächsten 10 Jahren von 500 auf etwa ein Drittel sinken lassen wird, denn die Vorgängermodelle werden schneller verschrottet, als neue Raketen gebaut werden können. Doch durch den Einsatz von MIRVs in der Topol-M bleibt die Zahl der einsatzbereiten nuklearen Gefechtsköpfe etwa so hoch wie heute.

Zar Putin höchstpersönlich hat Mitte Februar deutlich gemacht, daß das amerikanische Raketenabwehrsystem keine wirkliche Bedrohung für Russland darstellt, da man nun über die moderne Topol-M verfüge:

„Das sind sehr ernsthafte Komplexe, die keine Antwort auf Raketenabwehrsysteme sind. Für diese Komplexe spielt keine Rolle, ob es ein Raketenabwehrsystem gibt oder nicht. Denn ihnen liegt, wie ich schon gesagt habe, der Hyperschall zugrunde. Sie ändern die Bahn nach Kurs und Höhe. Und ein Raketenabwehrsystem ist für ballistische Raketen berechnet, die beim Flug auf ballistischer Bahn einen Schlag versetzen können.“

Damit bestätigt Putin, daß das NMD keine Bedrohung russischer Interessen darstellt, egal wo es stationiert wird und egal wieviele Raketen. Warum also die ganze Aufregung? Wenn der Problembär Kurt Beck fordert „Keine neuen Raketen in Europa“, dann meint er nicht etwa die neuen russischen Interkontinentalraketen, gegen die es sowieso keinen wirksamen Schutz gibt, sondern er schrödert wegen 10 amerikanischer Abwehrraketen, die in Polen stationiert werden sollen. Das der Besitz von Mehrfachsprengköpfen (MIRVs) durch das Start 2 Abkommen verboten ist, stört die deutsche Politik anscheinend auch nicht besonders. Russland bezieht sich dabei auf folgende Position: da die USA den ABM-Vertrag 2002 kündigten, fühlt sich Russland auch nicht an Start 2 gebunden und es ist denkbar, daß Russland 2009 das Start 2 Abkommen offiziell kündigt. Da Putin anscheinend sehr richtig erkannt hat, daß in zahlreichen europäischen Ländern mittlerweile die Appeasementpolitik den Ton angibt, nutzt er diesen Umstand aus, um die ApPeaceniks zu einer Spaltung Europas zu treiben, in dem er etwas mit dem Säbel rasselt.  

Eines habe ich ja ganz vergessen. Von amerikanischer Seite wird behauptet, daß die Abwehrraketen auf Grund der Bedrohung durch iranische Raketen stationiert werden sollen. Im Moment verfügt der Iran mit der Shahab-3 über eine Mittelstreckenrakete mit einer Reichweite von 1.200 Kilometern. Sie kann einen 1,2 Tonnen schweren konventionellen oder chemischen Sprengkopf bis nach Israel oder in die Türkei tragen. Derweil entwickelt der Iran weitere Raketen, so die Shahab-4 mit einer wahrscheinlichen Reichweite von 2.000 bis 3.000 Kilometern und schon mit dieser Rakete könnte der Iran Europa erreichen. Die Shahab-5 mit einer Reichweite von etwa 4.000 Kilometern, wird, wie alle iranischen Raketen, mit der Unterstützung Nordkoreas entwickelt und diese Rakete liegt an der Grenze zwischen Mittel- und Langstreckenrakete. Die Shahab-6 ist eine iranische Version der nordkoreanischen Taep’o-Dong-2 Rakete und soll über eine Reichweite von 6.000 Kilometer verfügen und auch in der Lage sein, nukleare Gefechtsköpfe zu tragen. Da alle Raketen der Shahabserie nicht sehr zielgenau sind, eignen sie sich nicht um militärische Ziele anzugreifen, sondern sind einzig und allein dazu in der Lage, die Zivilbevölkerung zu treffen.

Kein anderes Land auf der Welt entwickelt im Moment so viele neue Raketen wie der Iran, ob nun Kurz-, Mittel, oder Langstreckenraketen. Gegen diese Bedrohung richten sich die amerikanischen Abwehrraketen, die in Polen stationiert werden sollen und nicht gegen Russland. Die USA wissen das und sogar Russland sieht in den Raketen keine Bedrohung. Nur in Deutschland und anderen Teilen des alten Europas vertritt man die Sichtweise, daß die Stationierung amerikanischer Defensivwaffen die Sicherheit Europas gefährden würde und einen neuen Rüstungswettlauf auslösen könnte. Dabei hat Russland schon längst einen neuen Raketenwettlauf gestartet und da ist die deutsche Politik nicht so energisch engagiert, aber dazu an anderer Stelle mehr. 

30 thoughts on “Rocket to Russia?

  1. Man koennte fast den Eindruck bekommen, dass die USA die letzte Bastion von Demokratie, Menschenrechten und globaler Verantwortung sind.

  2. Meinst Du das etwa ironisch?

    Europa kann doch nicht nicht einmal fuer seine eigene Sicherheit sorgen. Die EU darf bezahlen, aber am Ende muessen immer die USA die Kastinien aus dem Feuer holen.

  3. @Minutemen
    sorry, ich habe die Ironie tags vergessen

    Die EU macht natuerlich auch nicht alles richtig, besonders was die Sicherheitspolitik angeht — ist natuerlich noch lange kein Grund den USA alles nachzumachen.

    Aber Polen ist meines Wissens freiwillig der EU beigetreten und sollte auch an Loesungen innerhalb der EU interessiert sein, anstatt auf nationaler Ebene mit den USA zu kooperieren.

  4. WordPress hat immer noch nicht das Ironie Tag Plug In rausgebracht.😉

    Ich habe doch eigentlich, wie ich finde, ganz gut dargelegt, daß die Abwehrraketen, es handelt sich ja um ein Defensivsystem, weder einen Rüstungswettlauf auslösen werden, noch gegen die Interessen Europas gerichtet sind. Im Gegenteil: Sie dienen dem Schutz Europas. Nicht vor Russland, sondern vor „Schurkenstaaten“, wie dem Iran, dessen Raketenprogramm ja die eigentliche Bedrohung ist. In Kombination mit dem iranischen Atomprogramm sollte selbst dem deutschen Michel auffallen, wer hier wen bedroht.

    Ist Polen also nicht frei, zu entscheiden, ob es die Stationierung eines Defensivsystems zulässt? Muss Polen erst immer in Brüssel oder gleich in Berlin um Erlaubnis fragen?

  5. Polen muss natuerlich nicht Berlin um Erlaubnis fragen, Bruessel schon viel eher. Ich sehe natuerlich das Problem, dass dort Entscheidungen gerne mal laenger dauern. Die Loesung kann aber trotzdem nicht sein, die EU dann einfach links liegen zu lassen. Wenn man natuerlich ganz optmistisch ist, koennte man glauben, dass diese Angelegenheit die Dinge etwas voran treibt.

    Zurzeit scheint Polen aber sowieso nicht an einer gemeinsamen EU Politk interessiert zu sein, sondern vertritt sehr offensiv nationale Interessen.
    (Da ist es natuerlich nicht alleine mit)

    Zur Rolle der USA: Sie sind nur insoweit am Schutz Europas interessiert als es ihren Interessen dient. Europa schuetzen, um Europa zu schuetzen war wohl noch nie angesagt.
    Ausserdem frage ich mich auf welcher legalen oder von mir aus legitimen Grundlage die USA militaerische Einrichtungen auf fremden Gebiet, im Grunde genommen wohl weltweit, unterhalten?

  6. Wäre das nicht eher ein Fall für die Nato? Die EU hat doch sicherheits- verteidigungspolitisch keine klare Linie und real überhaupt gar keinen Einfluss.
    Die Strategie der EU gegenüber dem Iran ist auch nicht gerade vorbildlich. Das die Kartoffelbrüder eine extrem nationalistische und auch reaktionäre Innenpolitik betreiben, wird ja jeden Tag deutlich. So sollen jetzt auch Pornos verboten werden. Darunter könnte sogar der Playboy fallen. Aber auch der Vorgänger der Kartoffel, Kwasniewski, betrieb eine pro-amerikanische Politik. In Polen traut man der EU in Verteidigungsfragen nicht. Die Nähe zu Russland verstärkt die Paranoia noch.

    Ein sicheres Europa, ist auch immer ein Sicherheitsgewinn für die USA. Die USA schliessen mit den Ländern Verträge über die Einrichtung von Basen. Das ist wohl die legale Grundlage.

  7. Touche! Die NATO waere noch angebrachter.

    Dass die EU leider keine klare Linie hat, bestreite ich ja gar nicht; mit solchen Aktionen kann aber eben auch keine entstehen. Das ist nicht nur die Schuld von Polen und das ist wohl das eigentliche Problem.

    Polen hat es natuerlich nicht einfach gehabt im 20. Jahrundert; trotzdem ist es der EU freiwillig beigetreten und das bringt eben auch gewisse Verpflichtungen mit sich.


    Ein sicheres Europa, ist auch immer ein Sicherheitsgewinn für die USA. Die USA schliessen mit den Ländern Verträge über die Einrichtung von Basen. Das ist wohl die legale Grundlage.

    Wie gesagt: wenn es kein Gewinn waere, wuerde da — also hier — auch nichts passieren.

    Legal war wohl nicht das richtige Wort, das mit den Vertraegen war mir schon klar. Bleibt die Frage der Legitimitaet.

  8. Das Problem ist doch, daß Frankreich und Deutschland eine andere Politik betreiben, als GB und viele der neuen EU-Mitglieder. Dabei spaltet nicht Polen die EU resp. die Nato, sondern die Beschwichtigungspolitik des alten Europas führt zu diesen Spannungen.

    Gehört es zu den Verpflichtungen Polens als EU-Mitglied, daß es vor der Stationierung von amerikanischen Defensivwaffen, die dazu noch die Sicherheit erhöhen, in Brüssel bei der EU um Erlaubnis fragt? Polen versteht die EU als das was sie ist: eine Wirtschaftsfreihandelszone, die einem auch noch Subventionen einbringt, wenn man kein Nettozahler ist.

    Auch eine Beteiligung der NATO erscheint mir nicht wirklich sinnvoll. Enthält der NATO-Vertrag eine Klausel, die ein Mitglied dazu zwingen würde, vor der Installation die Erlaubnis der anderen Mitglieder einzuholen?

    Mir ist kein Staat bekannt, der mehr legitimiert wäre als die USA, Raketenabwehrbasen zur Abwehr von Angriffen aus „Schurkenstaaten“ zu errichten. Mit Dänemark wurde eine Ausweitung der Nutzung der Thule-Basis in Grönland beschlossen. Sonst gibt es nur noch in Alaska einen NMD-Stützpunkt. Es gibt zwar Gerüchte, daß im Kaukasus eine weitere X-Band-Radarstation errichtet werden soll, aber bisher sind es nur Gerüchte.

    Auch wenn viele mit einer Anti-Amerikanischen Grundhaltung in der Stationierung der defensiven Raketen in Polen eine Provokation Russlands erkennen wollen oder sogar eine Gefährdung des Weltfriedens sehen, so ist die Stationierung doch ein richtiger Schritt.

  9. „Auch wenn viele mit einer Anti-Amerikanischen Grundhaltung in der Stationierung der defensiven Raketen in Polen eine Provokation Russlands erkennen wollen oder sogar eine Gefährdung des Weltfriedens sehen, so ist die Stationierung doch ein richtiger Schritt.“

    Als sich Putin auf der Sicherheitskonferenz so merkwürdig echauffiert hat, fragte sich der Beobachter ganz ratlos, was denn nun los ist.

    Heute – nach den Beckereien, den Westerwellen und den Steinmeiereien – weiss man um was es ging. Es war eine gezielte antiamerikanische Massnahme, die auf fruchtbaren Boden traf.

    Mich täte interessieren, was eigentlich nach einem zu befürchtenden grösseren Terrorangriff mit nichtkonventionellen Waffen auf Europa passiert.

    Wird sich dann Europa von den USA abwenden oder wird dann endlich der Feind erkannt?

  10. Steinmeier sagte gestern, daß man die Abwehrraketen ja noch gar nicht benötigen würde, da der Iran ja jetzt noch nicht über Raketen mit ausreichender Reichweite verfügen würde. Ist das die neue deutsche Außenpolitik? Abwarten bis es brennt und sich dann überlegen, ob man nicht doch eine Feuerwehr gebrauchen könnte?

    So blöd sind doch nicht mal Steinmeier, Westerwelle, Beck und auch Merkel, die im Moment ja auch schrödert, nicht sein, daß sie nicht wissen würden, wie Putin in Wirklichkeit über die Raketen denkt. Es geht Putin doch mehr um das XBR in Tschechien, daß übrigens mobil und nicht stationär ist. Dieses Radar könnte dem russischen Bären leicht in die nuklearen Karten schauen. Welchen Einfluß das Militär in Russland hat, ist ja allgemein bekannt.

    Vielleicht wurde in München etwas abgesprochen. Ausgerechnet München! Der russische Bär könnte hinter den Kulissen seine Krallen noch deutlicher gezeigt haben und eine kleine Andeutung über mögliche und unerwartete Wartungsarbeiten an einigen Pipelines könnte für Panik gesorgt haben. Anscheinend setzen in Europa mehr und mehr Politiker auf die russische Karte. Schröder war da ja ein Pionier und auch Madame Merkel flirtet mit dem außenpolitischen Schröderismus.

    Das erinnert etwas an die Wahnwelten des Wilhelminismus. Man glaubte eine Wahlmöglichkeit zwischen dem englischen Wal und dem russischen Bären zu besitzen. So wie der Schröderismus heute daran glaubt, daß man die Wahl zwischen dem Weiterbestehen des atlantischen Bündnisses oder einer Allianz mit Russland (+ China) haben würde. Wie sich eine Mehrheit der Deutschen wohl entscheiden würde? Nastrovje!

    Nur übersehen hier manche, daß es Russland ist, dessen Wirtschaft boomt und das Russland versucht wirtschaftlichen und politischen Einfluß auf die EU zu gewinnen, der langfristig durchaus zu einer russischen Hegemonie über ganz Europa führen könnte. Muss nicht so kommen, aber man sollte die Sehnsucht Russlands nach alter sowjetischer Stärke niemals unterschätzen.

  11. Russland ist schon ganz OK, Putin hat eben eine Möglichkeit erspäht Teile Europas auf Linie zu bringen. Vielleicht hat ihm Schröder einen Tipp gegeben? – Jedenfalls wars ein geniales politisches Manöver.

    War halbwegs ernst gemeint, Putin ist ganz OK, selbstverständlich kein lupenreiner Demokrat, aber der richtige Mann an der richtigen Stelle. Seine Aktionen gegen Chodorkovskij oder Kasparow sind ebenfalls OK, der Gefährder ist nach meiner festen Überzeugung nicht Putin, der den Laden zusammenhalten muss.

    Sorgen machen mir nur die Freunde der Religion des Friedens. Wenn D und grosse Teile Europas sich als grenzdebil herausstellen, dann dürfte der Bärtige nach einem grösseren Terroranschlag keine so schlechten Chancen haben sich in der politischen Diskussion durchzusetzen.

    Wohlgemerkt als Friedensbringer. (Vorausgesetzt der Urheber des kommenden Großanschlags kann nicht zweifelsfrei identifiziert werden, wovon aber auszugehen ist.)

  12. Was hat den El Hamster gegen Kasparov? Du bist doch wohl nicht etwa Karpov Fan?

    Für die russischen Weltraumimperialisten mag Putin ja eine gute Wahl sein, aber für Europa wäre einer wie Jelzin besser. Trotz der ganzen Korruption.

  13. Pution ist Mann des Geheimdienstes. Es gibt in R die drei Machtquellen Kommunistische Partei, Geheimdienst und Oligarchie.

    Erstere verliert an Macht (was nicht immer so bleiben muss), letztere hat mit Putin und den Diensten einen Deal geschlossen: Gute Geschäfte gegen Nichteinmischung ins Politische. Chodorkovskij hat gegen diesen Pakt verstossen, seine Abservur war somit zu erwarten und auch nicht zu verurteilen. Plutokratie ist nicht wünschenswert (Genossen!🙂.
    Kasparow ist ein Spinner und egomanisch, bermutlich auch gefährlich.
    Beobachte den Mann seit gut 25 Jahren und bin wenig amüsiert über eine derartig ausgeprägte Fachintelligenz.

    Merkwürdigerweise sind meine (natürlich russischen) Quellen wesentlich besser informiert als jeder politische Russland-Kommenatator in D.

  14. putin ist der mann des kgb. ein ganz kalter krieger. hat er sich davon lösen können? glaub ich nich. hab den kasparow nich so verfolgt und kann nicht sagen wofür der eintritt. aber steht er nicht viel mehr für die zivilgesellschaft? die es in russland ja gar nicht gibt.

    es heisst ja immer: russland und demokratie würden nicht zusammen passen. das ist blödsinn. klar: die herrschaft der oligarchen und tycoone ist auch nicht wünschenswert. aber wie hamster schon sagt: wenn die sich aus der politik raus halten, dann rollt der rubel.

    so geht es mit russland nicht weiter. reicht es denn nicht das europa vom öl muslimischer staaten abhängig ist und damit erpressbar? nun auch noch abhängigkeit von russland. erst durch erdgas. jetzt auch noch politisch…

    dachte ja, die merkel würde da mit schröders linie brechen. pustekuchen!

  15. Wenn Russland einen gewissen Wohlstand hat werden Leute wie Putin (Franco, Pinochet, Strosser (oder wie hiess der Pinochet-Kollege?) LOL) nicht mehr benötigt.

  16. Stroessner ist der Name von dem Schwein. In Russland unter Putin konzentriert sich der Wohlstand nur auf eine kleine Gruppe.

  17. Lukaschenko wird auch im Osten gar nicht so negativ gesehen. Kriminalitätsrate fast null. 😉

  18. Ach, hör mir auf. Das erzählt mir mein Bruder auch immer und dann schwärmt er von der unbestechlichen Polizei dort. „Einmalig in Osteruopa“. Lukaschenko hatte schon vor Jahren ein umfassendes Rauchverbot erlassen.

  19. Es steht nur die These im Raum, dass harte Zeiten harte Männer benötigt, die dann – wohlgemerkt ohne sich die Hände allzusehr schmutzig zu machen – irgendwann die Macht ordentlich übergeben. (Bei Pinochet mag das anfänglich zugetroffen haben, bei Franco gegen Ende der „Amtszeit“, bei Lukaschenko glaube ichs allerdings auch nicht😉 )

    Bei Putin dagegen stimmts wieder. 🙂

  20. Sehe ich nicht so. Absolut nicht. Dann wäre ja Hitler auch der richtige „harte Mann“ zur rechten Zeit gewesen und das nachfolgende Grauen nur ein „Betriebsunfall“.

    Pinochet? Naja, das Thema ist ja in der Blogosphäre in der Vergangenheit heiß diskutiert worden. Auf ihn trifft das auch nicht zu. Ganz und gar nicht. Franco? Totalitär und faschistisch bis zum Ende.

    Der Nachfolger von Putin wird von der Ausschaltung der Opposition profitieren. Russland ist heute eine Scheindemokratie und schon der Nachfolger von Putin könnte die Daumenschrauben noch mehr anziehen. Das wird dann wie in China.

  21. Pinochet wird vielleicht zurecht sehr gehasst, seine Methoden waren sehr hart. Schwer zu sagen, ob in diesem Fall der Zweck die Mittel heiligte.
    Die Alternative zum rechsfaschistischen Stast wäre der linksfaschistische Staat gewesen mit vielen Hungertoten und stalinistischer Willkühr.

    Zumindest ist der Sachverhalt keinesfalls so klar, wie in D gerne behauptet wird. Die Glorifizierung von Allende ist sehr uncool.

  22. Allende war alles andere als ein Kämpfer für die Freheit. Seine Präsidentschaft wurde langsam zur Diktatur und das Parlament hatte 1973 ja diese Resolution verabschiedet:

    http://www.pensionreform.org/icpr/eys/declaration_german.html

    Pinochet hätte einfach nur das demokratische System wiederherstellen sollen und nicht eine Diktatur errichten. Aber so.

  23. Was hast Du denn gegen Putin? – Mal abgesehen von den peanuts?

    Irgendwo ist ausgerechnet Jelzin von Dir gelobt worden. Weisst Du noch wie es um Russland stand zu dessen Amtszeit?

  24. Putin ist in meinen Augen auch so ein Vorzeigedemokrat.

    Klar, unter Jelzin gab es einiges Chaos und seine Familie trug massiv zu der Oligarchenbildung bei. Aber das war auch die Zeit des Wandels und da bleibt so etwas nicht aus. Unter Jelzin begann die Demokratisierung, aber sein vorzeitiger Rücktritt öffnete der Diktatur Tür und Tor. Putin steht nicht gerade für die Stärkung der Zivilgesellschaft. Für Europa ist ein schwaches Russland, militärisch wie wirtschaftlich, besser,als ein nach alter Weltmacht strebendes Russland mit vollen Kassen und neuem Sendungsbewusstsein.

  25. Jelzin wurde übrigens von Beginn an auf parlamentarischer Ebene in Frage gestellt. Nicht etwa wegen politischer Probleme. Es ging vielmehr um die Frage, ob er nun Jude ist oder nicht.

    Dennoch: Laut den USA kommt aus Russland inzwischen weniger Protest gegen den Raketenschild als aus Europa. Leider muss mand aher schließen: Wenn der Raketenschild zum Schutz Europas da sein soll, sollte er besser nicht gebaut werden.

  26. Wenn der Raketenschild zum Schutz Europas da sein soll, sollte er besser nicht gebaut werden.

    Sticken, einrahmen und an die Wand der SPD-Zentrale hängen.

  27. „Für Europa ist ein schwaches Russland, militärisch wie wirtschaftlich, besser,als ein nach alter Weltmacht strebendes Russland mit vollen Kassen und neuem Sendungsbewusstsein.“

    Es ist wohl der eigentliche Grund für alle Feindseligkeiten gegen das russische Volk, welches nicht schlechter oder besser sei, als jedes andere Volk auf der Welt. Man soll den Wohlstand, Entwicklung, Verbesserung von Lebenumstanden einer Volksgemeinschaft, die seit Jahrzehnten nicht anderes als Armut und Hunger gesehen hat, eher begrüssen und willkommen heissen oder sind die EUROPÄER nur falsche Christen von Grund auf??? Wenn einem schlecht geht, dann gehts uns gut, ist das die wahre Parole?? Wenn Chinesen momentan den Weltwirstchaftwachstum an sich gerissen haben, wieso sagt keiner dass die schecht sind. Die deutschen Firmen gehen hin und beteiligen sich am Wachsstum. Wieso hier so viel Unterschied. Ist das der Neid?? Es ist wohl eher ein Zeichen einer Weltanschauung der aus der untersten Schublade ist.

    danke – spasibo

  28. Man muss hier aber unbedingt den russischen Minderwertigkeitskomplex beachten. Nach einer Schwächephase in Zeiten des Umbruchs nach 1991, erlebt Russland jetzt, dank hoher Energiepreise, eine Phase enormen Aufschwungs und so wächst auch das Selbstbewusstsein und die Ansprüche. Dieses Großmachtstreben löst in Europa nicht nur Jubel aus.

  29. Pingback: Liberale Amok-Außenpolitik « Telegehirn

  30. Man muss auch die natürliche russische Aggression beachten.
    Komplexe sehe ich da nicht.
    Der Täter sollte Täter genannt bleiben, keine mildernden Umstände für die russische Plutokratie.

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