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Zitat der Woche 14

8 Kommentare

Wenn ich als Linker mit meinem Zopf und meinen alten Sachen durch bestimmte Gebiete des früheren Ostberlins oder Wilmersdorf gehe, habe ich Angst, bedroht zu werden. Ich wechsle die Straßenseite, wenn mir rechtsradikale Glatzen entgegenkommen oder Jugendliche z.B. aus dem Libanon, aus Palästina oder Kurdistan den Bürgersteig blockieren. Früher als Hundertmeter-Läufer konnte ich weglaufen. Ich wage es nicht, etwas zu sagen, ich steige auch lieber aus der U-Bahn aus. Von der Gesellschaft und vom Staat verlange ich, dass sie mich als schwächeren Bürger beschützen.

Horst Bosetzky, Krimiautor und Soziologe im Interview mit der Septemberausgabe der „Körner Post“ (Seite6), der Zeitung des Quartiersmanagement Körnerpark in Neukölln. „Körner Post“ als PDF.

8 thoughts on “Zitat der Woche 14

  1. Der Mann hat mit seiner Betroffenheitsliteratur und seinem Gesamtwirken aber beim Schaffen der Grundlagen der jetzigen unbefriedigenden Zustände fleissig mitgeholfen.
    Vermutlich meint der heute noch, dass an der Immigrantengewalt unsere Gesellschaft selbst schuld trägt.
    Nä, Inkonsequenz im Alter liegt hier vor, nüscht anderes.

  2. @Bohne

    Vermutlich meint der heute noch, dass an der Immigrantengewalt unsere Gesellschaft selbst schuld trägt.

    – Erstens bestreitet niemand, der sich mit den Problemen ernsthaft auseinandersetzt anstatt bloß beißende Polemik und Agitation zu betreiben, dass die Probleme auch eine soziale Komponente haben.
    Genauso wie bei der Beobachtung, welche Kinder aus welchen Schichten in D das Abi / ein Studium schaffen…

    – Zweitens ist eine Gesellschaft, die sich keine Gedanken macht, gezielt Menschen ins Land zu lassen, die von ihrer Qualifikation her interessant sind und vermuten lassen, dass wir gut mit ihnen klar kommen, in der Tat auch selber ein Stück weit schuld. Was denn sonst?

  3. Der Sozio-Krimischreiber hat ja die richtigen Problemgruppen (allesamt Träger einer bestimmten Religion) genannt.
    Dennoch finde ich die Clements, -kys und Geislers dieser Welt, die jahrzehntelang entgegen ihrer jetzigen Meinung gehandelt haben explizit nicht knorke.
    Zur o.g. Problemgruppe kommen dann natürlich noch „Besuchskriminelle“, die in einem anderen Land ein sicheres Rückzugsgebiet haben, möglicherweise auch mehrere Staatsangehörigkeiten, die die Kriminalitätsstatistiken füllen.
    Ich sehe für die genannten Probleme keine anderen „sozialen Komponenten“ als den Islam und die Tatsache, dass sich Kriminalität im Ausland rechnet.
    Soziale Unterschichten, die leider, so zu sagen gewünscht, [1] rein kommen, müssen nicht kriminell werden; so einer Sichtweise kann ich mich nicht anschliessen.

    [1] Die Wirtschaft scheint eher Pizzaboten zu benötigen als ITler.

  4. „Von der Gesellschaft und vom Staat verlange ich, dass sie mich als schwächeren Bürger beschützen.“

    Von einer Gesellschaft von einander fremden Konkurenzmonaden kann er das wohl kaum verlangen. Also klagt er eigentlich nur das staatliche Gewaltmonopol ein. Und zwar schamlos Unschuld heuchelnd, dabei gibt es bestimmt genug Gründe ihm mal die Fresse zu polieren. Soviel diesem Linken.

    Die Nazis/religiösen Fanatiker/“Einzige“(Max Stirner) im Männlichkeitswahn müssen kritisiert werden, aber nicht dafür, dass sie überhaupt gewaltbereit wären. Jede Macht kommt letztendlich aus den Gewehrläufen, und die Leute, die gewaltfrei leben und sich nicht bewaffnen wollen, bejahen damit nur die bestehende Macht, weil wegen solchen Linken diese bestehende Macht die meisten Gewehre hat. Weil diese Linken nicht die Proletarität, nicht die Alltagsreligion Antisemitismus, nicht alle Trennungen aufheben wollen, sich nicht zur „wirklichen Bewegung, die den bestehenden Zustand aufhebt“ organisieren wollen, zum Communismus.
    😉

  5. Bosetzky ist eben ein echter Neuköllner. Mit all der folgenden Widersprüchlichkeit. Seine Krimis habe ich ehrlich gesagt noch nie gelesen, daher kann ich das schlecht beurteilen. Jedem eine Waffe geben? Hatte das nicht erst kürzlich mein Freund DDH gefordert? Ich habe da so meine Zweifel, ob das eine Lösung wäre, aber man könnte es ja mal ausprobieren.😉

  6. „Jedem eine Waffe geben?“

    Das habe ich gar nicht gesagt. Eher meinte ich: Man sollte sich selbst bewaffnen, und nicht die Polizei anrufen.

    Deinen Freund kenne ich nicht, aber wenn es ein Nazi ist: Dein Humor ist von gestern.

  7. Wer genau hingelesen hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass -sky viele Jahre erfolgreich weggelaufen ist und jetzt, im Alter, eigentlich nur eigene Unbeholfenheit kritisieren will. Ist jetzt aber ein wenig spät und die Drohung auf die Fresse zu bekommen wartet so zu sagen an jeder Strassenecke auf ihn.

    Keine besonders gute, aber immerhin eine verständliche Parabel zum Niedergang der deutschen (bzw. neuköllnischen) Gesellschaft.

    Also, auch mal selbst an das (ggf. prophylaktische) In die Fresse-Hauen denken (solange das Weglaufen noch eine Option ist)! Hau ‚em first!

  8. Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen „sich selbst bewaffnen“ und „jedem eine Waffe“?

    Ich bin auch nicht der Typ, der die Bullen ruft. Wenn es sich vermeiden lässt, denn von denen kann und darf man leider nicht viel erwarten.

    Deine Position zu Stirner ist mir nicht ganz klar. Was hast du gegen ihn?

    DDH ist nicht mein Freund und wieder mal ist die Ironie untergegangen. http://telegehirnwarblog.wordpress.com/2008/02/19/alle-gegen-alle/

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