Telegehirn

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Zitat der Woche 18

8 Kommentare

Die anarchistische Szene ist tot, die ist zu reformistisch, zu passiv, das sind alles Rentner. Und wir sind Stadtguerilla, wir sind der Funke der Revolution. Politisch scheinen die sich eher in der Tradition der russischen Narodniki zu verorten.

Quelle.

8 thoughts on “Zitat der Woche 18

  1. In D gibt es kaum Anarchisten. Und die meisten, die es gibt, wollen damit entweder ihre Kriminalität rechtfertigen und sind strunzdumm oder sie sind Intellektuelle, haben sich aber schon lange sehr weit oben in einem Elfenbeinturm verkrochen, wobei sie kategorisch ausschließen, ein Teil der Gesellschaft zu sein oder dass es überhaupt jemand sein könnte. Egal ob er wollte. Fazit: Erbärmlich. Ist aber auch kein Wunder – der Staat, dessen Gründungsmythos mit einem Aufbegehren GEGEN die Obrigkeit und nicht mit einem schleimigen Anbiedern bei dieser verbunden ist, mit „We the people“ u.s.w., ist nun mal durch ein Meer von uns getrennt. Und was einen Katzensprung über’n Teich so verfügbar ist, mutet doch sehr aristokratisch an. Da hat man ja auch noch eine Königin…

  2. Ja, die Freunde und Freundinnen von der FAU sind total nett, aber die paar Hundert sind so wie die letzten Dinosaurier. Ich frage mich auch immer wieder warum selbst die krankesten Sekten mehr Mitglieder haben als emanzipatorische Zusammenhänge und Strukturen. Ok, selbst Nachdenken und sich engagieren strengt halt mehr an als einem Programm und einem Führer zu folgen.

  3. PS: Ob welche, die „Kapitalismus abschaffen“ möchten, unter Anarchisten laufen sollten, ist eher fraglich – ob sich Sozialisten die Bezeichnung Anarchosyndikalisten geben, ist wohl nicht das Hauptkriterium. Ein Anarchist will keine Ordnung abschaffen (Abschaffen=Macht=Staat/Obrigkeit/Diktator), sondern dass ein jeder nach der Ordnung leben kann, nach der er möchte. Wollen welche kapitalistisch leben, dann sollen sie. Ebenso soll jeder, der nicht kapitalistisch leben möchte, das können. Keiner schreibt keinem vor, wie er zu leben hat. Schreibt jemand allen vor, dass Kapitalismus gar nicht geht, ist dies nicht anarchistisch.

  4. PPS: Natürlich würden Anarchisten, die gegen jede Obrigkeit und Herrschaftsform sind, gegen eine als überwiegend kapitalistisch empfundene Ordnung sein und dafür, diese zu beseitigen. Aber „der Kapitalismus“? Wer ist das? Wer zählt dazu? Das ist so abstrakt und allgemein. Um den abzuschaffen, müsste man ja sogar der ganzen Welt vorschreiben, wie sie leben sollte.

  5. Du siehst das etwas zu marxistisch. Für Anarchisten ist die Geschichte nicht ein bloßer Ablauf von Massengeschehnissen und Massenunterlassen. Personen sind die Träger der Geschichte und daher gibt es für Anarchisten auch Schuldige.

    Das Konstrukt eines Systems, welches alles verantwortet, ist wenig hilfreich, da dies etwas nicht greifbares darstellt. Jeder Mensch ist selbst für all seine Taten allein verantwortlich. Allzu leicht versteckt mensch sich hinter Befehlen und scheinbar unfehlbaren Gesetzen. Alles in Namen einer höheren Macht.

    Folgen wir eigenverantwortlich und selbstbestimmt der Vernunft oder folgen wir, blind und sklavisch ergeben, um des Folgen willens? Sei es ein Gesetz, göttlich oder menschengemacht, sei es ein Führer, eine Partei oder sonst eine von Hierarchie geprägte Organisation.

    Herrschaft ist etwas unnatürliches und diese gilt es unmöglich zu machen, aber der Wille die Unfreiheit abzuschütteln kann nur aus den Menschen selbst kommen. Er kann nicht erzwungen werden, wie die Sozialisten glauben.

  6. Dann sieht es aber die FAU zu marxistisch, simplifiziert sie doch „Unsere Agenda heißt Widerstand – Kapitalismus abschaffen“ und abstrahiert zugleich weg von der Verantwortung einzelner Täter und weg von den höchst unterschiedlichen Facetten, Motiven und Strukturen unterdrückerischer Handlungen. Nach deren „Logik“ hätte dann quasi auch die DDR eigentlich gar keine unterdrückerische Diktatur sein können – in Ermangelung kapitalistischer Grundmotive.

    Es gibt Feindbilder in Form von Personen und in Form von Ideologien bzw. Systemen. Beide Arten von Feindbild erklären jedoch die Welt wie sie ist höchst unvollständig, erst durch die Kombination und Vernetzung der einzelnen Fakten (also telegehirnmäßig verbunden) erfasst man das Gesamtbild. Und so erweckt die FAU halt doch den Eindruck, höchst einseitig antikapitalistisch und insofern doch sicherlich auch sehr marxistisch zu denken.

  7. Die DDR war doch kapitalistisch. Staatskapitalistisch. Die FAU ist eine anarchosyndikalistische Organisation. Schwarzrote Fahne. Der „reine“ Anarchismus unterscheidet sich ja durchaus vom Anarchosyndikalismus. Trotzdem gibt es da Verbindungen und Verzahnungen. In der Geschichte liefert die spanische Revolution von 1936 ein gutes Beispiel dafür, was beide Strömungen verbindet und auch trennt. Die FAU ist leider nicht vergleichbar mit der historischen CNT, weder was die Mitgliedsstärke, noch was die Durchschlagskraft betrifft.

    Sicherlich hast du recht: Erst aus der Verbindung von individueller Verantwortlichkeit und den Systembedingungen ergibt sich ein Gesamtbild.

    Du kannst antikapitalistisch sein und Marx trotzdem ablehnen. Ohne dabei allzu bürgerlich oder gar rechts zu werden.

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