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Ein offe(r)ner Brief an die OccupyBerlin Bewegung

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Die weltweite Bewegung der Okkupanten kommt ausgerechnet in Berlin nicht richtig in die Gänge. Wobei diese Bewegung, die gegen vieles ist, aber kaum sagen kann wofür sie denn nun genau steht und was ihre Ziele sind, bisher weltweit keinerlei Erfolge verzeichnen kann. Einmal abgesehen von einer mittelmäßigen Berichterstattung der Medien. Der Eindruck, dass es sich bei der Occupy-Bewegung um ein Sammelbecken für Freaks, Spinner, Hesprophobe, Esoteriker und allerlei verschwörungstheorethisches Pack handelt, verstärkt sich immer mehr. Nun will ich nicht die zahlreichen Einzelfälle als Beispiel für den totalitären Charakter nehmen und der Bewegung daraus einen Strick drehen. Obwohl die Teilnerhmer_innen dieser Bewegung schon oft grotesk, wenn nicht sogar lächerlich wirken. Noch desavoierender ist das Handeln, welches keine Spur revolutionär ist.

Sie wollen eine Revolution, aber sie sind im Handeln alles andere als revolutionär. Es stellt sich so dar, als ob diese Bewegung das fleischgewordene Beispiel für den ironischen Auspruch „Wenn die Deutschen auf dem Bahnhof eine Revolution machen, dann kaufen sie sich vorher eine Bahnsteigkarte“ geworden ist. So mangelt es der Bewegung in Berlin gegen „die undemokratische Herrschaft des globalen Kapitalismus„, im Gegensatz zu ihrer Mutterbewegung in New York, an einem geigneten Platz, um den Protest öffentlichkeitswirksam zu gestalten.

So sehen es die Beteiligten von occupyberlin jedenfalls. Anstatt sich nehmen, was ihnen doch längst schon gehört oder zumindest es zu versuchen sich das zu nehmen, mit der Chance zu scheitern und den harten Polizeiknüppel zu spüren, schreiben diese Revolutionäre ohne revolutionäre Ideen und Strukturen einen offenen Brief an den „Sehr geehrter[n] Bürgermeister von Berlin, Herr Wowereit“ und den „sehr geehrter[n] Senator für Inneres und Sport von Berlin, Herr Körting„, der einer Bettelei an die Macht gleichkommt.

Ihrer Aufmerksamkeit ist es sicher nicht entgangen, dass die globale Bewegung für echte Demokratie und gegen die undemokratische Herrschaft des globalen Kapitalismus’ seit einiger Zeit auch in Berlin angekommen ist.

Bewegungen kamen in der Geschichte öfter mal in dieser Stadt an. Zum Glück gingen sie auch wieder. Die Regierenden zittern sicherlich vor dieser occupyberlin Bewegung wie Espenlaub und haben daher keine andere Sorgen mehr. Was sich diese selbsternannten „Revolutionäre“ unter „echter Herrschaft des Volkes“ vorstellen, können sie selbst nicht einmal deutlich kommunizieren. Der „globale Kapitalismus“ herrscht nicht, sondern Menschen herrschen und werden beherrscht. Gustav Landauer hatte das bereits 1911 treffend formuliert: „Denn für uns besteht die Menschengeschichte nicht aus anonymen Prozessen und nicht bloß aus der Häufung vieler kleiner Massengeschehnisse und Massenunterlassungen; für uns sind die Träger der Geschichte Personen, und für uns gibt es auch Schuldige.

Für die Okkupanten ist es jedoch einfacher, wenn sie kollektivistische Strukturen als Erkärmuster für die bestehenden Verhältnisse verwenden. Diese Denkweise macht es der Occupybewegung daher sehr einfach sich in Richtung Verschwörungstheorien zu öffnen.

Die mittlerweile sogenannte „Occupy-Bewegung“ oder „Echte Demokratie Jetzt!“-Bewegung erfährt nicht nur breiten Zuspruch aus sämtlichen Teilen der Bevölkerung, sondern auch praktische Solidarität von vielen Mitmenschen.

Ein Fall von Hybris. Bevor diese Bewegung überhaupt irgendwelche Dynamik entwickelt hat. An diesem Wochenende demonstrierten nur noch einige Hundert Mitglieder_innen und Sympathisanten der OccupyBerlin-Bewegung. So etwas als breiten Zuspruch verkaufen zu wollen, ist sehr gewagt. Praktische Solidarität wäre, ihnen ihre ungewaschenen Ohren lang zu ziehen, damit sie sich erst einmal orientieren können, auf welchem Planeten sie denn nun wirklich leben.

An vielen Orten der Welt gehen Menschen auf die Straße, weil sie die herrschenden Zustände nicht mehr ertragen können und wollen. Lokal unterschiedlich, aber global vereint, einigt uns der Wille, uns auf zentralen Plätzen in den Städten und Dörfern dieser Welt zu versammeln, um unseren Protest kundzutun und uns über Alternativen zu den bestehenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Missständen auszutauschen.

Die kindliche Argumentationsweise treibt mir die Krokodilstränen in die Augen. Woanders versammeln sie sich doch auch! Woanders springen sie in Massen von den Klippen. Ihr wollt euch austauschen? Dafür wurde das Internet erfunden oder geht in den Park oder viel besser: Meldet eine Versammlung unter freiem Himmel an. Nur mal so als kleiner Tipp am Rande. Wowereit und der baldige Ex-Innensenator Noske Körting wissen davon natürlich nichts, müssen daher von euch aufgeklärt werden, weil die genehmigen ja solche Events in unserer absolutistischen Monarchie monitärer Prägung.

In der von Ihnen mitregierten eigentlich weltoffenen Stadt Berlin wurde es uns bisher durch die Berliner Polizei, die Bundespolizei sowie die politisch Verantwortlichen verwehrt, unser grundgesetzlich verankertes Recht auf Versammlungsfreiheit wahrzunehmen und uns dauerhaft auf öffentlichen Plätzen zu versammeln.

Campen ist halt keine Form der Demonstration. Höchstens eine Demonstration der eigenen Dummheit und Trägheit. Pfadfinderromantik hat wenig bis gar nichts mit politischer Willensbekundung zu tun. Geht doch auf einen Campingplatz oder in einen der vielen Parks in Berlin. Oder besser: Hört auf die Konzepte aus Spanien und den USA blind zu kopieren.

Es wurde und wird uns von Beginn an untersagt, unsere Zelte auf öffentlichem Grund aufzuschlagen, welche einzig und allein den Zweck verfolgen, neue öffentliche Räume zu schaffen, in denen die Menschen dieses Landes sinnvoll und gemeinsam protestieren, sich auszutauschen und nach Alternativen für unser aller zukünftiges Leben zu suchen, um Hoffnung für die Zukunft schöpfen zu können. Unser Wunsch ist nichts weiter als der konkrete Ausdruck der gemeinsamen Forderung nach Versammlungsfreiheit und Meinungsaustausch, und zwar auf öffentlichen, öffentlichkeitswirksamen und zentralen Plätzen der Republik – nicht in visuell abgeschotteten Nischen oder Räumen dieser Stadt.

Lasst mich und Leben da bitte raus! Ach, es geht nicht primär um die Botschaft, sondern um den Ort. Mediengeile Scheinrevoluzzer mit einem gefühlten Defizit an Aufmerksamkeit. Eure ganze Bewegung ergibt keinen Sinn.

In dieser Stadt, die seitens Ihrer Regierung als „weltoffen“ tituliert worden ist und in der friedlicher Protest von Ihnen „willkommen“ geheißen wurde, soll es nicht möglich sein, sich dauerhaft an einem symbolträchtigen Ort im Zentrum unserer gemeinsamen Hauptstadt zu versammeln?

Blanker Symbolismus! Darum geht es und nicht um Inhalte. Auch geht mir eure Konsensscheisse auf die Nerven. Wollt ihr ein Borg-Kollektiv?

Ausgerechnet in einem solch historischen Moment, in den uns eine globale Finanz- und Schuldenkrise geführt hat, deren weltweite destruktive Auswirkungen, geschweige denn deren Ende wir noch nicht mal erahnen können, werden bedeutende politische Entscheidungen gefällt, weitgehend unter Ausschluss der demokratischen Öffentlichkeit.

Tja, das ist eben die Demokratie. Alle vier Jahre wählen und gut ist. Oder glaubt ihr, daß ihr billigen Amateure die Mechanismen der aktuellen Krise auch nur annähernd verstanden habt, wenn es nicht einmal die Medien und schon gar nicht die politische Klasse verstanden haben? Das „Volk“ weiß es noch weniger.  Interessiert hätte mich jedoch, wie die Okkupanten auf das Thema Krieg kommen und wo sie drohende Kriege erkennen wollen.

Diese Stadt hat mehrere Kriege erlebt, mehrere wurden von hier aus angezettelt, und weitere Kriege drohen aktuell die Welt zu erschüttern und Menschen ihr Leben zu nehmen. Gerade deshalb sollte für Berlin ein Ort für eine friedliche Debatte gefunden werden.

Diese angeblich drohenden Kriege können verhindert werden, wenn wir alle vor dem Reichstag friedlich (!) debattieren? Zelten für den Frieden? Ich bin verwirrt. Der ganze weitere offene Brief von occupyberlin ist geprägt von studentischem Geschwurbel und Allgemeinplätzen, sowie entlarvender Bettelei an die Macht und die Mächtigen oder die, die von oyyupyberlin als solche wahrgenommen werden. Am Ende versuchen die friedlichen Kämpfer_innen der Bewegung mit mehr oder weniger Prominenten zu prahlen, wobei ich eher von Berüchtigten sprechen würde. Nina Hagen, Claus Peymann und Konstantin Wecker rufen bei mir nicht gerade ein Wohlgeühl in der Magengrube hervor. Ich gebe zurück in die angeschlossenen Funkhäuser!

4 thoughts on “Ein offe(r)ner Brief an die OccupyBerlin Bewegung

  1. Ich finde es gut, dass sich gegen asoziales Wirtschaften Widerstand formiert. Zwar stimme ich mit einem Teil der Occupy-Bewegung in der grundsätzlichen Ablehnung von Marktwirtschaft nicht überein, die bestehende Form ist aber – wie man vielfach sehen kann – was den Finanzsektor betrifft nicht soziale Marktwirtschaft und überhaupt kaum mehr als ein Schneeballsystem. Ein System, bei dem von vornherein klar ist, dass es kollabieren muss, bei dem man aber so lange mitzockt und abzockt, bis man den Zeitpunkt zum Abspringen erkannt hat. Um sich dann auch noch retten zu lassen. Von Normalverdienern natürlich, denen man somit neues Spielgeld per Zwangsabgabe entzieht. Gegen so etwas zu sein, ist zivilisatorische Pflicht! Auch schon deshalb, weil die ganzen Extremisten, die gleich Demokratie und Freiheit generell auf die Müllhalde werfen möchten, durch die Betrüger neuen Auftrieb erhalten könnten. Wir haben es mit Staats- und Privatversagen zu tun. Der Staat belästigt Dich immer da, wo es niemandem nutzt und keiner danach gefragt hat, der private Sektor zockt ab und will mit seinem Lobbyismus nur den kurzfristigen Erfolg. Wir wissen doch aus der Geschichte, dass Demokraten die Sache einigermaßen in den Griff bekommen sollten. Sonst kommt ein anderes Management-Team…

  2. Aber bitte nicht solche Leute wie bei occupyberlin!😉

  3. Klar, bei manchen Leuten und auch deren Plakaten möchte man noch etwas mehr Ausgaben für Bildung einfordern. Aber andererseits: Wenn Du immer nur einer Sache etwas abgewinnen kannst, sofern keine Spinner und Radikalen dabei sind, kannst Du Dich für kaum etwas einsetzen. Alle kontroversen Themen ziehen auch solche Leute an.

  4. Aber ich sehe da nur Freaks, Spinner, Esos, Chemtrailniks und Verschwörungsphantasten. Die können doch nicht mal sagen, was sie überhaupt wollen. Das ist mir zu wenig und dann dieses Konsensding. Bäh! Riecht nach einiger Volksgemeinschaft.

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