Telegehirn

Was ist das für 1 Blog?

Liquid Democracy? So nicht!

9 Kommentare

Ursprünglich wollte ich nur einen möglichst kurzen Kommentar zu dem Artikel von Monika Belz über Liquid Democracy schreiben. Ich bin jedoch zu dem Schluss gekommen, dass meine Anmerkungen zu dem Thema Liquid Democracy viel besser in einen eigenen Artikel passen, denn in einen Kommentar.

Ich betrachte Liquid Democracy als Chance für die realistische Umsetzung direktdemokratischer Vorstellungen, sich soweit wie für jeden möglich, an politischen Entscheidungen zu beteiligen…

Was ist mit den Millionen Menschen in Deutschland, die noch nie im Internet waren und es vielleicht auch nicht wollen? Wo bleiben sie in dieser flüssigen Demokratie? Gehen sie nicht einfach unter?

… und sein Wahlverhalten kurzfristig ändern zu können.

Das öffnet doch dem Populismus Tür und Tor. Bestimmte Entscheidungen, die von grundlegender Wichtigkeit sind, sollten langfristig in Kraft bleiben und nicht jede Woche von einer wankelmütigen Menge geändert werden. Da leiert die BILD-Zeitung mal schnell wieder eine Kampagne gegen die „Asylschmarotzer_innen“ an, wie in den 90er Jahren. Der nie irrende Wille des Volkes wird dann schon ganz unvoreingenommen die richtig Entscheidung treffen. Nein, eher nicht.

Mit der Umsetzung von Liquid Democracy kann jeder entscheiden, ob eine Thematik so wichtig ist, dass man sich selbst beteiligt oder anderen Personen vertraut, in betreffenden Sachverhalten die richtige Entscheidung zu treffen.

Die Erfahrung zeigt, dass in unserer Zeit, die Zeit eben ein extrem knapper Rohstoff ist. So wird es zwangsläufig wieder zu einer Delegierung an Dritte kommen, was zur Bildung einer neuen Klasse von „Volksvertretern“ führen wird. Für die Lösung bestimmter Sachverhalte existieren nicht nur eine richtige Entscheidung, sondern eine Vielzahl, die jedoch unterschiedliche Folgen haben können. Wie bei eurem fahrscheinlosen ÖPNV. Entweder ihr schröpft Arbeitslose, Kranke, Behinderte, Geringverdiener_innen und Empfänger_innen von Zwergrenten oder ihr gestaltet es so, daß nur die zahlen müssen, die über ausreichend Einkommen verfügen, aber dann wird es für die Zahlenden teurer als heute. Beide Entscheidungen können „richtig“ sein. Es so zu lassen, wie es ist, ebenfalls.

Ein Zusammenspiel von direkter Demokratie und repräsentativer Demokratie, wo bei die repräsentative Demokratie flexibler als gegenwärtig gestaltet ist. Man kann jederzeit sein Stimmgewicht entziehen.

Ach? Wie kann ich das entziehen, ohne das mein bisheriges Stimmverhalten irgendwo festgehalten wird? Wenn jetzt die Hälfte der Piratenwähler_innen kundtut, dass sie denen die Stimme entziehen, weil sie in Bezug auf die versprochene Transparanz, eben nicht Wort halten konnten oder ihnen der Datenschutzskandal in der Fraktion Übel aufgestossen ist, muss dann die Hälfte der MdAs der Piraten das Haus wieder verlassen?

Ja, das ist eine Revolution…

Ähem…Nein! Eine Revolution wäre, wenn Staat und Kapital erfolgreich in Frage gestellt würden.

…die Umsetzung des Systems richtet sich gegen die real existierende repräsentative Demokratie als Alleinstellungsmerkmal in unserer demokratischen Gesellschaft.

Joar, es gibt ja auch Volksabstimmungen und Volksentscheide. Zumindest auf Landesebene. Ich würde auch nicht von Demokratie reden, wenn durch die Technik glatt mal ein Viertel der Menschen vollständig ausgeschlossen werden. Mindestens. Am Ende haben wir nur eine Handvoll Engagierte und noch weniger Beteiligung der Menschen an politischen Prozessen.

Liquid Democracy will sie nicht abschaffen, aber die Wirkungen der repräsentativen Demokratie wirkungsvoll begrenzen. Was passiert, wenn Politiker als Repräsentanten sich am Morgen nicht mehr sicher sein können, ob sie noch das Stimmgewicht von gestern Abend haben.

Ja, was passiert dann? Um die Folgen, welche auch immer zu verhindern, werden wir eine extrem populistische Politik erleben. Noch extremer als in den letzten Tagen der römischen Republik.

Nun zunächst wird der Wirkungsbereich des Lobbyismus begrenzt, Lobbyisten müssen demzufolge nicht mehr ein paar einflussreiche Politiker überzeugen, sondern einen entscheidenden Anteil der stimmberechtigten Bevölkerung.

Als ob „normale“ Menschen sich nicht bereitwillig vor den Karren irgendwelche Firmeninteressen spannen lassen. Sogar total kostenlos. Apple ist da ein phantastisches Beispiel. Wobei die Frage erlaubt sei, warum die Piraten Fraktion im AHG fast ausschliesslich Apple Produkte verwendet. Naja, anderes Thema.

Insgesamt werden Entscheidungen offener getroffen, da gelernt werden muss, dass diese nur mit der Unterstützung der Bevölkerung getroffen werden können. Intransparenz und Klüngelei – ich möchte nicht sagen, dass diese nicht mehr möglich ist, aber eingeschränkt und sichtbarer als jetzt.

Was meinst du, warum die FDP so energisch auf Steuersenkungen besteht? Weil sie glaubt, damit bei Wahlen erfolgreich sein zu können. Dabei ist es unerheblich, ob solche Senkungen dem Land angesichts von über 2 Billionen Euro Schulden Schaden oder nicht.

Es ist noch eine Vision, aber was spricht dagegen, diese Vision umzusetzen, jedem die Möglichkeit zu geben, an Entscheidungen mitzuwirken, die ihn auch direkt betreffen.

Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen, hat Helmut Schmidt einmal treffend gesagt. Über was soll denn entschieden werden und über was soll nicht so entschieden werden dürfen? Wie fest oder locker die Ketten anliegen?

Meiner Meinung ist es gerade diese Haltung, einen Alleinvertretungsanspruch zu haben, niemand sonst kenne sich mit Thema XY aus und man sei schon X Jahre in diesem Bereich tätig, davon zeugen, dass man schon lange nicht mehr auf Kritik von außen hört, eben betriebsblind wird.

Trifft das in gewissen Punkten nicht auch auf die Piraten zu? Was neue Medien und deren Verwendung betrifft zum Beispiel? Wie wurde da mit Bärbel Höhn nach der Talkshow bei Anne Will umgesprungen! Kam da nicht ein arroganter Alleinvertretungsanspruch zu Tage?

Es gibt oftmals einfache Lösungen für komplexe Probleme, die vielleicht nicht populär sind, aber eher zum Ziel führen, als Phrasen, die nur das Ziel haben, die Bevölkerung zu beruhigen.

Bei welchem der aktuell komplexen Probleme siehts du denn eine einfache Lösung? Hast du keines zur Hand, so reichen mir auch ein paar Beispiele aus der Vergangenheit, obwohl das recht billig ist, wenn mensch weiß, wie das Spiel ausging. Da lässt sich stets leicht sagen, was hätte besser getan werden können.

Gestandene Politiker sehen es als ihre Aufgabe an, die Bevölkerung vor sich selbst zu schützen, zu beschwichtigen oder schlichtweg nur die Hälfte der Informationen preis zu geben die man hat. In erster Linie würde es reichen, ehrlich gegenüber den Bürgern zu sein. Aber aus Angst vor Machtverlust erfolgt dies nicht, Probleme werden von einer Generation auf die nächstfolgende geschoben, ohne neue Lösungsmöglichkeiten zu berücksichtigen.

Lafontaine war 1990 in Wahlkampf ehrlich, was die Finanzierungsprobleme der deutschen Einheit betraf. Er erklärte den Menschen, dass es ohne Steuererhöhungen nicht gehen würde. Kohl dagegen sagte, dass wir die Einheit aus der Portokasse bezahlen könnten. Wer wurde wohl gewählt? Die Steuern wurden dann trotzdem erhöht und die Verschuldung stieg massiv an. Aus dieser Wahl hat die politische Klasse ihre Schlüsse gezogen. Die Piraten haben natürlich keine Angst vor Machtverlust und deshalb haben sie in der ersten Sitzung des AGH gleich mal einen Posten des Vizepräsidenten für sich eingefordert und mehr Befugnisse für einzelne Abgeordnete? Haben das die Wähler_innen der Piraten gewollt?

Geht es denn in der Demokratie darum, die Ziele von Parteien umzusetzen?

Nicht Parteien haben Ziele, sondern Menschen, die diese Ziele innerhalb von Parteien durchsetzen (wollen).

Wenn man diese Frage bejaht, dann wird man den Sinn von mehr direkter Demokratie und somit von Liquid Democracy nicht erkennen.

Orrrrr! Alleine, weil mensch dem nicht zustimmt, ist mensch unfähig den Sinn zuerkennen? Das entscheidene und unverzichtbare bei direkter Demokratie ist, dass alle über alles Abstimmen können. Das Delegieren der eigenen Stimme führt nicht zu direkter Demokratie, denn dieses System haben wir doch jetzt schon. Nur das alle vier oder fünf Jahre gewählt wird.

Meiner Meinung nach ein klares Nein, es geht nicht darum, Programme von Parteien umzusetzen, sondern darum, die Gesellschaft insgesamt zu gestalten, bestehenden Meinungen zu berücksichtigen und die für die Gesellschaft bestmögliche Lösung umzusetzen.

Alle bestehenden Meinungen zu berücksichtigen ist gut und schön, aber Entscheidungen sollten in eine klare Richtung gehen. Der Versuch alle Meinungen umzusetzen, bedeutet eine Verwässerung politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen. Beispiel: Entweder du bist für oder gegen die Homoehe. Versuch da einmal die Ansichten der CSD-Bewegung und des Vatikans zu bedenken. Viel Spaß! Was bezwecken denn Programme der Parteien im Idealfall? Das Gestalten der Gesellschaft. Was ist denn die „bestmögliche Lösung“ für die Gesellschaft? Da gibt es nicht nur ein schlichts 0 oder 1, ein an oder aus.

Aber Liquid Democracy verlangt nicht nur von „Politikern“ eine Umstellung, sondern von jedem einzelnen, der von seinem Stimmrecht Gebrauch macht.

Mache dir da mal keine allzu große Illusionen. Menschen werden dann einfach pauschal ihre Stimmen delegieren und die mit den meisten Followern, die Beliebten und Verführer_innen, werden dann mittels ihres ständigen Stimmgewichts im Rücken den Ton angeben, ohne das diese an konkrete Vorgaben gebunden sind. Wer wirklich mündige Menschen will, eine mündige Gesellschaft, der sollte versuchen die Menschen zu politisieren und nicht ihnen ein Instrument an die Hand zugeben, das es einfach macht, sich bequem aus solchen Entscheidungsprozessen auszuklinken. Ohne eigenes Wissen, ohne den Ansporn eigenes Interesse an grundsätzlichen Fragen zu entwickeln und dadurch in die Lage versetzt zu werden, eigenständig und ohne Vertreter und Makler Entscheidungen zutreffen, wird der Zustand der Politik sich massiv verschlechtern, statt zu verbessern.

Mit der Wahl, selbst mit zu entscheiden bzw. an eine Person seiner Wahl zu delegieren, steigt auch die Verantwortung für diese Entscheidung.

Das bzw. ist das Problem. Einfach delegieren zu können lässt eben die persönliche Verantwortung gravierend sinken.

Wenn mach sich also beteiligen möchte, will man das, um die eigene Meinung durchzusetzen, so wie man aus dem  existierenden Parteien das geringste Übel oder die Gewohnheit wählt? Oder ist man sich dessen bewusst, dass eigene Entscheidungen in größerem Maße als bisher die Politik beeinflussen.

Was spricht dann gegen mehr Volksentscheide wie in der Schweiz? Und ausserdem: Ich muss ja nichts mehr entscheiden, weil der Sascha Lobo das ja für mich macht.😉

Das ist genau der Punkt, in der sich jeder ins Gedächtnis rufen sollte, dass man selbst immer über „die da oben“, die sich nicht für die Meinung der anderen interessieren, beschwert hat.

Slime hat mal gesungen: „Red‘ nicht! Geh‘ los!“ Gehören die Piraten im AHG jetzt nicht auch zu denen da oben?

Ist man bereit, die Gesellschaft zu ändern, ist man bereit, zum eigenen Nachteil Entscheidungen zu treffen oder will man nur Altes bewahren und die Angst vor Neuerungen manifestieren? Auch das ist ein Lernprozess.

Das hört sich so an, als ob es einen Zwang zur ständigen Modernisierung existieren würde? Hauptsache neu! Egal, ob es was taugt oder nicht! Wie beim iphone! Nur der schöne Schein des vorgeblich Neuen!

Diese Verantwortung wiederum zwingt zum Nachdenken.

Der Delegierte denkt doch für mich! Ich habe doch keine Zeit, weil ich mir die Beine in den Bauch stehe, um den neuesten Applescheiß zu kaufen!

Nachdenken ohne Information ist nicht zielführend, weshalb Transparenz in Politik und Verwaltung Voraussetzung dafür ist, dass mehr direktdemokratische Beteiligung an Entscheidungen überhaupt funktionieren kann.

Transparenz? Guter Punkt! Wo finde ich ausführliche Informationen über die Geheimklausur der Piraten-Fraktion in Tschechien? Welche Form der direktdemokratischen Beteiligung an Entscheidungen kannst du dir denn vorstellen? Abseits von Abstimmungen aller über konkrete Entscheidungen?

Ohne weitreichende Transparenz geht es einfach nicht und nein, die Bürger sind nicht dumm, sie sind uninformiert und die, die Informationen besitzen, betrachten diese Information innerhalb eigener Zuständigkeitsansprüche mehr oder weniger als Eigentum oder Besitz.

Konkret: bei welchen anstehenden Entscheidungen fehlen dir denn welche Informationen? Nehmen wir einmal den Flughafen Tempelhof und den Volksentscheid über seine Schliessung. Fandest du die Menschen bei dieser Abstimmung uninformiert? Wenn ja, wer hielt welche notwendigen Informationen zurück? Gleiches könnte ich zu ProReli fragen. Wobei ich zugeben muss, dass es nicht wenige Menschen gibt, die auch durch umfassende Informationen noch dumm sind. Es fehlt an Bildung und Erziehung zur Selbstverantwortung im Kontext der Solidarität.

Diese Verantwortung führt auch dazu, dass man selbst anders wahrgenommen wird, vom reinen Wähler zum Entscheidungsträger nach Wahl.

Ach, es geht um Wahrnehmung? Du fühlst dich von denen, die regieren und herrschen nicht richtig wahrgenommen? Du fordert mehr Anerkennung seitens der Berufspolitiker? Ich fordere deren Eingliederung in die Produktion! Was kannst denn DU konkret mehr entscheiden? Für deinen Willen und deine Wünsche, die du realisiert sehen möchstest, bedarf es immer Mehrheiten. Jedenfalls in einer Demokratie. Ob fest, flüssig oder gasförmig. Wenn jede/r Einzelne zum Entscheidungsträger mutieren soll, warum gibt es dann noch Wahlen zu Parlamenten? Die können wir uns dann doch sparen. Obwohl die Liquid Democracy wohl zur Bildung einer Delegiertenkaste führen wird. Das ist das Gegenteil von direkter Demokratie.

Ja, man wird Kritik für die eigene Einstellung erhalten, diese wird nicht immer sachlich sein, sie wird verletzen und angreifbar machen.

Das ist doch auch heute schon so. Für meine sachliche Kritik an den und meine Polemik gegen die Piraten, stecke ich recht viel unsachliche Kritik ein.😉 Sie verletzt mich jedoch in keinem Falle, und angreifbar? Nun, ja, das kommt auf die eigene Wahrnehmung an und das eigene Selbstverständnis und Selbstwertgefühl.

Man wird sichtbar, ist selbst in der Verantwortung, es sind nicht mehr die anderen, man gehört selbst dazu. Aber ist es dieser Preis nicht wert, selbst mit dazu beizutragen, unsere Gesellschaft zu gestalten?

Wenn ich das ständig delegiere, die Versuchung dazu ist verdammt groß, dann gehört mensch erst recht nicht mehr dazu. Die Millionen Menschen, die noch nie im Internet waren, sind selbstverständlich ebenfalls ausgeschlossen.

Diese Verantwortung wird von uns viel verlangen…

Trommelwirbel! Es wird pathetisch!

…wir werden uns entscheiden müssen, jeder einzelne, was wir wollen…

Ja, das muss mensch wohl jeden Tag: Entscheidungen treffen. Vielleicht kann ich mittels Liquid Democracy ja auch delegieren, was ich morgen esse?

…ob wir was ändern wollen an der Gesellschaft oder ob wir von der Hinterbank weiterhin uns nur über die da oben beschweren.

Seit über 20 Jahren reihe ich mich mal mehr oder weniger häufig in die erste Reihe der Front der Revolution ein. Sich beschweren ist einer der vielen Schritte auf dem Pfad der Veränderung. Ohne Empörung keine Veränderung!

Politik verlangt ein gewisses Maß an Öffentlichkeit.

Drei Worte: Geheimklausur in Tschechien! Wo fehlt dir denn die Öffentlichkeit und noch viel wichtiger: Wer hat Zeit und Lust sich alle Sitzungen dieser oder jener politischen Runden en Detail anzutun?

Ich sehe das nicht negativ, aber wie ich gestern schrieb, es gibt da diese Angst, seine eigene politische Meinung kund zu tun und sich entsprechend für sie einzusetzen.

Angst essen Seele auf. Aber warum sollte jemand Angst haben, „seine eigene politische Meinung kund zu tun und sich entsprechend für sie einzusetzen„? Was sollte passieren? Oder beziehst du das auf den Datenschutzskandal der Piratenfraktion im AHG? Bewerbern könnte ja durch diesen peinlichen Fehler im Stile eines Internetausdruckers, erhebliche Nachteile entstehen. Aber mal im Ernst: Was sollte einem passieren? Kommt die politische Polizei und holt einen ab? Unglaublich viele Menschen beteiligen sich an politischen und gesellschaftlichen Prozessen. Durch Demos, Verbände, Vereine, Parteien, Gewerkschaften, im schwarzen Block usw. usf.

Die Entscheidung kann ich niemanden abnehmen, sie mag schwer sein.

Sie ist keinesfalls schwer und nun ja: Liquid Democracy bietet eben eine sehr bequeme Möglichkeit sich Entscheidungen abnehmen zu lassen, sie zu delegieren und Verantwortung abzugeben.

Angst sollte niemals das Leben bestimmen und einen von der Umsetzung seiner Ideale und Visionen abhalten.

Das ist durchaus richtig, aber wie gesagt: Aus was sollte sich eine solche Angst speisen? Das leuchtet mir nicht wirklich ein. Wer aus ideologischen Gründen, um jeden Preis Liquid Democracy als einzige, richtige, die Menscheheit rettende Lösung propagiert und berechtigte, begründete Kritik daran einfach abbügelt und sich gar nicht auf einen ehrlichen Diskurs einlassen will, um eventuell nicht Schiffbruch erleiden zu müssen, der läuft Gefahr nicht mehr ernst genommen zu werden.

9 thoughts on “Liquid Democracy? So nicht!

  1. wir sind ja alle experten für alles!!! stop! dafür delegiere ich ja an experten und trete die entscheidung an. an wen?wie kan ich dessen eignung beurteilen?gar, wenn der sich hinter nem pseudonym versteckt? mittels bewertungen wie bei kommentaren im tsp-forum bestimmen? so lustige scoringformeln wie bei der schufa? eine art cloud-computing? man könnte dann von wolkendemokratie sprechen. uncool, echt mal!hoch lebe die technokratie. für alles gibt es eine technische lösung. unsinn! menschen und herrschaftsverhältnisse und -strukturen ändern sich nich durch eine software.

    hier soll eine perfide form der herrschaft installiert werden. mit lobo oder justin bieber als bundeskanzler. besser: dieter bohlen! was geht nur in den köpfen der piraten vor. fast allet studenten. was willste da erwarten!!! noch nie richtig gearbeitet,aber die welt auf den kopf stellen. die wahrheit gepachtet. nee, so nich. die internetdemokratie führt eher früher als später zu denselben machtkämpfen und manipulationen wie jetzt. sogar noch schlimmer. mehr als heute bleiben aussen vor. klinken sich aus, nehmen ihr soma und jut is!

    kommen auch wahlcomputer? wahlgeheimnis abgeschafft? wer hütet die daten? sind sie sicher? das diskussionsniveau wird wie in foren total absinken. dann will ich lieber den alten kaiser wilhelm wieder haben. aber den mit dem bart!

  2. Was hast du denn nur gegen eine menschenbeglückende Technokratie! Es liegt nur am Betriebssystem, dass die Herrschaft des Menschen über den Menschen bisher so ungerecht war. True Story. Nicht.

  3. Irgendwer bleibt immer außen vor. Werden in der jetzigen politischen Debatte alle gefragt? Natürlich nicht. Einem Teil der Bevölkerung geht es am allerwertesten vorbei, die können vielleicht mit Mühe angeben, wer Finanzminister ist – oder antworten Helmut Kohl.🙂 Sie interessiert es nicht. Dann gibt es Leute, die keine Zeit haben und die „Expertenthemen“ daher sowieso delegieren. Alte Menschen, die nicht mehr so auf der Höhe sind und auch zu den Wahlen nicht mehr laufen/mit Rollator gehen/sich im Rollstuhl hinfahren lassen – und keine Briefwahl in Anspruch nehmen. Überzeugte Nichtwähler. Dann gibt es z.B. Neonazis, die vielleicht NPD wählen, die Demokraten aber nicht in der demokratischen Debatte dabei haben wollen. Es gibt Rechtspopulisten, für die dasselbe wie für die Neonazis gilt. Es gibt die ganze rieeesige Fraktion, mit der Du, Telegehirn, nicht reden möchtest, weil Du sie für Spinner, Verschwörungsspinner, Esoteriker, Sektierer, Antiwestler, Antisemiten/Antizionisten hälst. Oder wenn Du mit ihnen „spielen“ möchtest, dann um sie auf diesem Wege ein wenig zu attackieren… Also dafür, alle mit reinzunehmen, ist es sowieso zu spät. So gesehen kann genauso gut jeder seine Interessen wahrnehmen. Und als Computernerd die Piraten und Liquid Democracy favorisieren.

  4. Wer technische Hürden bei der Ausübung des Wahlrechts aufbaut, der könnte auch gleich einen Intelligenztest oder eine andere diskriminierende Hürde einführen.

    Die Unwissenheit über die bestehenden Strukturen und Verhältnisse lässt eben nur mittels Bildung überwinden. Jetzt wird mir auch klar, warum die Piraten für die Umsetzung eines BGE sind: Du musst halt 24/7 Infos sammeln, Argumente abwägen und dann abstimmen. Egal über was: Hauptsache es wird abgestimmt. Könnte glatt das Motto von Liquid Democracy sein.

    Über die Anonymität habe ich hier ja nicht viel geschrieben, aber seltsamer Weise wird das Wahlgeheimnis faktisch abgeschafft. Delegierte jedoch können anonym bleiben und ein Pseudonym benutzen. Stell dir vor, du würdest bei Wahlen nur eine Partei wählen können und die schicken dann irgendwen ins Parlament. Verrückt, oder? Demokratisch schon gar nicht.

    In der Tat wird die Politik dann einer Diskussionsseite von Wikipedia gleiche. Übelste Diskussionskultur und ständige Edit und Flame Wars. Mit Verlaub: Dafür ist Politik zu wichtig, um sie in solch schäbigen Gossenstrukturen zu pressen.

    Ach, ja: Die, die heute aussen vorbei bleiben, haben, zumindest ab einer gewissen Größe, eine Vertretung im Parlament. Wo bleibt die Opposition in der Liquid Democracy? Spielt vielleicht keine Rolle mehr, weil es nur noch flüssige Nutzer_innen gibt. Heute Hü, morgen Hott.

    Zum Ende: Wie wird verhindert, dass sich Bereich gegenseitig in die Quere kommen? Heute wird für Strassenbau gestimmt, weil Experte X überzeugen konnte und morgen wird für umfassenden Umweltschutz gestimmt, weil Experte Y so tolle Argumente hatte. Mit einfachen Worten: Wer ist für die große Richtung verantwortlich?

    Und Wahlcomputer kommen mir nicht in die Tüte oder Urne.

  5. Das hört sich alles so etwas an, als stünden die Piraten kurz vor der Ergreifung der Weltherrschaft oder der Errichtung einer umfassenden Herrschaft in Deutschland. Noch sind die Piraten aber gerade mal dabei, mitzumischen und das Ganze ein bisschen aufzumischen. Bis die Piraten wirkliche Macht haben, sind sie schon längst korrumpiert oder soweit durch Kompromisse aufgeweicht und von Idealen abgerückt, dass sie mit den heutigen Grünen vergleichbar sind.

  6. Wehret den Anfängen!😉

    Nach ihrem Selbstverständnis als „neue politische Bewegung“ sind sie ja, dank Schwarmintelligenz und einer Basis, die nie irrt, unaufweichbar und unkorrumpierbar.

    Ich kann nichts falsches daran erkennen, wenn du dir die Vorstellungen der politischen Gruppierungen mal genau anschaust. Liquid Democracy wird von Teilen der Medien recht euphorisch resenziert. Nun gut, es mögen nur vereinzelte Stimmen sein, aber wer kennt schon die Zukunft?

    Bis die Piraten wirkliche Macht haben, sind sie schon längst korrumpiert oder soweit durch Kompromisse aufgeweicht und von Idealen abgerückt, dass sie mit den heutigen Grünen vergleichbar sind.

    Das möchte ich gar nicht bestreiten. Deine treffende Beschreibung zeigt welche systemerhaltende Funktion die Piraten besitzen.😉

  7. LQFB ist nichts anderes als ein Instrument für Politiker. Monika sagt es m.E. doch selbst in einem Kommentar darunter

    [i]Liquid Democracy ist nur mit Delegationen möglich, es liegt an unserem eigenen sozialen Verhalten, dass auf Personen Delegationen erfolgen, die wir für geeignet halten.[/i]

    Wenn man als gesetzt annimmt das die meisten von den Bürgern weder die Zeit noch die Lust noch die Fähigkeiten dazu haben selbst über alles Bescheid zu wissen und nicht einmal dazu herauszufinden wer denn am Besten(tm) über etwas Bescheid weiß bleibt einem Bürger nur eines zu tun. Er kann es an jemanden delegieren von welchem er annimmt das er das entscheiden kann: nämlich an einen Politiker, ein Händeschüttler, einen Versicherungsvertreter der Meinungen.

    Ich hatte bereits Debatten in welchen es um eine Erweiterung von LQFB um Expertenkommentarfunktionen ging. Es wurde abgelehnt weil man eben diese nicht will – es solle sich eben keine(!) Orientierung an solchen Dingen bilden können.

  8. @Telegehirn

    Wehret den Anfängen!

    Die passende Aussage wäre da wohl „Wehret den Anfängern„.

    Sollte es den Piraten nicht gelingen, das Thema mit der Integration der Nicht-Computerfreaks, das Du angesprochen hast, in den Griff zu bekommen, werden sie sowieso niemals groß. Und ab irgendeinem Punkt muss man immer beweisen, mehr als nur Blabla bringen zu können. Das zeigt auch und gerade der Abstieg der FDP.

  9. @NUB:

    Ja, die Piraten müssen irgendwann mal liefern. Eher früher als später. Ich befürchte, die haben sie über diese Integration noch gar keine Gedanken gemacht. Ich habe da mal was von einem Verweis auf öffentliche Computer in Bibliotheken gelesen. Das wird die Lösung sein. Nicht.

    Langsam wird es Zeit, dass die mit konkreter Politik anfangen. In der Opposition eigentlich nicht so schwer. Statt dessen nur eine Peinlichkeit nach der anderen. Die Geschichte mit den Einstellungen von Lebensgefährten hat ein übles Geschmäckle nach Günstlingswirtschaft. Sie wollen anderes sein, aber können es aber nicht.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s