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Anarchie ist nicht wählbar. Wie „parlamentarische Anarchisten“ die Reaktion stützen, statt sie zu stürzen.

9 Kommentare

Seit einigen Monaten wabern sich durch das Internet: Die sogenannten „parlamentarischen Anarchisten.“ Es lässt sich nur schwer bestimmen, ob ich es hier mit einer Gruppe von sehr naiven Menschen zu tun habe, die einfach alle anarchistischen Quellen und Traditionslinien über die strikte Ablehnung des Parlamentarismus überlesen, nicht verstanden haben oder, ob es sich hier um eine neo-netschajewistische Bande handelt, die mit allen Mitteln bekämpft werden sollte. Ungeachtet dessen versuche ich dennoch eine inhaltliche Auseinandersetzung, befürchte aber, dass es ungefähr so fruchten wird, wie einem Vegetarier zu erklären, dass sein tägliches Schnitzel ihn nicht besonders glaubwürdig erscheinen lässt.

Um das Mitglied des Abgeordnetenhaus von Berlin, Oliver Höfinghoff, der für die Piratenpartei ins Parlament einzog und davor für bild.de als Contentpfleger arbeitete[1,2], hat sich eine kleine Splittergruppe gebildet, die mit dem Anspruch hausieren geht, sie wären Anarchisten und Anarchistinnen. Parlamentarische Anarchisten wohlgemerkt. Was sich erst wie ein schlechter Treppenwitz anhört, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Aus vielerlei Gründen, denn wer unter falscher Flagge segelt, sollte sich über einen schmerzhaften Schiffbruch nicht wundern. Wer seinen Arsch in einen warmen und staatlich finanzierten Parlamentssessel drückt und dennoch meint dadurch die soziale Revolution, den Anarchismus zu fördern, erklärt damit im Grunde nur seinen eigenen moralischen, historischen und intellektuellen Bankrott und verliert, nicht nur in meinen Augen, jegliche Glaubwürdigkeit. Hier werden zwingend notwendige Grundsätze des Anarchismus zu Gunsten der persönlichen Machteroberung geopfert. Mit solch kindlich-naiven Positionen wird all den Millionen, die in Vergangenheit und Gegenwart Leib, Leben und Freiheit riskierten oder sogar verloren, um die soziale Revolution und die Emanzipation des Menschen voranzutreiben, höhnisch ins Gesicht gespuckt.

Als parlamentarischer Anarchist stellte Höfinghoff als erste Maßnahme seine neue Freundin, Mareike Peter, als persönliche Mitarbeiterin ein. Im Sinne der piratesken Transparenz natürlich ohne jegliche Ausschreibung. Ein klassisches Beispiel wie Macht mächtig korrumpiert. Da sollte es auch niemanden verwundern, wenn eben jene Mareike Peter Texte der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft FAU zur Hand nimmt und für Parteipropagandazwecke der Piraten verwurstet. Daniel Schweighöfer, der meines Wissens für die Piratenfraktion im AGH tätig ist, veröffentlichte am 14.08.2012 einen Text mit dem abstrusen Titel: „Warum ich als Anarchist in einer Partei aktiv bin.“ Ja, ja, ihr habt richtig gelesen, aber ich bin regelrecht dankbar für diesen lächerlichen und peinlichen Versuch die eigene Verlogenheit auch noch zu rechtfertigen. Als parlamentarischer Anarchist befürwortet Daniel Schweighöfer selbstverständlich die Einführung bezahlter Vorstände bei der Piratenpartei. Ein sicherer Weg, um die Emanzipation nach Vorne zu bringen.

Warum Schweighöfer Anarchist sein will und meint, das mit einer Mitgliedschaft bei den Piraten vereinbaren zu können? „Weil ich die Welt verbessern will und mir dieses gerade als der aussichtsreichste Weg erscheint.“ Ja, nee, is klar! Für mich als Anarchist geht es nicht darum, den aussichtsreichsten Weg zu wählen, sondern jenen, der mir meine Selbstachtung lässt, mit den überlieferten und immer noch gültigen Grundsätzen des Anarchismus übereinstimmt und gerade nicht den Spielregeln von Staat & Kapital entspricht. Offensichtlich haben schon einige Menschen mit einer massiven Geschichtspalmierung auf seinen unhaltbaren Standpunkt reagiert. So schreibt er: „Meistens bekommt mensch als erstes zu hören, dass als Anarchist*in in ner Partei sein gar nicht geht.“ Diese Kritik hätte er lieber einmal verinnerlichen sollen, denn sie trifft in der Tat den Knackpunkt. Warum haben wohl Anarchisten und Anarchistinnen bisher keine Partei gegründet, sich wählen lassen und bei entsprechender Mehrheit einfach die Anarchie eingeführt? Die Antwort darauf ist von solch schöner Schlichtheit: Die Anarchie lässt sich nicht per Dekret oder Gesetz einführen, denn sie ist mehr als schnöde Politik. Sie ist das ganze Leben und ohne Menschen, die für sich selbst denken, ja mitdenken und an einer solchen Form der Gesellschaft aktiv teilnehmen und keine Untertanen sind, die alles tun, was das Gesetz, ein Gott, ein Kaiser oder Tribun befiehlt. Nur eine grundlegende Änderung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse und natürlich der Menschen selbst ermöglicht die Anarchie. Keinesfalls die Wahl einer politischen Elite. Ob sie sich auch die Anarchie auf die Fahne geschrieben haben.

Das Gefängnis, das sich Kapitalismus nennt und vom Staat bewacht wird, muss niedergerissen werden. Mensch lässt sich nicht zum Wärter, zur Wärterin wählen. Aber genau das glauben die parlamentarischen Anarchisten: Wenn sie erst einmal die Wärter_innen sind, dann können sie die Türen der Zellen öffnen und den Menschen die Freiheit schenken. Ein weiterer schwerer Denkfehler: Freiheit wird nicht geschenkt, sondern sie muss erkämpft und verteidigt werden. Desweiteren sind sie als Wärter_innen gezwungen sich an die bestehende Ordnung für Wärter_innen zuhalten und können nur rudimentäre Änderungen an der Gefängnisordnung vornehmen. Tief blicken lässt, wie Schweighöfer sich seinen Anarchismus vorstellt:

Anarchismus ist für mich eine Gesellschaftsform in der es gesellschaftlicher Konsens ist, dass mensch anderen möglichst viel Freiraum gewährt. Anders formuliert: einzelne Mitglieder übernehmen von sich heraus Verantwortung für die Befindlichkeiten und Daten anderer, somit also starke Kontrolle über ihr eigenes Verhalten.

Was zur Hölle! Leute übernehmen aus eigener Machtvollkommenheit Verantwortung für Andere? Damit wird doch nur die selbe fremdbestimmte Kackshice reproduziert, den wir jetzt schon erleben. Aber es wird noch besser, denn hier scheint jemand eine Art religiöser Erleuchtung erlebt zu haben: „Als ich den libertären Bewegungen begegnete und die Utopie annahm…“ Hallelujah, Schwestern und Brüder! Und schon nähern wir uns einem der Knackpunkte des Anarchismus: Der Gewaltfrage. Ich respektiere Genossen und Genossinnen, wie z.B. die Graswurzeler_innen, die Gewalt grundweg ablehnen, aber ich teile ihren Standpunkt nicht. Die alltäglichen Zustände von Staat & Kapital stellen die reinste Gewalt dar und es ist die freie Entscheidung des Individuums, ob und wie es sich gegen diese unerträglichen Zustände zur Wehr setzt. Die Geknechteten haben sehr wohl das Recht sich zu verteidigen. Auch mit Gewalt, aber Militanz darf nicht zu einem Selbstzweck degenerieren. Ja, ich verachte die Gewalt und es erscheint sehr widersprüchlich, wenn ich bereit bin Gewalt anzuwenden, um die bestehenden Gewaltverhältnisse zu beseitigen und ich würde eine friedliche Lösung der sozialen Frage sofort bejahen, aber sowohl der gesunde Menschenverstand und die Geschichte lehren uns doch, dass Staat & Kapital nicht davor zurückscheuen ihre Söldner_innen einzusetzen, um die soziale Revolution blutig niederzumähen.

Die erste lautet, dass ich als Kind unserer aktuellen Gesellschaft gar nicht in der Lage bin, anarchistische Ideale verinnerlicht zu haben.

Oh, contraire! Sicherlich ist es nur schwer möglich innerhalb der Spielregeln von Staat & Kapital selbstbestimmt und frei zuleben, aber was hindert dich daran solidarisch zu sein, sich Freiräume zu erkämpfen, militant zu agitieren und agieren und vieles mehr? In anarchistischen Zusammenhängen und Strukturen lässt sich schon im hier und jetzt möglichst herrschaftsfrei leben, kämpfen und arbeiten, was eine Partei nie bieten kann. Trotz aller Verwertungszwänge, in denen diese Gesellschaft, wie in einem Prokrustesbett gefangen ist, gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, aus anarchistischer Sicht, sich einer Partei anzuschliessen und am Rennen um Macht, Mandate, Posten und Einfluss teilzunehmen.

So entschieden sich z.B. Anarchist*innen im spanischen Bürgerkrieg zu Beginn des letzten Jahrhunderts zu den Waffen zu greifen. Ich finde diese Entscheidung, willentlich andere Menschen zu töten um die eigenen Belange zu fördern, weitaus schwerwiegender und kontraproduktiver als meine, mich in einer Partei zu engagieren.

Dem Terror der Großgrundbesitzer, der katholischen Kirche, der Staatsorgane und ihrer Mordbanden stellten weite Teile der spanischen Bevölkerung die revolutionäre Organisation innerhalb einer anarchosyndikalistischen Gewerkschaft entgegen und waren nicht bereit sich abschlachten und ausbeuten zulassen. Die Gründung der CNT im Jahre 1910 war richtig und notwendig. Sie hatten erkannt, dass eine Beteiligung an Wahlen nicht das Geringste ändern würde und waren damit schon ein ganzes Stück weiter als die heutigen parlamentarischen Anarchisten. Der Kampf um die soziale Revolution in Spanien fand 1936 seinen Höhepunkt, als die Faschisten, Klerikalen und Kapitalisten einen Militärputsch durchführten. Statt eine E-Petition zu verfassen oder eine LQFB-Initiave zu starten, entschieden sich Hunderttausende Arbeiter_innen gegen den Faschismus eine Barrikade zu errichten und wollten damit den Lauf der Geschichte ändern. Sie griffen auch zu den Waffen, wenn sie denn keine hatten, kämpften sie mit bloßen Händen, um nicht Opfer der faschistischen Mordmaschine zu werden. Sie kämpften nicht nur um ihr nacktes Leben, sondern auch für die Realisierung der sozialen Revolution. Ihnen dies vorzuwerfen und für schlimmer zu erachten als die Kollaboration, ja manche sagen dazu Verrat, in einer Partei, die letztendlich wie alle anderen die Macht erwerben und sichern will, ist eine nie dagewesene Beschmutzung und Schändung des Andenkens an diese mutigen und großartigen Männer und Frauen, deren Kampf noch heute als Warnung, Mahnung und Ansporn dient. Der anarchistischen Bewegung in Spanien können und müssen viele Vorwürfe gemacht werden, aber ihnen gerade vorzuwerfen, dass sie todesmutig die Waffen gegen den Faschismus erhoben, um einer anderen, besseren Welt Bahn zu brechen, ist eine unerhörte Dummheit und widert mich zutiefst an.

Es fehlt allerdings noch die Ergänzung, dass ein schneller, also gewaltsamer, Umschwung, meines Erachtens nach, einige wenige in Machtpositionen hievt. Es ist fraglich ob jene nach der ersten Umgestaltung aufgegeben werden.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Anarchismus ist es, dass er den sofortigen Umsturz aller bestehenden Verhältnisse bejaht. Ob mit oder ohne Gewalt. Im Gegensatz zum Marxismus und all seinen Derivaten, die glauben, dass sie die Macht erobern, um dann den Staat absterben zulassen. Was sich durchweg als unmöglich dargestellt hat, denn wer die Macht erst einmal fest umklammert, gibt sie freiwillig nicht mehr so schnell auf. Wer glaubt, dass die soziale Revolution Machtpositionen braucht, um sich verwirklichen zu können, der befindet sich auf dem berühmten Holzweg, denn gerade die soziale Revolution mit ihren selbstbestimmt denkenden und handelnden Menschen macht ja erst, im Idealfall die selbstherrliche Verwendung von Macht unmöglich. Warum sollten ausgerechnet die parlamentarischen Anarchisten während und nach einem langsamen Umschwung, der ja nicht automatisch friedlich verlaufen muss, ihre liebgewonnenen Machtpositionen aufgeben?

Es liegt in der Natur von Parteien, dass sie sich auf eine Vision festlegen und diese innerhalb der Partei über Ausschlüsse durch setzen.

Klassische Demokratie. Die Mehrheit unterdrückt viele Minderheiten. Desweiteren liegt es in der Natur von Parteien, dass sie Hierarchien ausbilden, was sich sowohl durch bezahlte Funktionäre ausdrückt, als auch durch Parteimitglieder, die sich um öffentliche Ämter und Mandate bemühen und diese schliesslich erlangen und sie nicht mehr hergeben.

Dies steht allerdings nicht im Widerspruch dazu, dass Parteien dem Wandel zu einer libertären Gesellschaft begünstigen können. Letzlich hängt es von der Frage ab, wie der Wandel zu einer libertären Gesellschaft zu vollziehen ist. Ich bin der Meinung, dass der beste Weg dorthin dahin führt, dass Parteien Stück für Stück immer unwichtiger werden dadurch, dass direktere Entscheidungsstrukturen gebildet werden.

Diese Naivität ist kaum zu ertragen. Ja, wird denn da wirklich geglaubt, dass Staat und Kapital ihre Privilegien einfach so aufgeben werden, nur weil eine große Anzahl von Menschen, ja vielleicht sogar die Mehrheit, sei es durch Wahlen oder über die Straße will? Sicherlich nicht. Entweder schicken sie die Panzer auf die Straße oder sie kappen dir alle Mittel.

Die Anpassung an das bestehende System, die ich in Frage b ansprach, zu verhindern ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Meiner Meinung nach braucht es dazu den Willen Kritik gegenüber offen zu sein und ständig das eigene Handeln zu reflektieren und gespiegelt zu bekommen.

Von der bestehenden Ordnung nicht aufgesaugt zu werden, ist doch ganz einfach: Sich dem Parlarmentarismus konsequent verweigern. Weder wählen, noch sich wählen lassen. Nicht das Stimmvieh und den Steigbügelhalter, die Steigbügelhalterin für Parteien und ihre Vertreter_innen spielen. Sogar der Verfassungschutz hat das antiparlamentarische Wesen des Anarchismus vollumfänglich begriffen:

Allen anarchistischen Konzepten, ob militant oder gewaltfrei, ist allerdings ein unversöhnlicher Antiparlamentarismus gemeinsam. Die Eroberung der parlamentarischen Mehrheit ist für Anarchisten sinnlos, denn ihnen geht es gerade nicht um die Erlangung von Macht, sondern um die Beseitigung des Staates.

Da kannte der VS noch nicht die parlamentarischen Anarchisten und ihren ausgeprägten Netschajewismus. Und hier denkt jemand wahrscheinlich schon an seine eigene Karriere als Parteifunktionär bzw., wie er selbst bekundet: „Und jetzt noch mal explizit: ich strebe ein Bundestagsmandat an“ und bemängelt den Respekt gegen Parteifunktionäre, was sich wohl auch auf zahlreiche der aktuellen Macht- und Ränkespiele innerhalb der Piratenpartei bezieht.

Erschwert wird das ganze durch den postdemokratischen Mechanismus, dass Funktionäre schnell als “die da oben” bezeichnet und respektlos behandelt werden.

In der Tat: Wer nach oben will, der mag halt keine Kritik von denen, die macht- und mandatlos sind.

Die Macht, die Funktionen unseres Gesellschaftssytem inne liegt, für den libertären Wandel – und nicht ihm zuwider für den eigenen Vorteil – zu verwenden ist eine große Verantwortung.

Ja, durch täglichen Schnitzelkonsum zum Vegetarier werden, ist ein altbekanntes Erfolgsrezept. Wie darf ich mir das vorstellen? Wie wird staatliche Macht verwendet, um den „libertären Wandel“ voranzubringen? Wenn Höfinghoff und seine Seilschaft es bis zum Innensenator gebracht haben, fährt er mit der Dienstlimo durch die subversiven Viertel und verteilt Waffen aus den Polizeibeständen? Sicherlich nicht. In der Ablehnung aller Arten von Machtausübung in den bestehenden staatlichen und kapitalistischen Strukturen zeichnet sich der Anarchismus aus und nicht in der Gier nach Funktionärsposten und Verantwortung, wie Politiker_innen stets sagen, wenn sie ihren Machtwillen tarnen wollen.

Wie ich schon zu Frage a schrieb, müssen Anarchist*innen immer wieder zwischen ihren Zielen und den Mitteln abwägen. Ich sehe die Macht einer Position lieber einer Person mit libertären Ansichten verliehen als einer, die von anderen Dünkeln getrieben ist.

Als Anarchist ist für mich das Ziel, also die Zertrümmerung von Staat & Kapital und die Errichtung einer herrschaftsfreien Gesellschaft nicht verhandelbar und da gibt es auch nichts abzuwägen. Ich bin bereit solange Schiffbruch zu erleiden, bis wir den Sieg haben und Land sehen. Zwischenzeitlicher Misserfolg kann in keinem Falle ein Grund sein sich dem Parlamentarismus zuzuwenden. Wer meint, dass ein libertärer Mensch sich nicht durch Geld und Macht korrumpieren lassen würde, hat das Konzept von Macht und Herrschaft nicht verstanden und belügt sich selbst oder belügt bewusst alle Anderen.

Der Korrumpierung zu begegnen gelingt nur mit ständiger selbst- und Fremdkontrolle und zu letzterer bedarf es auch ein Klima des beidseitigen Vertrauens welches momentan selbst in meiner Partei nicht weit verbreitet zu sein scheint.

Nein, nein und nochmals nein! Der Korrumpierung begegnet mensch ganz einfach indem korrumpierende Verhältnisse und Machtstrukturen, wie sie sich zwangläufig in Parlamenten und Parteien ergeben, vermeidet und solche Institutionen aktiv und passiv ablehnt. Selbst in diesen diktatorischen Verhältnissen wird niemand gezwungen in eine Partei einzutreten oder sich gar in ein Parlament wählen zu lassen.

Aus obigen Gründen schließe ich, dass ich als Anarchist Teil einer Partei sein kann. Auch wenn die Begründung weit gefasst ist erachte ich diese Entscheidung trotzdem als eine persönliche und sehe in meiner Argumentation keinen Allgemeingültigkeitsanspruch. Ich danke allen, die sich durch diese Textwüste durch gearbeitet haben und freue mich auf eure Rückmeldungen🙂

Ich will ja niemandem seine selbst gewählte Identität streitig machen, aber hier wird es doch arg unglaubwürdig und nicht jeder, der behauptet, er sei Napoleon, ist es auch. Als Anarchist Teil einer Partei zu sein und dann auch noch in den Bundestag zu wollen, um dort zu gestalten und zu verändern, meint doch noch die Befüllung seiner/ihrer Brieftasche und die Befriedigung der eigenen Seilschaft mit Posten und dergleichen. Sicherlich ist diese Entscheidung eine sehr persönliche, aber dann muss Schweighöfer auch bereit sein alle negativen Konsequenzen zu tragen, denn entweder ist er ein Naivling, der den Anarchismus in seiner Tragweite nicht einmal im Ansatz verstanden hat oder es handelt sich um einen schnöden Verräter. In beiden Fällen wird hier der Anarchismus als Label benutzt, ja missbraucht, um persönliche Machtinteressen zu stillen.

Am Ende stellt sich auch noch die Frage, welche großartigen Reden, die den Anarchismus voranbringen, hat der Abgeordnete Höfinghoff denn bisher gehalten? Reden, in denen er Staat und Kapital verdammt? 0. Ah, soviele. Das habe ich mir gedacht.

Ich möchte hier noch auf den Artikel von @syndikalista zum gleichen Thema hinweisen.

9 thoughts on “Anarchie ist nicht wählbar. Wie „parlamentarische Anarchisten“ die Reaktion stützen, statt sie zu stürzen.

  1. Hi,

    ich seh die meiste Kritik in deinem Text als durchaus berechtigt an. Was mir aber nicht ganz einleuchtet ist folgendes:

    „>Dies steht allerdings nicht im Widerspruch dazu, dass Parteien dem Wandel zu einer libertären Gesellschaft begünstigen können.

    Diese Naivität ist kaum zu ertragen. Ja, wird denn da wirklich geglaubt, dass Staat und Kapital ihre Privilegien einfach so aufgeben werden, nur weil eine große Anzahl von Menschen, ja vielleicht sogar die Mehrheit, sei es durch Wahlen oder über die Straße will? Sicherlich nicht. Entweder schicken sie die Panzer auf die Straße oder sie kappen dir alle Mittel.“

    Du meinst also wirklich, man soll diese Umgestaltung nicht anfangen, weil man am Ende etwas Gegenwind in Form von Gewehrkugeln bekommt? Wirklich??

    Wo müssen wir denn anfangen, um den Nährboden für die soziale Revolution zu schaffen? Wir brauchen selbstdenkende Menschen, dazu brauchen wir autonomere Bildungseinrichtungen, wir brauchen Bürgerrechte (auch wenn es weh tut, diese nur aus geheuchelter Generosität vom Staat gewährt zu bekommen), wir brauchen mehr Basisdemokratische Elemente. Das alles ist doch auch innerhalb der FdGO zu erreichen! Olli Höfinghoff wird vielleicht nicht selbst mit der Dienstlimo Waffen zu verteilen, er kann aber dafür sorgen, dass klandestine Arbeit gegen den Staat halbwegs machbar bleibt.

  2. sind die parteiflitzpiepen echt oder ist das ne titanicnummer??? so abgefahren dämmlich kann keiner sein,oder?? zu zeiten von nosotro hätten die einen paseo gemacht und gut is. ein anarchist will sich in die bundeslaberbude wählen lassen??? kann er gleich ma 90% seiner diäten an ABC abdrücken. wird nich passieren, klaro. die staatskohle stopft der sich in die eigene tasche und diffamiert schlimmer als jeder pp-pisser CNT-FAI. da krieg ich richtig dolle wut.

    mit anarchie hat dat nischt am hut. purer marxismus auf machtgewinnung fixiert. damit wollen die nur junge leute für sich gewinnen. sie dazu verführen die arschgeigen zu wählen und streuen denen sand in die augen. dieser feige akt der piraterie wird nicht ohne entsprechende antwort blieben. wäre ja noch schöner!!!

  3. @javra: Natürlich sollte mensch schon jetzt mit der Umgestaltung beginnen, aber diese fängt ja vor allem bei einem selbst an und dazu muss ich weder einer Partei beitreten, noch mich in ein Parlament wählen lassen. So erkämpft sich niemand einen Freiraum. Der Weg über Wahlen und Parlamente wird eben nicht erfolgreich sein, da er nur die Verhältnisse verfestigt und sie zwangsläufig jeden Menschen, der aus den Fleischtöpfen der Macht speiste korrumpieren wird und am Ende steht so oder die schwere Entscheidung an, was gegen das letzte tödliche Aufzucken der bestehenden Ordnung getan werden muss. Auf den Gegenwind bereitet mensch sich am besten mit etwas Revolutionsgymnastik vor und nicht mit staatlichen Diäten.

    Für klandestine Arbeit gegen den Staat brauche ich keine Politiker_innen. Warum auch?

  4. @ Kinchmeyer:

    Nein, sie sind leider keiner Fakeaktion der Titanic oder DerPartei. Schön wäre es, aber das Leben… Du weisst.🙂

    Ja, es ist bedauerlich, dass es so kommen musste, aber hier die Arme zu verschränken, ist in der Tat das untauglichste Mittel und ich befürchte, dass das noch nicht reicht und keinen Prozeß des Umdenkens auslösen wird, aber auf der anderen Seite habe n sich die Zeiten geändert, ob wir das begrüßen oder nicht sei dahingestellt. Der Gedanke, dass das total marxistisch, ja bolschewistisch daher kommt, trifft sehr wohl zu und es ist verwunderlich, dass denen das nicht selbst auffällt. Die Reaktionen sprechen ja auch für sich. Eine Melange aus Feigheit, Arroganz und intellektuellem Versagen. Wäre ihre Position so stark oder auch nur annähernd nachvollziehbar, dann würden sie das hier argumentativ zerlegen aber ohne Substanz, ohne jegliche historische Basis vermeiden sie jeden Diskurs. Mit vorgeschobenen Gründen. Armselig, peinlich und zum lachen. Ihre innere Unsicherheit lähmt sie.

  5. Wieder typisch: Leute, die keine Ahnung haben reissen ihr Maul auf. Nicht rummeckern,sondern mitmachen. Bei uns Piraten darf jeder mitmachen. Wir sind die Mitmachpartei. Stehe ruhig weiter abseits und schmolle. Wir verändern Deutschland, die Welt. Die parlamentarischen Anarchisten sind nicht bestechlich oder korrupt.Das geht gar nicht, weil sie ja sagen sie nehmen kein Geld oder lassen sich bestechen..Libertäre Piraten in einem Amt oder mit Mandat nutzen die Macht, das Geld und so nicht für sich. Sie teilen Macht und Geld. Frag Olli Höfinghoff. Der spendet für total anarchistische Projekte wie die Rote Hilfe.Du kapierst das nur nicht.Bist nur neidisch und verbreitest hier Unwahrheiten. Die liebe Mareike hat der Olli erst eingestellt und dann verliebten sie sich.Kennst du Liebe? Du kannst nur Hass verbreiten.

  6. halten wir fest:höfinghoff arbeitet für springer,findet dabei nichts und lässt sich dann ins parlament wählen,stellt seine freundin ein und behauptet ernsthaft er sei anarchist? der andere nappel will sich in den bundestag wählen lassen, weil er sich als libertärer sieht bei dem macht besser aufgehoben ist? sind die irre, lebensmüde oder haben noch nie was über anarchismus gelesen??? begründen können die nix.nur heisse luft. die hetze gegen die span. anarchos/anarchas is ja die derbe krönung. bonze sein und die soziale revolution so in den dreck stossen.

    was denken die ex-genossen von denen. kann mir nich denken dass die die nicht verstossen und verdammt haben.bei der ekelhaften heuchelei.

    VIVA LA REVOLUTION SOCIAL

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