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Offener Brief an den Piraten und „parlamentarischen Anarchisten“ Oliver Höfinghoff

18 Kommentare

Lieber Genosse Oliver Höfinghoff!

Hiermit nehme ich ganz offiziell und öffentlich deine Herausforderung zu einer Debatte an. Du bezeichnest dich selbst als Anarchist. Mit dem Adjektiv parlamentarisch. Das wirft viele Fragen auf und bisher warst du leider nicht in der Lage diese auch nur annähernd zu beantworten, was ich ja durchaus nachvollziehen kann, denn einen parlamentarischen Anarchismus gab es bisher nicht, weil der Anarchismus den Parlamentarismus ablehnt, da dieser sich anmaßt für andere Menschen zu sprechen und für diese zu entscheiden. Die anarchistische Förderation Berlin hat diesen Umstand anlässlich einer Wahlboykottkampagne sehr treffend visualisiert:

Ungültigwahlzettel afb

Ungültigwahlzettel Anarchistische Föderation Berlin

Obwohl, oder gerade weil ich deine Position für nicht nachvollziehbar und gefährlich halte, möchte ich dir doch die Gelegenheit einräumen deine machtfreundlichen Thesen umfangreich darzustellen. Du hattest ja in den letzten Monaten wenig Zeit, da ja nun einmal der Erwerb, der Besitz und die Verteidigung von Macht und Einfluss jede Menge Kraft kosten, worauf du ja in den Urlaub gefahren bist, was du dir ja ob deiner famosen revolutionären Taten wohlverdient hast. Das Posieren für die Kameras während der zum Brauchtum verkommenden Wasserschlacht ist ja auch nicht ohne. Dennoch ist nun der Zeitpunkt gekommen, um einige Fragen offen und intensiv zu diskutieren. Was die Räumlichkeiten für diese Veranstaltung betrifft: Da bin ich ziemlich offen, da ja nicht wenige emanzipatorische Orte schon alleine dadurch ausscheiden, weil diese keine Parteipolitiker_innen oder gar Abgeordnete dulden und niemand möchte ja, dass dir etwas passiert. Der Termin? Je schneller, desto besser. Die Details können wir dann gerne zeitnah klären. Es sei denn, du ziehst deine mehrfach gegebene Zusage wieder zurück, aber dann diskutieren wir eben über dich und deine Ideen zum parlamentarischen Anarchismus und nicht mit dir. Du kannst gerne, neben deinen Jubelperser_innen noch einen Sekundanten mitbringen. Zu Viert redet es sich doch besser, als zu Zweit.😉
Mit anti-parlamentarischen Grüßen
Sascha Klein

18 thoughts on “Offener Brief an den Piraten und „parlamentarischen Anarchisten“ Oliver Höfinghoff

  1. Ich halte die Demokratie für eine Brückentechnologie. Ich will weder beherrscht werden noch über jemanden herrschen. Ich will keine Regierungen, keine Staaten, keine Grenzen.

    Aber die Vorstellung, dass von heute auf morgen die ganze Welt plötzlich anarchistisch sein könne ist, naja, eine Fantasie, um es freundlich auszudrücken. Da wir aber alle gezwungen sind, in der Realität zu leben, müssen wir uns damit irgendwie arrangieren. Zum Beispiel, indem wir Entscheidungen, die wir nicht selber fällen wollen, können oder dürfen, wenigstens in die Hände von Menschen legen, denen wir vertrauen.

    Genau dieses Vertrauen, läßt Du außer acht, wenn Du schreibst „weil der Anarchismus den Parlamentarismus ablehnt, da dieser sich anmaßt für andere Menschen zu sprechen und für diese zu entscheiden“.

    Auch als Anarchist kann ich aus den verschiedensten Gründen (Zeitmangel, Inkompetenz, Desinteresse, …) andere darum bitten, an meiner Statt und in meinem Sinne zu entscheiden. Dann ist diese Entscheidung nicht aufgezwungen und widerspricht nach meiner Interpretation nicht dem Anarchismus.

    Vertrauen kann auch enttäuscht werden. Das ist der Haken an der Sache, für den ich leider keinen Rat weiß.

    Trotzdem kann (und werde) ich versuchen, die Gesellschaft nicht nur durch Überzeugungskraft im Dialog in Richtung Anarchie zu verändern, sondern auch indem ich versuche, die Werkzeuge einer parlamentarischen Demokratie zu benutzen.

  2. Ich freu mich auf eure Auseinandersetzung, auch wenn deine Argumentation meist bei einem „das ist bei allen überlieferten Anarchismustheorien so“ zu enden scheint, was ich sehr schade find.

  3. @Rüdiger Sehls (@Reverend_Sykes)

    Diese Brückentechnologie führt dich im Kreise herum. Herrschaft reproduziert immer wieder neue Herrschaft. Die Bolschewisten nannten den etatistischen Soziallismus sicherlich nicht Brückentechnologie zur herrschaftsfreien Gesellschaft, aber sie meinten es so und mussten scheitern. Ein Scheitern, das von Anarchisten lange vorher erkannt und so postuliert wurde, denn wer nach der Macht strebt, wird sie einfach nicht wieder hergeben.

    Aber die Vorstellung, dass von heute auf morgen die ganze Welt plötzlich anarchistisch sein könne ist, naja, eine Fantasie, um es freundlich auszudrücken.“ Schaue dir doch einfach die Geschichte der spanischen Revolution an. Diese entstand natürlich nicht aus dem Nichts. Sie hatte wenigstens 70 Jahre Vorlauf. 70 Jahre in denen soziale Kämpfe tobten, aber niemals wären diese Leute auf die Idee gekommen eine Partei zu gründen und bei Wahlen anzutreten, um die politische Macht zu erobern, da sie erkannten, dass sie dieser Weg nur in eine andere Form der Skaverei führen würde.

    Da wir aber alle gezwungen sind, in der Realität zu leben, müssen wir uns damit irgendwie arrangieren.“ Aber wer hindert dich daran dir jetzt schon Freiräume zu erkämpfen und mit anderen Menschen solidarisch zu sein?

    Zum Beispiel, indem wir Entscheidungen, die wir nicht selber fällen wollen, können oder dürfen, wenigstens in die Hände von Menschen legen, denen wir vertrauen.“ Du vertraust Politiker_innen? Dann hast du noch einen weiten Weg vor dir, denn ich akzeptiere es nicht, wenn andere sich anmaßen für mich zu entscheiden. Wer als Abgeordneter seine Freundin als persönliche Mitarbeiterin einstellt, der hat dein Vertrauen?

    Genau dieses Vertrauen, läßt Du außer acht, wenn Du schreibst “weil der Anarchismus den Parlamentarismus ablehnt, da dieser sich anmaßt für andere Menschen zu sprechen und für diese zu entscheiden”. Nö.

    Auch als Anarchist kann ich aus den verschiedensten Gründen (Zeitmangel, Inkompetenz, Desinteresse, …) andere darum bitten, an meiner Statt und in meinem Sinne zu entscheiden.“ Wenn alle entscheiden, dass eine Person oder mehrere eine Gemeinschaftsaufgabe (Besorgt 500 Rollen Klopapier) erledigen, dann haben sie die Vollmacht nur genau diese zu erledigen und nicht aus einem solchen Votum die Anmaßung abzuleiten über alles weitere (Wie und wann du scheissen gehen darfst.) aus eigener Machtgeilheit heraus die nächsten 4 Jahre für dich zu entscheiden.

    Dann ist diese Entscheidung nicht aufgezwungen und widerspricht nach meiner Interpretation nicht dem Anarchismus.“ Jede Form der Fremdbestimmung und des Erhalts von Macht- und Herrschaftsstrukturen widerspricht dem Anarchismus grundlegend.

    Vertrauen kann auch enttäuscht werden. Das ist der Haken an der Sache, für den ich leider keinen Rat weiß.“ Ich schon. Soll ich es dir verraten?

    Trotzdem kann (und werde) ich versuchen, die Gesellschaft nicht nur durch Überzeugungskraft im Dialog in Richtung Anarchie zu verändern, sondern auch indem ich versuche, die Werkzeuge einer parlamentarischen Demokratie zu benutzen.“ Mit dem Wagenkreuz des Kapitalismus kannst du den Leuten nur das Rückrat brechen, aber nicht die herrschaftsfreien Reifen auf die Achsen der Gesellschaft aufziehen. Wie auch?

  4. @javra

    Nö, das wird es nicht, aber auf der einen Seite kann doch niemand die 150 jährige Geschichte und vor allem die Natur der modernen Anarchismus ignorieren. Ich warte ja selbst gespannt darauf, was sich denn plötzlich geändert haben sollte, damit Anarchisten meinen, sie könnten im Parlament Platz nehmen und am Spiel von Herrschaft, Macht und Einfluss teilnehmen, ohne das sie als Vollidioten dastehen.

  5. Pingback: Offener Brief an den “parlamentarischen Anarchisten” Oliver Höfinghoff | Popcorn Piraten

  6. @Rüdiger: Zum Thema „Demokratie“ finde ich folgendes Zitat von Vince Ebert eigentlich ganz passend:

    „Im Grunde genommen bedeutet Demokratie lediglich, dass zehn Füchse und ein Hase darüber abstimmen können, was es zum Abendessen gibt. Freiheit dagegen bedeutet, wenn der Hase mit einer Schrotflinte die Wahl anfechten kann.”

  7. Pingback: Offener Brief an den Piraten und Fundi Mirco da Silva « Telegehirn

  8. … und damals in Spanien, da waren alle hierachischen Strukturen aufgelöst, Gewalt kollektiv abgeschafft, kein Wesen verschaffte sich Vorteile, ein Gesetz brauchte es nicht weil sich jeder daran hielt…

    Auch die Spanier organisierten sich, wenn auch in Gewerkschaften und Syndikaten, aberr in denen gab es Mandatsträger, Kompromisse und Leute die trotz besserer Ideologie Macht anhäuften.

    Und die hatten vielleicht auch hässliche Maßanzüge an vllt. weil sie das Handwerk unterstützen wollten, oder um englische Textilmogule zu kitzeln, oder weil sie sich vor sich selbst geekelt hätten mit einem H&M-Anzug von der Partei die Partei.

    Ron Paul, seitens Forbes als AnarchoKapitalist geoutet, wäre schokiert wenn ihr ihn so kritisiertet wie ihr es hier mit dem armen Piraten macht.

    Piraten segeln unter falscher Flagge, haben manchmal zwei Augenklappen und sind auch sonsnt nicht als Bildungsbürger verschrien.
    Und wenn man so den Spiegel vorgehalten kriegt…? Wer steigert sich da nicht gerne rein?

    Und jetzt nehmen wir das U da vorne weg! Direkte Aktion Theoriedebatte! Non Sense Non Sense Trolltopia. Jetzt noch ein illegales Zitat um den Zensus auf den Plan zu rufen um dieses wichtige Dokument per Dekret zu der Berühmtheit zu verhelfen die es verdient.

    Ohne Spaß son Typ bringt wenigstens das Wort in Umlauf, damit auch nicht so verbohrte Holzköpfe wie wir sind damit abgehen können. Denn Konsens funtktioniert ohne Mehrheit nicht.

  9. Ist denn Trolltopia nicht dein Ziel? Wo bringt er denn das Wort, ich nehme an, du meinst das Wort Anarchie, in Umlauf? Welche Propagandareden im Sinne des Anarchismus hat er denn im Parlament gehalten?

    Ja, dann! Wenn Wohnungspolitik nicht ein Thema wäre, um aus anarchistischer Sicht die bestehenden Verhältnisse in Grund und Boden zu kritisieren, dann weiß ich es auch nicht. Es ist ja nicht so, dass Menschen gerade ihre Wohnungen verlassen müssen, weil sie die teuren Mieten nicht mehr zahlen können. Oh, wait! Er könnte, ja müsste, aber wie es sich darstellt drückt er sich davor. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass es da wenig bis keine theoretische Basis gibt. Die Revolution, die ich meine, ist zu jeder Zeit möglich, wenn eine ausreichende Anzahl von Menschen sie will. Das muss nicht zwangsläufig die Mehrheit sein, denn selbst fast alle demokratischen Regierungen vertreten mitnichten die Mehrheit.

  10. Ich habe gerade etwas Schwierigkeiten, deine durchaus nachvollziehbaren Ausführungen zum Anarchofundamentalismus mit dem „ideologischen Rahmen“ hier zusammenzubringen. Da sehe ich z.B. geschickt am am rechten Rand platziert ein „Wir räuchern aus“ über ein paar Bombern im Einsatz. Eine gewisse Identifikation damit kann ich wohl voraussetzen, egal ob du dir in diesem pronominalen Kollektiv nun die Rolle des Piloten oder doch eher des Schreibtischausräucherers vorgestellt hast. Sind die abgebildeten nun die herrschaftsfreien Modelle, wo Sender und Empfänger der Brandbombe im Konsens beschließen, wer sich davon kremieren lassen darf, oder handelt es sich dabei eher um eine Art „Brückentechnologie“ für das Letzte Gefecht?

  11. @stderr

    Du hättest dir deine sinnbefreiten Anmerkungen sparen können, wenn du den Kontext kennen würdest. Aber wozu die Mühe machen?Wobei das wohl ebenfalls sinnlos gewesen wäre, da es sich hier um die ironische Aufnahme eines vor Jahren von Darth Alphonso in Umlauf gebrachten ähnlichen Bildes handelt. Paul13, von NBFS, war so freundlich und liese dieses hier mit einem Link unterlegte Bild herstellen, um den armen Don zu verhöhnen. Damit hat sich deine Analyse als fehlerhaft, ja vorurteilsbehaftet erwiesen.

    Aber schön, dass du hier vorbei geschaut hast. Vielleicht hast du sogar was begriffen, aber da hege ich aus berechtigten Gründen starke Zweifel.

  12. Ach, der Alzheimer mal wieder: der Link aufm Bild ist natürlich kaputt. Mach dir doch mal die Mühe und räum da auf, wa?

  13. @stderr

    Deine beiden Kommentare sind im Spamordner gelandet, was mich ehrlich gesagt nicht sonderlich wundert. Einen deiner Kommentare habe ich heute morgen leider gelöscht. Passiert halt, wenn morgendliche Wurstfinger auf smart phone treffen und da stand auch nichts erhellendes drin. Aber trotzdem Sorry!

    Der Link ist kaputt? Echt? Da erzählste ja was ganz neues! Mit der Suchmaschinenkompetenz eines & 6 jährigen hättest du ohne weiteres die Hintergründe… Ach, was interessieren dich Hintergründe! Richtig! Gar nichts! Aber du sollst ja nicht ganz so dumm sterben und deshalb hier einmal das Original:

    Der Artikel von NBFS ist in der Tat weg. Blogumzug und das alte Archiv ist nicht mehr verfügbar. In der Tat, aber das sind dir wohl zu viele Details.

    P.S.: Dein Verzicht auf jegliche inhaltliche Auseinandersetung mit dem Artikel oder dem Thema allgemein lässt durchaus den Rückschluss zu, dass du Pirat bist, aber dir dieser Umstand so peinlich ist, dass du lieber anonym bleiben. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

  14. Pingback: Das Normalniveau des Patriotismus in Deutschland ist tödlich, Herr Abgeordneter Höfinghoff! « Telegehirn

  15. Ja, Brain, das kann ich dir erklären mit dem Spamordner. Meine Provider ist eine kleine südamerikanische Klitsche, in deren Netz sich mehr elektronisches Ungeziefer tummelt als biologisches im hiesigen Trinkwasser, so dass die IP von diversen Blacklists gar nicht mehr runter kommt (kann man mit etwas Suchmachinenkompetenz … naja, lassen wir das). Nein, mit den Piraten habe ich nichts zu tun. Aber Hauptsache du erkennst eine „vorurteilsbehaftet[e] Analyse“, wenn du eine siehst.
    Dass ich deine Ausführungen „durchaus nachvollziehbar“ genannt hatte, ist dir vermutlich entgangen. Wenn deine bombige Grafik keine politische Aussage haben sondern nur dem „verhöhnen“ eines deiner Cyber-Feinde dienen soll, dann freut mich das einerseits, dass du dich mit diesem antideutschen Quatsch nicht ernsthaft identifizierst, andererseits muss man sich dann genausowenig inhaltlich damit auseinandersetzen wie mit dem restlichen Gedisse, aus dem der „Artikel“ noch besteht.

  16. Ja, war jetzt auch nichts wesentlich anderes als was ich die letzten 8-10 Jahre so dazu gelesen habe, aber so ein paar satirische Spitzen haben’s immerhin unterhaltsam gemacht. Meine Lieblingsstelle ist ja der vierte Absatz: wenn irgendwelche sogenannten Linken daherkommen und „vorgeben“, der Kapitalist sei im „Kapitalismus und Demokratie westlicher Ausprägung“ (vermutlich im Gegensatz zum mongolisch-orientalischen) ja doch irgendwie „finanziell einflussreich“ und „profitiere unangemessen viel“ – also mehr als die Nichtkapitalisten, die vom Kapitalismus selbstverständlich auch profitieren, nur eben nicht so viel, und auch mehr als man ihm als Leistungsträger[tm] so als gerecht[tm] zugestehen muss – dann haben die das bloß vom Stürmer abgeschrieben und man muss laut sagen, dass das alles nur vermeintlich so ist.
    Na denn, prosit Emanzipation, wa!

  17. Hauptsache du hast dich ordentlich unterhalten.

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