Telegehirn

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„Ich bin kein Rassist, Faschist etc… aber … Osama bin Laden ist schon seit 2001 tot.“ Wie Jana Knebel, Beisitzerin der cdu Moabit, die Welt sieht.

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Bei Statments von NachwuchspolitikerInnen der cdu reagiere ich oft kopfschüttelnd. Wie können junge Menschen schon so ideologisch verbohrt und konservativ sein? Die cdu Neukölln bzw. die junge union Neukölln lieferte dafür einige erschreckende Beispiele. Gestern fiel mir Jana Knebel, Beisitzerin der cdu Moabit, unangenehm auf. In Bezug auf die Riots verzweifelter Refugees an der serbisch-ungarischen Grenze, schrieb sie in einer Mischung aus Naivität und unterschwelliger Verhöhnung:

Nach einer Flucht über Tausende von Kilometern, würde wer seine Kinder einfach irgendwo abstellen, um zu sehen, ob im neuen eisernen Vorhang eine Lücke existiert? Genauso solche erzkonservativen Nachwuchspolitikerinnen wie Jana Knebel würden dann sofort den Vorwurf erheben, dass Refugees ihre Kinder im Stich lassen würden, um sich selbst zu retten. Von einem „bewaffneten Angriff“ zu schreiben, ist schon eine Dreistigkeit. Die Truppen des Orban-Regimes, das beste Beziehungen zu csu und cdu unterhält, waren die einzigen, die dort bewaffnet erschienen sind, um den neuen eisernen Vorhang zu verteidigen. Es erscheint mir wie ein schlechter Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet jene, die jahrzehntelang gegen den alten eisernen Vorhang pathetische Sonntagsreden hielten, nun offenbar keine Probleme damit haben, wenn nun Grenzen militärisch befestigt und ebenso verteidigt werden, um Menschen, die vor Folter, Hunger und Krieg fliehen, abzuhalten.

Widmen wir uns wieder Jana Knebel, der Beisitzerin der cdu Moabit. War sie denn schon immer so konservativ und ideologisch fixiert unterwegs? Ja und nein, muss die Antwort lauten. Vielleicht würden einige sagen, dass Jana Knebel ein Paradebeispiel für das ist, was heute als neue Querfront bezeichnet wird. Ob sie heute noch diese drolligen Positionen vertritt, kann ich nicht sagen, aber für 2011 bis 2014 steht das m.E. außer Zweifel fest. Die neue Querfront zeichnet aus, dass sie einen Hang zum Antisemitismus hat, der mehr oder weniger offen zu Tage tritt, und sich gerne mit Verschwörungstheorien befasst, die so blöde sind, dass nur die beschränktesten Menschen sie für bare Münze nehmen. Mit „der Antifa„, die für Jana Knebel ohne Zweifel „extremistisch“ sei, will sie nicht diskutieren. Sie scheint sich bei Lengsfeld und Co. mit dem Mythos, dass Antifa e.V. existiert, angesteckt zu haben.

Mit „Extremisten“ will sie nicht diskutieren, aber warum hat sie dann selbst Positionen vertreten, die nach ihrem Maßstab als „extremistisch“ gelten müssten? Am 5. Mai 2011 postete Jana Knebel auf ihrer Facebookseite einen Artikel der rechten verschwörungstheoretischen Seite „Alles Schall und Rauch“ und schrieb dazu: „Osama bin Laden ist schon seit 2001 tot. War ja fast klar.“ Einen Tag später postete Jana Knebel einen Youtubebeitrag von KenFM, bei dem schon 2011 für durchschnittliche BeobachterInnen klar gewesen sein sollte, wessen Geistes Kind er ist, und kommentierte dazu: „Das bringt alles auf den Punkt! Genial!“ Genial wäre jetzt nicht unbedingt meine erste Wortwahl gewesen, wenn es um KenFM und seine drolligen Theorien zum Tod von Osama bin Laden geht, aber als aufstrebende Nachwuchspolitikerin und vermutliche Mitbesitzerin eines Möbelgeschäftes, könnte so etwas als jugendlicher Leichtsinn bezeichnet werden. Ich würde das natürlich nie als solchen benennen, denn wer wie Jana Knebel studiert und der Meinung ist, dass Menschen „die Universitäten nur von außen gesehen haben“ sich keine Meinung über das „Verfassen von wissenschaftlichen Texten und Arbeiten“ bilden sollten, sitzt auf einem sehr hohen Roß und der Fall kann dann sehr, sehr tief und schmerzhaft sein. Wenn Jana Knebel für sich in Anspruch nimmt, dass sie, weil sie eine Universität besucht, so gebildet sei, dass sie alle Details der Affäre Guttenberg so phantastisch überblicken kann, dann hätte es ihr sofort einleuchten müssen, was es bedeutet, wenn sie KenFM und dem VT-Blog von „Alles Schall und Rauch“ zustimmt.

Es kommt noch „besser“. Der Antisemitismus ist immer noch verbreitet in Deutschland, auch wenn er oft unterschwellig und andeutend daher kommt. Selbst in der cdu Moabit dürfte dafür kaum Platz sein. Ich liebe ja Statements wie „Ich bin kein Rassist, Faschist etc… aber„, denn die danach folgende Relativierung offenbart in vielen Fällen, dass es eben nicht so ist. Das erachte ich als eine billige Schutzbehauptung. Am 22. November 2010 regte sich Jana Knebel über eine Werbung auf, die ihr vermutlich bei Facebook auffiel. Es geht um diese Seite zur Ahnenforschung und irgendwas scheint aus ihr heraus gebrochen zu sein, weil es hier um Juden ging. Ich lasse ihr Posting dazu einfach umkommentiert stehen. Es spricht für sich, wie ich finde.

2014 war Jana Knebel, die jetzt Beisitzerin der cdu Moabit ist, offensichtlich ein recht aktiver Teil der Wahnwichtelbewegung, die jede Woche vor dem Brandenburger Tor ihr Unwesen treibt. Bei dieser Bewegung für „den Frieden“, an der Antisemiten, VTler, Nazis und andere obskure Wichtel teilnahmen, war von Anfang an klar, dass es sich um eine Querfronttruppe handelt. Wer daran teilnahm, wusste ganz genau, worauf er oder sie sich da einließ. Da nützen auch die tollsten Verharmlosungen nichts. Die erste Wahnwichteldemo fand am 17. März 2014 statt und noch am 27. Mai 2014, also über 2 Monate später, kommentierte Jana Knebel unter einem weinerlichen Facebook Posting der „Mahnwachen Deutschland“, indem kritisiert wird, dass die Beteiligung immer weiter zurückgehen würde, dass man doch weiter „mobilisieren“ müsste und „Freunde mitbringen“ solle. Da stellt sich die Frage, wann Jana Knebel das letzte Mal bei einer solchen Veranstaltung teilnahm und war sie „nur“ passive Teilnehmerin?

Solche Klagen seien ja „demoralisierend“ und würden dazu führen, dass man sich irgendwann die Frage stellen würde: „Was mache ich eigentlich hier?“ Ja, was hat Jana Knebel solange bei den „Mahnwachen Deutschland“ gemacht? Ihre Behauptung, dass sie wegen einiger interessanter Professoren der HU dort gewesen sei und dann nicht mehr, scheint eine Schutzbehauptung zu sein. Während nach über zwei Monaten die ersten VTler enttäuscht abwanderten, schrieb Jana Knebel auf Facebook noch Durchhalteparolen. Daher ist anzunehmen, dass sie genau wusste, was sie da tat. Nach all der Kritik an den „Mahnwachen Deutschland„, die vor dem Brandenburger Tor Montag für Montag ihre kruden Thesen in die Welt hinausschleuderten, hätte Jana Knebel, wo sie doch studiert und für sich in Anspruch nimmt, dass sie den intellektuellen Durchblick besitzt, jedenfalls was wissenschaftliche Arbeiten betrifft, wissen müssen, was es bedeutet, wenn sie sich mit Antisemiten, Nazis, VTlern und anderen schrägen Gestalten der Querfrontszene in eine Reihe stellt und noch Ende Mai 2014 zur Teilnahme aufruft.

Was mich verwundert ist, dass sie sich nur knapp über ein Jahr danach als Beisitzerin der cdu Moabit wiederfindet. Wie kann das sein und was wirft das für ein Licht auf die cdu in Moabit? Ich dachte ja immer, bei aller Kritik an der Politik der cdu als Ganzes, dass dort kein Platz ist für Antisemitismus, Verschwörungstheorien und dergleichen sei. Aber selbst der alte Mann lernt noch dazu.

Update:  

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