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Materazzi: Ich habe Zidane beleidigt

Marco Materazzi hat ein Teilgeständnis abgelegt. Gegenüber der “Gazzetta dello Sport” gab der 32 Jährige zu:

Ich habe ihn beleidigt. Aber sicher nicht als Terrorist bezeichnet.

Laut Materazzi war der Auslöser für den Kopfstoß von Zidane eine alltägliche Szene:

Ich hatte ihn am Trikot festgehalten, dann schaute er mich in einer super-arroganten Art von oben bis unten an und meinte:´Wenn du mein Trikot wirklich haben willst, dann kannst du es nach dem Spiel haben.´ Danach habe ich mit einer Beleidigung reagiert.”

Sicherlich kommt es im Fussball in fast jedem Spiel zu solchen Szenen. Spieler beleidigen sich gegenseitig. Ob WM-Finale oder Kreisklasse, stets soll der Gegenspieler so provoziert werden, daß er sich zu einer Tätlichkeit hinreissen lässt.

Hier noch einmal die Szene im WM-Finale als Zinedine Zidane Marco Materazzi niederstreckte. Auch der Vorlauf ist sehr interessant. Man sieht deutlich wie Materazzi Zidane am Trikot hält:

Viele weiter Videos über Materazzi findet man in einem französischen Blog, der sich mit Materazzi beschäftigt. Der Blog wurde offenbar gleich nach dem Finale eingerichtet.

Derweil hat Frankreich Zinedine Zidane vergeben. Zwei Drittel der Franzosen haben Zizou den Kopfstoß gegen Materazzi verziehen.

Das ist ein gute Gelegenheit das neue Telegehirn Forum seiner Bestimmung zu übergeben. Es besteht einiges an Diskussionbedarf und nach und nach kommen die schmutzigen Details der Auseinandersetzung vom Sonntag ans Licht. Dafür bietet der Kommentarbereich nicht genug Raum und vor allem Übersicht. Im Thread Zidane vs. Materazzi können die Umstände und Folgen der Tätlichkeit im WM-Finale diskutiert werden. Wie üblich muss man sich registrieren, um im Telegehirn Forum schreiben zu können. Die Registrierung ist einfach und geht schnell.


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Italien ist Weltmeister 2006 – Zidane rastet aus

Die Italiener haben sich in einem spannenden, aber nicht hochklassigen Finale im Elfmeterschiessen durchgesetzt. Man kann jetzt darüber streiten, ob Italien es verdient hat oder ob sie überhaupt würdig genug sind Fussballweltmeister zu sein. Aber wenn man in 50 Jahren auf dieses Finale zurückschaut, dann wird man nur an den Kopfstoß von Zinedine Zidane denken. An seine Unehre. Seinen Kontrollverlust.

Es stand 1:1 in der Verlängerung und die Italiener waren seit der 70. Minute stehend K.O., was jedoch von den Franzosen genutzt wurde. In der 109. Minute kam zu dem verhängnisvollen Kopfstoss gegen Materazzi. Dabei hatten weder der Schiedsrichter, noch der Linienrichter etwas gesehen. Auch das Live-Bild hatte nicht gezeigt was wirklich passierte. Das Spiel ging zunächst weiter, als wäre nichts geschehen. Der italienische Torhüter Buffon rannte zum Schiedsrichterassistenten und protestierte. Doch das Spiel ging weiter. Da begannen immer mehr italienische Spieler zu protestieren. Der argentinische Schiedsrichter Elizondo unterbrach daraufhin das Spiel. Er hatte jetzt auch den am Boden liegenden Materazzi bemerkt. Es begannen einige turbulente Minuten, die in die Fussballgeschichte eingehen werden.
Was dann geschah, ist bisher noch nie im Fussball geschehen. Der Schiedsrichter zog erstmals den Videobeweis für eine Entscheidung heran. Wenn auch nicht direkt und für alle sichtbar. Die strittige Szene wurde nicht auf der Videoleinwand im Stadion wiederholt. Was man daran erkennen konnte, daß während die strittige Situation im Fernsehen wiederholt wurde, es keine Reaktion des Publikums gab.

Im Fernsehen konnte man deutlich sehen, wie Materazzi und Zidane eine verbale Konversation führten. Zidane drehte dann Materazzi den Rücken zu und entfernte sich vom Italiener. Anscheinend hat Materazzi Zidane ein paar unschöne Worte mit auf den Weg gegeben. Zidane drehte sich daraufhin um und marschierte entschlossen auf Materazzi zu. Er senkte den Kopf und rammte Materazzi den Kopf in die Brust und der 1,94 grosse Stürmer fiel zu Boden. Zidane hatte wie ein wütender Stier Materazzi niedergestreckt. Wie gesagt: die Schiedsrichter haben davon nichts mitbekommen.

Elizondo beriet sich mit seinem Assistenten. Es war erkennbar, daß die Schiedsrichter ihre Head-Sets benutzten. Auch der vierte und der fünfte Offizielle am Spielfeldrand besitzen beide ein Head-Set mit denen man eine Sprechverbindung zwischen den Offiziellen herstellen kann. Wer da noch alles zugeschaltet werden kann, ist nicht bekannt. Zwischen den Auswechselbänken befindet sich ein Bildschirm. Sicherlich hat sich einer der beiden Männer die strittige Szene am Bildschirm angesehen und dann Elizondo mitgeteilt, daß Zidane eine Tätlichkeit begangen hat. Wie die FIFA dazu Stellung nehmen wird, ist noch nicht bekannt, aber damit scheint die offizielle Einführung des Videobeweis kurz bevor zu stehen.
Man kann jetzt viel diskutieren, was Marco Materazzi zu Zinedine Zidane gesagt hat. Noch haben sich beide Spieler nicht geäussert. Der Guardian berichtet, daß Materazzi Zidane provoziert haben soll. Das teilte der Agent von Zinedine Zidane mit und kündigte an, daß sich Zidane bald zu der Situation äussern werde. Nach Gerüchten soll Materazzi entweder die Frau von Zidane beleidigt haben oder Zidane als Terroristen bezeichnet haben.

Doch eigentlich ist es vollkommen egal was Materazzi zu Zidane gesagt hat. Denn Zidane hätte sich niemals zu so einer Tätlichkeit hinreissen sollen. Zidane hat eine lange Geschichte von Tätlichkeiten und Aussetzern. Schon 1998 wurde er während der WM mit Rot vom Platz gestellt. Auch in Liga- oder Europacupspielen konnte Zidane sich nicht immer zusammenreissen. Er hat dem Fussball einen schweren Schlag zugefügt. Er hat sein Image in seinem letzten Spiel zerstört.

Doch andererseits lohnt es sich einen näheren Blick auf den italienischen Fussball zu werfen. Den Bestechungsskandal kann man ausser Acht lassen. Doch eines ist interessant: die Urteile sollen erst am Dienstag oder Mittwoch verkündet werden, obwohl sie eigentlich heute hätten ergehen sollten. Möglicherweise wird mal wieder eine italienische Lösung gefunden und eine Amnestie verkündet.

Besonders Lazio Rom ist für seine große Anzahl faschistischer Fussball-“Fans” bekannt. Sie selber nennen sich Ultras. Anfang 2005 hatte der Laziospieler Paolo di Canio nach einem Tor den Hitlergruß gezeigt. Er redete sich damit heraus, daß er nicht den Hitlergruß gezeigt habe, sondern den antiken römischen Gruß. Er musste nur 10.000 € als Geldstrafe an den Verband bezahlen. Mitte 2005 verunglückte dann der Vorsitzende des grössten Fanclubs von Lazio Rom. Bei der Beerdigung zeigten etwa 1100 Lazio-Fans den Hitlergruß. Anwesend waren auch Francesco Totti und Antonio Cassano. Cassano war nicht nominiert, jedoch war Totti während der WM Mannschaftskapitän.

Zurück zu Zidane: mit seinem Ausraster hat er Frankreich die Weltmeisterschaft gekostet und dem Ansehen des Fussballs geschadet. Auch wenn er von einem Faschisten provoziert worden sein sollte, so darf er sich in einem WM-Endspiel nicht so aufführen. Denn damit hat Materazzi sein Ziel erreicht. Gezielt wurde der Denker und Lenker der Franzosen ausgeschaltet. Das Trezeguet dann einen Elfmeter an die Unterseite der Latte knallte und der Ball unglücklich vor der Linie aufkam, ist eher eine Randnotiz. Nicht Italien hat die WM gewonnen, sondern Frankreich hat sie verloren. Zinedine Zidane hat die Weltmeisterschaft verloren. Es hätte ein ruhmreicher Abgang für Zidane werden können. Selbst wenn die Franzosen mit ihm im Elfmeterschiessen verloren hätten. Aber durch seine Dummheit hat er sich selbst vom Sockel gestossen.

Es ist ein Abgang in Schande. Doch auch auf dem Sieg der Italiener lastet ein Schatten. Der Schatten der Provokation. Die Sperre von Torsten Frings war schon ein Skandal und auch die Italiener auf dem Feld zeichneten sich oft durch Schwalben, Provokationen, Tätlichkeiten und Schauspielerei aus. Was als würdiges Finale einer würdigen WM in die Geschichte eingehen sollte, ist zu einem Spektakel der Schande geworden.

Diese Weltmeisterschaft war wohl die stimmungsvollste WM aller Zeiten, aber sie war von der spielerischen Klasse eines der schlimmsten Turniere aller Zeiten. Vergleichbar mit der WM 1962. Auch das Fair Play erlebte einen Niedergang. Erwähnt seien hier nur die Partien Italien – USA (drei Platzverweise) und Portugal – Niederlande ( 4 Platzverweise)

Man darf darauf gespannt sein, welche Erklärung Zidane abgeben wird, doch eines ist sicher: es gibt für seine Tat keine Entschuldigung.

Kurz nach dem Finale änderten sich massiv die Suchbegriffe mit denen Menschen zu meinem Blog fanden. Anscheinend haben viele InternetnutzerInnen die selbe Ahnung wie ich:

  • materazzi rassist
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Dazu passen auf die Stänkereien der italienischen Zeitung LIBERO:

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Patriotismus und der ganze Kram

Man kann ja in Deutschland keinen Schritt mehr machen ohne überall Schwarz-Rot-Gold zu sehen. Einige Politiker und ein paar Medienvertreter meinen jetzt eine Welle des Patriotismus ausgemacht zu haben. Die Deutschen hätten wieder eine positive Einstellung zur Nation. Zu Deutschland überhaupt. Man würde sich mit diesem Land identifizieren. Man sei wieder stolz und lautstark dabei die Hymne mit dem Brustton der Überzeugung zu singen. Es werden wohl morgen wieder etliche Menschen zu Hause aufstehen und die Hymne mitsingen. Es sei ihnen gegönnt, auch wenn es lächerlich aussieht. Wo es doch sonst so wenige positive Nachrichten gibt. Bei allen deutschen Spielen war ich während der Hymne auf der Toilette und machte mir so meine Gedanken zu dem bevorstehenden Spiel. Bisher hat das immer zum Sieg gereicht. Aberglauben ist weit verbreitet im Fussball. Bei Fans und Spielern. Auch zu Deutschland machte ich mir auf dem Abort meine Gedanken. Zu den Fahnen. Zu den Hymnen. Zu den Reformen.
Ist es wirklich so, daß sich jetzt die Menschen wieder (sic!) zur Nation bekennen. Stolz sind? Ist es nicht eher so, daß die Menschen ihre Liebe zum (deutschen) Fussball wiederentdeckt haben? Zur Nationalmannschaft? Sie spielt nach einer langen Rumpelperiode wieder erfolgreichen Fusssball, dazu noch mehr als ansehnlich. Deshalb die Fahnen an den Autos und Balkonen. Die Menschen feiern nicht die Gesundheitsreform. Sie feiern den Fussball. Die Weltmeisterschaft und den Erfolg der Mannschaft von SPD-Klinsi. Wenn die Massen “Deutschland, Deutschland” rufen, dann meinen sie keinesfalls das Deutschland, dessen Regierung die Steuern in ungeahnte Höhen treibt.

Die WM 2006 und die Gesundheitsreform sollten beide der grosse Wurf werden. Der Befreiungsschlag aus der nationalen Depression. Die Fussballer waren bisher erfolgreich. Die Politiker haben versagt. Die Zeiten des Rumpelfussballs sind vorbei. Die Zeiten der Rumpelpolitik gehen jetzt erst richtig los. Wie genial hatte Schröder gerumpelt. Sieben lange Jahre rumpelte es gewaltig in Deutschland. In der Politk wie im Fussball. Die 16 Jahre unter Chefrumpler Kohl hatten die Meßlatte sehr hochgehangen. Doch Rot-Grün gab sich grösste Mühe und setze neue Maßstäbe in der Rumpelpolitik. Jetzt sollte alles anders werden. Im Fussball wie in der Politik.

Die Menschen tanzen aber nicht auf den Strassen wegen der Gesundheitsreform oder der neuen Arbeitslosenzahlen. Sie feiern keine Steuerhöhungen. Sie feiern Tore! Sie feiern die deutsche Nationalmannschaft. Aber sie wollen Siege sehen. Im Fussball wie in der Politik.

Nach dem Ende der Weltmeisterschaft am 9.Juli wird es ein böses Erwachen geben. Mehrwertsteuererhöhung und im Gesundheitswesen wuchert das Krebsgeschwür der Bürokratie. Die Fahnen werden bald verschwinden und das Jammern und Zähneklappern wird wieder das Leben bestimmen. Die deutsche Depression wird mit größter Wucht zurückkommen. So oft kann es keine WM geben, um die Menschen von den Mühen der Ebene abzulenken. Das System von Brot und Spiele funktioniert nicht mehr durchgehend und der Rausch wird der Ernüchterung weichen. Dann ist auch die Scheinblüte des Patriotismus in Deutschland beendet. Selbst ein Gewinn der Weltmeisterschaft hat nicht eine solche Strahlkraft, um zu verhindern, daß die alltäglichen Probleme wieder Oberhand gewinnen. Die Menschen werden sich nicht vor Großleinwänden versammeln und “Merkel, Merkel” skandieren, wenn im Bundestag immer nur Murksreformen verabschiedet werden. Das mag auch daran liegen, daß die Politik vorhersehbar ist, im Gegensatz zum Fussball.

Geniessen wir noch etwas die gute Stimmung. Zumindest bis morgen Abend. Im besten Fall bis Sonntagabend. Ob mit oder ohne Fahne. Denn es kommen harten Zeiten.

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