Telegehirn

Was ist das für 1 Blog?


Tote Nazis morden nicht!

Sarah Rambatz, Bundessprecherin der Linksjugend solid und Listenkandidatin für die Bundestagswahl der Partei die Linke in Hamburg, hat sich einen bräunlichen Shitstorm 1. Kategorie eingefangen, weil sie in einer Facebook-Gruppe fragte:

antideutsche Filmempfehlungen? & grundsätzlich alles, wo Deutsche sterben.

Rambatz wurde daraufhin, wie es sich laut Medienberichten darstellt, von einem Otto beim Bundesverband ihrer Partei denunziert. Dieser reagierte sofort. Allerdings nicht solidarisch, wie man es erwarten würde, was aber nicht wirklich überraschend daher kommt, denn die Partei die Linke steht wenig bis gar nicht kritisch zu Deutschland, im historischen, wie im aktuellen Bezugsrahmen. Eine Partei, die eine zu rassistischen und nationalistischen Äußerungen neigende Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl aufstellt, um damit bewusst oder unbewusst am rechten Rand nach Stimmen zu fischen, kann nur ein Haufen ohne jegliche Ähre sein.

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Jeder Wähler ist ein Tröpfchen von dem Öl, das die große Staatsmaschine schmiert.

2017 ist wieder ein Wahljahr auf Bundesebene und wie zu jeder Wahl, erwacht das Bashing der Nichtwählenden, wie der Werwolf sich zum Vollmond erhebt. Schuld seien sie am Elend der politischen Landschaft, ja auch verantwortlich für das Regenwetter und fallende Börsenkurse. Wer nicht wählt, der würde den Rechten, in diesem Jahr der afd, damit einen Vasallendienst erweisen. Lassen wir einmal die eher politischen Gründen beiseite, die zu einer bewussten Wahlenthaltung, ob durch Nichtteilnahme oder ungültig wählen, führen, weitgehend außer Acht. Erich Mühsam hat dazu mit Humbug der Wahlen und mit der Naturgeschichte des Wählers ausreichenden Lesestoff für die Interessierten verfasst. Überzeugte Fans von Staat, Parlament und Kapital lassen sich davon eher selten überzeugen, denn sie sind in ihrem ideologischen Prokrustesbett gefangen und ihre Befreiung können sie nur selbst leisten.

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Wo das Auge mitisst, da verhungert der Verstand. 

In der linksradikalen Szene, die es so als monolithischen Block nicht gibt, denn sie kann immer nur die Summe aller Teilnehmenden sein, zählt Verwertbarkeit und Nützlichkeit von Menschen nicht weniger als im Rest der Gesellschaft. Überraschen sollte das nicht, aber es sollte wenigstens beschämen.

Sich als Linksradikale im staatlich verfassten Kapitalismus von eben diesem freizumachen, ist faktisch unmöglich. Nur weil man vegan lebt, sich ausschließlich Biofressen leisten kann und keine imperialistische Coca-Cola trinkt etc., bedeutet das noch lange nicht, dass man sich über den Rest der Gesellschaft erhebt, auch wenn man sich so fühlt. Größte Anstrengungen werden darauf verwendet nur nicht zu diskriminieren und stets die korrekten Formulierungen und adäquaten Schreibweisen zu verwenden. Wenn Menschen schon ausgeschlossen werden, dann sollen sie sich wenigstens nicht Scheisse fühlen und oberflächlich nett behandelt werden. Das Konzept des Klassismus ist da ein solch abschreckendes Beispiel. Seid wenigstens nett zu den Armen, wenn ihr schon nichts gegen Klassenunterschiede unternehmen wollt oder könnt.

Das Konzept des Lookismus ist ein weiteres Beispiel gelebter Heuchelei und hohler Phrasendrescherei ohne wirkliche Konsequenzen für das eigene Verhalten. In Teilen der linksradikalen Szene, insbesondere unter den Jüngeren, hat sich in den letzten Jahre ein Körper- und Schönheitskult entwickelt, der durchaus Parallelen zum faschistischen Kult um Körperlichkeit entwickelt hat.

Hier werden jene Körper- und Schönheitsideale der Mehrheitsgesellschaft nicht nur gedankenlos reproduziert, sondern noch ins Extreme gesteigert. Unreflektiert und begierig werden jene Normen, die von einschlägigen Medien und der boomenden Beautyindustrie ausgespuckt werden, übernommen und gelebt.

Häufig äußert sich dies in ostentativ on- und offline vorgetragenen Statements, wie „hot“, „sexy“ und „gutaussehend“ diese oder jene Person sei. Unter Selfies werden mehr oder weniger eindeutige sexuelle Avancen in Kommentaren gepostet, wobei alle Personen dem gesellschaftlich vorgegebenen Schönheitsideal entsprechen. Jung, schlank, am besten gestählt durch Besuche im Fitnessstudio und im Yogakurs. Wie fragil muss die Selbstwahrnehmung sein, um sich ständig gegenseitig über Oberflächlichkeiten zu versichern, wie attraktiv und sexy man sei? 

Dieser gnadenlose Konkurrenzkampf, in dem es um ausschließlich um sexuelle Verwertbarkeit und optische Nützlichkeit geht, der jene Konkurrenz im Kapitalismus um Essen, Geld, Wohnraum etc. locker in den Schatten stellt, beinhaltet selbstverständlich einen massiven Ausschluss von allen, die nicht den aufgesaugten Idealen entsprechen.

Es wird nicht einmal versucht aus einer „Ich finde … weil“ Perspektive zu formulieren und argumentieren, sondern es werden faktische Wahrheiten postuliert. Solange man dazu gehört und von den ausschließenden Verhältnissen profitiert, fehlt jegliche Wahrnehmung, dass das eigene Verhalten problematisch sein könnte. Sich zu fragen wie die eigenen Präferenzen für Körper- und Schönheitsideale entstanden sind und wie diese laufend befeuert und am Leben erhalten werden, ist wohl selbst für Menschen, die sich als Linksradikale den Prinzipien von Aufklärung und Emanzipation verpflichtet fühlen sollten, zu viel verlangt. 

Nun reite ich hier eine anklagende Attacke vom hohen Roß der Moral. Ich selbst war und bin auch heute nicht immer frei von solchen Gedanken und Verhaltensweisen, aber ich merkte schnell, dass mich diese Oberflächlichkeit nicht weiterbringt und meine Bedürfnisse befriedigt. Was für mich Menschen schön oder hässlich macht, sind Dinge, die diese sagen oder machen. Oder eben nicht sagen oder machen. 

Wie in der Einleitung erwähnt, ist es faktisch eine Unmöglichkeit sich von der kapitalistischen Verwertungslogik freizumachen, solange der Kapitalismus besteht und seine alles erfassende Wirkmächtigkeit entfalten kann. Jedoch wäre es möglich sich der Verwertung der Körperlichkeit und hingeworfenen Schönheitsideale zu entziehen, wenn der Wille zur Reflektion vorhanden wäre und daraus eine Bereitschaft zur Veränderung der Verhaltensweisen entstünde. Das ist aber überhaupt nicht in Sicht. So streben viele, die sich als Linksradikale betrachten, weiterhin einem Ideal des fitten und als attraktiv wahrgenommen Volkskörpers zu. 

Von diesem Konzept wird nun einmal profitiert und wer ist schon bereit auf Profit zu verzichten? 


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Zwangsräumung: Landen Andrej Holm und Tom im Kofferraum von r2g?

Seit der Bekanntgabe, dass der Stadtsoziologe Andrej Holm als Staatssekretär für Wohnen in den rot-rot-grünen Senat eintritt, tobt eine von erzrechten Hetzern vorangetriebene Kampagne gegen ihn. Dabei geht es nur vordergründig um eine reine Personalfrage. Die fachliche Eignung von Andrej Holm kann niemand bestreiten. Er ist zur Symbolfigur für die von r2g, aber vor allem von der Partei die Linke, versprochene wohnungs- und stadtpolitische Wende geworden. Weiterlesen


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Legal, illegal, „asozial“

Als „asozial“ diffamierte Menschen sind bis heute eine Opfergruppe des deutschen Nationalsozialismus, die weder eine Anerkennung, noch irgendeine Form der Entschädigung erfahren hat. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges setzte sich die Diskriminierung sowohl im Westen, wie auch im Osten fort und hält bis heute an. Auch waren die Nationalsozialisten keineswegs die Erfinder einer Kampagne gegen Menschen, die sich, zum Zwecke der Verwertbarkeit, nicht in die Volksgemeinschaft einfügen konnten oder wollten. Schon zu Zeiten des Kaiserreiches und der Weimarer Republik gab es eine, wenn auch nicht tödliche, Diskriminierung. Weiterlesen


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Dr. Bodolove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Cake

Ein Gastbeitrag [1] zu dem tortenpolitischen Zwischenfall während des Bundesparteitages von der Partei Die Linke in Magdeburg.

Es hätte so schön werden können. Der Bundesparteitag der LINKEN in Magdeburg sollte dem geneigten Beobachter*, vor dem Bild der verlorenen Landtagswahlen im Frühjahr, das Bild einer geschlossenen, wenn nicht sogar kämpferischen Partei nahelegen. Kämpferisch wurde es dann gleich zu Beginn der Sitzung als die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Sarah Wagenknecht, vor laufender Kamera eine Torte ins Gesicht gedrückt bekam. Was danach folgte war nicht nur ein Paradebeispiel für politischen Korpsgeist, sondern auch für eine militärische Rhetorik die eine emanzipatorische und sozialistische Partei eigentlich schon längst unter den Überresten des Eisernen Vorhangs hätte gekehrt haben müssen.

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